Hanau

Kalli Wolff ist der Hanauer Gesundheitsexperte

Hanau. Mit 55 war für Kalli Wolff erst einmal Schluss. Er ist ausgestiegen. Hat den sicheren Job als Führungskraft bei der Barmer hingeworfen und sich eine Auszeit gegönnt. Das, was für junge Leute nach dem Abi fast schon selbstverständlich ist – Pause, Selbstfindung, Reisen – hat Wolff als Best-Ager praktiziert.

Von Kerstin Biehl

„Ich wollte einfach mal selbst bestimmen, was mit meiner Zeit geschieht“, sagt der 57-Jährige über sein Sabbath-Jahr. Wolff ist den Jakobsweg gepilgert. Von Portugal nach Santiago di Compostela. „Das war das Highlight meiner Auszeit“, so Wolff. Diese Pilgerreise zog eine „Sucht“ nach sich, wie der Hanauer es nennt. Seitdem zieht es Wolf immer wieder hinaus. „Ich laufe nun jedes Jahr einen Teil des Jakobswegs, mache dabei immer andere Touren. Es ist ein ganz besonderer Spirit, der auf dem Weg vermittelt wird“, erzählt er.

Wandern und Pilgern sind die Leidenschaften

Für 2020 hat er sich den bergigen Weg von Spanien aus vorgenommen. Eine 300 Kilometer Strecke wird er dabei bewältigen müssen. Auf seiner Wanderung übernachtet Wolff nicht in Herbergen; vielmehr zieht er kleine, eher einfache Pensionen vor. „Ein Zimmer für mich, eine Dusche für mich und auch Zeit für mich, das ist mir dabei wichtig“, begründet er. Im vergangenen Jahr hat er sich dem weltbekannten Pilgerort von Portugal aus genähert, ist für 14 Tage die Küste entlang gelaufen.

Wandern und Pilgern, das seien seine Hobbys, sagt der Hanauer. Ob er gläubig ist? „Ja, definitiv“, lautet die Antwort. Als Protestant sei er überzeugt von der Kirche, sie leiste in sozialer Hinsicht ganz viel. Ein Kirchengänger ist Wolff deshalb aber nicht.

Nach seiner Auszeit vor drei Jahren hat Wolff den Wiedereinstieg in der Kommunikationsentwicklung des kommunalen Centers für Arbeit in Gelnhausen gesucht. „Aber das war nicht so richtig erfüllend für mich, nicht so, wie ich es gerne gehabt hätte“, sagt er.

Seit 2019 Projektleiter Gesundheitsstandort Hanau

Ihm sei es schon immer wichtig, mit Menschen zu agieren, das könne er gut, das mache ihn zufrieden. Der Ruf aus Hanau kam da genau recht. Dort ist Wolff seit Januar 2019 als Projektleiter Gesundheitsstandort Hanau angestellt. Seine Aufgaben sind vielfältig: „Im Kern geht es darum zu zeigen, was wir als Gesundheitsstandort können. Wir wollen unter den handelnden Akteuren eine deutlich bessere Vernetzung hinbekommen. Denn ich bin davon überzeugt, dass, wenn man mehr voneinander weiß, Angebote besser präsentieren und besser nutzen kann.“

Wolff sieht sich in seiner neuen Rolle als „Lotse im Gesundheitssystem. Sich so mit dem Thema Gesundheitsstandort zu beschäftigen, gab es so noch nicht“, sagt er und lobt die Möglichkeiten, die durch Hanaus Entwicklung hin zur Großstadt und zur kreisfreien Stadt entstünden: „Wir bekommen ein eigenes Gesundheitsamt, da entsteht natürlich auch die Möglichkeit, das Profil Gesundheitsstadt Hanau zu schärfen.“

Gesundheit ist Wolff folglich auch im Privaten wichtig. Dreimal die Woche geht er Joggen, läuft dabei zwischen zehn und zwölf Kilometer. Das macht er in Hanau, das er sein Zuhause, seine Heimat nennt – „Je älter man wird, desto wichtiger wird dieser Begriff.“

Nach dem Fußball zum Laufen gekommen

Mit dem Laufen habe er begonnen, als er mit dem Fußballspielen aufgehört habe, erzählt der Anhänger des FC Bayern München, der mit dem Kicken als Jugendlicher bei 1860 Hanau begonnen hat. Von da aus ging es nach Hasselroth. „Dort hatte ich wunderbare Jahre gehabt, meine schönste Fußballzeit“, schwärmt er.

Auf seine Gesundheit muss der zweifache Familienvater, der in der Weststadt zu Hause ist, nicht zuletzt auf Grund seiner Diabetes Erkrankung achten. Auch drei Hörstürze hatte Wolff zu verkraften. „Ich habe meine Ernährung komplett umgestellt“, erzählt er. Nicht ganz einfach, für den Genussmenschen Wolff. „Ich esse sehr gerne und mag gute Weine. Aber natürlich weiß ich dabei, dass weniger mehr ist. Ein richtig guter Tropfen ist ein Genuss, aber da sollte man auf Qualität achten.“

HA-Kolumne alle zwei Wochen

Gesunde Ernährung, wird in Kalli Wolffs neuer HA-Serie „Kallis Gesundheitsecke“ ein Thema sein. „Ich möchte Themen rund um die Gesundheit auf einfache, möglichst verständliche Weise darstellen. Möchte dabei die Lust wecken, sich überhaupt mit dem Thema Gesundheit zu beschäftigen. Wichtig ist, dass es Freude macht, man muss Lust darauf haben. Nicht müssen, sondern wollen“, sagt Wolff, der mittlerweile 40 Jahre im Gesundheitswesen tätig ist.

Kallis Gesundheitsecke

Kalli Wolff beschäftigt sich seit vier Jahrzehnten mit dem Gesundheitswesen und ist Projektleiter bei der Stadt für den „Gesundheitsstandort Hanau“.

Für die Leser des HANAUER ANZEIGER gibt er künftig alle zwei Wochen Gesundheitstipps.

Ganz wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Prävention. In diesem Bereich sei in den vergangenen Jahren eine enorme Entwicklung vorangeschritten. „Prävention ist ein Instrument geworden, mit dem man ganz viele Krankheiten reduzieren, vermeiden oder zumindest bestehende Krankheiten so in den Griff bekommen kann, dass man trotzdem ein gutes Leben damit führen kann. Ein ganz spannendes Thema“, so Wolff.

Wolff will auch medizinische Themen ansprechen

Auch die Palliativmedizin sei faszinierend. Die Botschaft des Ummantelns, des in Würde, in Wärme, in Nähe Sterbens sei hier enorm wichtig. „Auch ein Thema, mit dem man sich in zunehmendem Alter mehr beschäftigt, als wenn man 20 ist. Der Mensch ruiniert im Grunde genommen in der ersten Hälfte seines Lebens seine Gesundheit so sehr, dass er dann in der zweiten Hälfte die Zeit wieder braucht, um die Gesundheit einigermaßen wieder in den Griff zu bekommen“, weiß Wolff und betont, die Themen der neuen HA-Serie möglichst breit aufstellen zu wollen.

Wichtig sei es deshalb, Kindern von Kindesbeinen an das Thema Gesundheit näher zu bringen, damit zum Beispiel bestimmte Ernährungsfehler gar nicht erst entstehen.

Früher Nutella, heute Käse

„Es muss Spaß machen. Nur Entbehrung bringt nichts. Ich selber bin süß groß geworden. Habe als junger Mann ein halbes Blech Hefekuchen verputzt und weiß nicht, wie viele Paletten Nutella ich leer gegessen habe“, blickt er zurück. Inzwischen versuche er, zumindest die Woche über kein Nutella und keine Marmelade zu essen, stattdessen Wurst und Käse.

All diese Themen und noch viele weitere wird Kalli Wolff in Zukunft ausführlich in der Rubrik „Kallis Gesundheitsecke“ alle zwei Wochen im HA beleuchten. Die erste Folge erscheint am kommenden Freitag.

Das könnte Sie auch interessieren