Luis Möller, Marius Höfler und Laurin Niclas Dörre von der Ludiwg-Geißler-Schule in Hanau holten sich die Siegerkrone in der Kategorie Mathematik/Informatik mit einer Cloud-Applikation zur Terminplanung. Foto: Swierzy

Hanau

Jugend forscht: Schüler entwickeln App für Termine

Hanau. Ob anwenderfreundliche Cloud-Applikation oder Grundlagenforschung für eine ökologischere Gesellschaft: Die junge Forschungsgemeinde entwickelt Lösungen für viele aktuelle Herausforderungen. 77 Jungforscher aus der Region Rhein-Main Ost haben am Samstagnachmittag ihre insgesamt 38 Forschungsprojekte vorgestellt.

Von Philipp Swierzy

Insgesamt 12 000 Forscher bewarben sich deutschlandweit für die 53. Wettbewerbsrunde von „Jugend forscht“. Die diesjährige Ausgabe für die Region Rhein-Main Ost bei Gastgeber Heraeus stach ebenfalls bereits im Vorfeld mit der zweitbesten Anmeldezahl heraus. Und „die Qualität war besser als im letzten Jahr“, so der Regionalpate des Wettbewerbs, Dr. Jörg Wetterau von Heraeus. Zum achten Mal hatte der Hanauer Technologiekonzern die Patenschaft für die Ausrichtung des Wettbewerbs übernommen.

Die ehrenamtliche Jury aus Lehrern, Heraeus-, Norma- und IHK-Mitarbeitern wählte fünf Erstplatzierte, die allesamt eine 75 Euro Siegprämie einsackten. Wettbewerbsleiter Hans Werner Bechtold von der Humboldtschule in Bad Homburg zeigte sich bei der feierlichen Siegerehrung vor 300 Gästen ebenfalls von den Forschungsarbeiten begeistert. „Die Qualität der eingereichten Projekte war dieses Jahr außerordentlich hoch. Unsere junge Forschergeneration hat interessante Lösungen und Antworten auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen gefunden“, so Bechthold. Die Siegerteams von Schulen aus Hanau, Maintal, Fulda und Großkrotzenburg qualifizierten sich für die Teilnahme am Landeswettbewerb Hessen, der am 9. und 10. April in Darmstadt stattfinden wird. Dort haben sie dann die Chance, sich für den bundesweiten Wettbewerb zu qualifizieren.

Termine besser koordinierenMit einer Cloud-Applikation zur Koordinierung von Terminen zwischen Schülern, Lehrern und Eltern gewannen die 18-jährigen Luis Möller, Marius Höfler und Laurin Niclas Dörre den ersten Platz in der Kategorie Mathematik und Informatik von „Jugend forscht“. Die drei Schüler der Hanauer Ludwig-Geißler-Schule haben sich „auf den Anwendungsfall Elternsprechtag beschränkt“, aber die App wäre durchaus „auf Arztpraxen oder andere Kontexte erweiterbar“, erklärt Möller. Ziel ist es, laut Höfler, „die App so einfach und benutzerfreundlich wie möglich zu halten“.

Vor einem Jahr haben die drei angefangen Verwaltungssoftware, Lehrer-Webinterface und Tablet-App zu entwickeln, das alles gehört nämlich zum Projekt dazu. Seitdem hat jeder gut150 Stunden in das Projekt investiert. Nach dem Abitur wollen alle Drei studieren. Möller Informatik an der TU Darmstadt, Höfler „in Richtung Luft- und Raumfahrttechnik“ und Laurin „an einer Fachhochschule oder dual in Richtung Informatik oder Game Development“.

Emotionen beim Musikhören messenIm Fachgebiet Biologie krönte die Jury Cornelius Benjamin Rauch vom Franziskaner Gymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg zum Sieger. Der 14-Jährige ging der Frage nach, welchen Einfluss Musik auf Emotionen und körperlichen Empfindungen hat. Dafür befragte der Nachwuchswissenschaftler Jugendliche vor und nach dem Hören unterschiedlicher Musikstile zu ihrem emotionalen Befinden. Außerdem maß er Blutdruck und Herzfrequenz seiner Probanden. Rauch spielt selbst verschiedene Musikinstrumente und fühlt sich je nach Musikrichtung unterschiedlich. Deshalb hat er sich gefragt: Wie kann ich meine Emotionen messen?

„Bereits vor 100 Jahren sagte Victor Hugo: Musik berührt die Seele und drückt aus, was nicht gesagt werden kann“, erklärt der 14-Jährige, wie er auf die Idee zu seiner Studie gekommen ist. Ergebnis: „Bei klassischer Musik erkennt man eine deutliche Steigerung der Entspannung, bei Hardrock wird eher Anspannung empfunden“, erklärt Rauch. Trotz der relativ kleinen Stichprobe von 16 Jugendlichen glaubt Rauch nicht an einen zufälligen Befund. „Bisherige Studien zeigen ähnliche Ergebnisse“, ist der junge Forscher von seiner Arbeit überzeugt. „Damit konnte ich beweisen: Musik beeinflusst die Emotionen und Körperreaktionen“. Nach der Schule möchte Rauch wahrscheinlich Psychologie studieren. Dafür bringt er heute schon beste Voraussetzungen mit.

Experiment zum Einfluss von sauren RegenDer erste Platz in der Kategorie Arbeitswelt ging an Malte Bürger, Johannes Feik und Jan Herold Müller von der Hochschule Fulda. Das Forscherteam entwickelte eine Webseite, die Schülern die Berufswahl erleichtern soll, indem Praktika zwischen Schülern und Unternehmen vermittelt und Erfahrungsberichte bereitgestellt werden.Karen Radetzky von der Maintaler Albert-Einstein-Schule wurde mit einem Experiment zum Einfluss von saurem Regen und Überbewirtschaftung auf Nährstoffmängel bei Pflanzen zur Siegerin der Kategorie Geo- und Raumwissenschaften gekürt. Ihre Studie zeigt, dass Treibhausgase aus Industrie oder Verkehr einen signifikant negativen Einfluss auf das Wachstum von Pflanzen haben. Anna und Adrian Fleck aus Fulda entwickelten einen innovativen Gelenkschutz aus Speisestärke, der als Protektor für Motorradfahrer dient. Damit sicherte sich das Duo den ersten Platz als interdisziplinäres Projekt.

Gastgeber Heraeus ist überzeugt, dass „Jugend forscht“ eine „Win-Win-Situation“ schafft, erklärt Christoph Ringwald, Pressesprecher von Heraus. Das 12 400 Mitarbeiter zählende Familien- und Weltunternehmen mit Sitz in Hanau stellt jährlich zwischen 700 und 1000 neue Auszubildende ein. „Mehr als 95 Prozent der Azubis werden übernommen“, erklärt Ringwald. „Das Thema Innovation spielt bei uns eine ganz wichtige Rolle. Und wir wollen hier als Hanauer Unternehmen für Jugendliche aus der Region sichtbar werden“, so Ringwald. Neugierde sei die „wichtigste Voraussetzung, um Azubi bei Heraeus“ zu werden. Neben einem hervorragenden Gespür für zeitgemäße Forschungsfragen ist Neugierde sicher eine der Eigenschaften, an der es den Jungforschern beim Wettbewerb nicht fehlte.

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