Mikroplastik ist unter anderem in Gels, Cremes und Peelings enthalten. Die Partikelchen sind winzig klein und von Filtern kaum zu erfassen. Symbolfoto: Pixabay

Hanau

"Jute mit Jutta": Mikroplastik in Kosmetik und Textilien

Hanau. Textilien, aber auch Peelings oder andere Kosmetika enthalten kleinste Kunststoffteilchen, die mit bloßem Auge fast nicht zu sehen sind. Sie gelangen in die Flüsse und ins Meer, unzählige Tiere sterben daran, und auch unsere eigene Gesundheit ist gefährdet.

Von Jutta Degen-Peters

Das Problem Mikroplastik wird die Abwasserentsorger künftig stärker beschäftigen, prophezeite unlängst der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA), Johannes Lohaus in einem Interview. Denn mehr als 90 000 Tonnen Mikroplastik landen Schätzungen zufolge in der Umwelt – und früher oder später im Abwasser. Davon kann in der Kläranlage Hanau auch Michael Ruess von der städtischen Abwasserbeseitigung ein Lied singen. Im Interview (siehe unten) erklärt er, dass man derzeit noch nicht in der Lage sei, die mikroskopisch kleinen Plastikteilchen aus dem Klärschlamm herauszufiltern.

Ein Großteil des Kleinstplastikabfalls entsteht nach Einschätzung des Umweltbundesamts durch das achtlose Wegwerfen von Verpackungen oder Flaschen, die so nach und nach in kleine Teilchen zerfallen. Beim Autofahren sorgen wir dafür, dass durch den Reifenabrieb auf den Straßen rund 43 000 Tonnen hinzukommen.

100 Tonnen bei KosmetikindustrieAuch die Kosmetikindustrie trägt ihren Teil zu der Verschmutzung bei: 100 Tonnen Mikroplastik fallen dort laut Umweltbundesamt an. Was wir anrichten, wenn wir unsere Sportklamotten aus synthetischen Fasern waschen, darüber gibt es offenbar noch keine Zahlen.

Mikroplastik in Kosmetik zu erkennen, ist schwierig. Es kann enthalten sein in Cremes, Rasierschaum, Deospray, Duschgel oder auch Lippenstift und Puder. Oft fehlt aber unter den Inhaltsstoffen der Produkte ein Hinweis auf Plastik. Komplizierte Fremdwörter wie Polymethylmethacrylat, Nylon-6, Acrylates Copolymer oder Polyethylenterephthalat verwirren mehr, als dass sie aufklären. Allgemein verständliche Erläuterungen zu den Inhaltsstoffen auf der Packungsrückseite sucht man meist vergeblich. Hier hilft ein Einkaufsratgeber des BUND weiter. Dieser listet Kosmetik auf, die Mikroplastik enthält.

Apps als HilfeAuch kostenfreie Apps wie „Beat the Microbeat“, vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen unterstützt, sollen es dem Verbraucher erleichtern, die Inhaltsstoffe zu entziffern (Quelle: Mitteldeutscher Rundfunk (MDR).

Was können die Bürger sonst noch tun? Das Umweltzentrum Hanau hat auf seiner Homepage jetzt Tipps und Tricks zusammengestellt, wie man Plastik in vielen Bereichen vermeiden kann. Leiterin Gabriele Schaar-von-Römer rät beispielsweise dazu, beim Einkauf auf Naturmaterialien wie Wolle, Baumwolle oder Viskose zu setzen.

Diverse Alternativen„Auch das Secondhand- oder Leihprinzip ist eine gute Möglichkeit, auf 'neues Plastik' zu verzichten“, sagt sie. Aus diesem Grund enthält der Ratgeber auf der Homepage, die in Kürze freigeschaltet wird, eine Liste von Secondhand-Läden in Kommunen des Altkreises Hanau. Auch die Apps wie „Beat the Microbeat“ sind dort aufgeführt. Es gibt auch eine App, mit deren Hilfe man Barcodes von Produkten scannen kann, um dem Hersteller mitzuteilen, dass man sich eine Verpackung ohne Plastik wünscht („ReplacePlastic“).

Wer auf sein Körper-Peeling nicht verzichten will, kann das künftig selbst herstellen. Im Ratgeber „Noch besser leben ohne Plastik“ von Nadine Schubert ist folgendes Rezept zu finden: Zwei Esslöffel Kokosöl, ein Teelöffel Sheabutter und zwei Teelöffel Orangenöl werden angereichert mit drei Esslöffeln feinem Salz oder Zucker. Alle Fette im Wasserbad schmelzen und verrühren. In einem kleinen Schaubglas (200 Milliliter) etwas abkühlen lassen und Salz oder Zucker einrühren. Das Ergebnis, so heißt es dort, sei ein halbfestes Peeling, das die Haut wunderbar weich mache.

www.hanau.de/lih/umwelt/uwz/084108/index.html

www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/meere/meere_mikroplastik_einkaufsfuehrer.pdf

www.mdr.de/nachrichten/ratgeber/mikroplastik-schweden-fragen-und-antworten-100.html

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