Im Zeitalter des Internets haben Verbreiter von gefälschten Nachrichten leichtes Spiel. Daher gilt es, aufmerksam zu sein. Archivfoto: Pixabay/Montage: HA

Hanau

Journalist Volker Siefert gibt Tipps zur Entlarvung von Fake News

Hanau. Das Internet dient vielen Menschen als Informationsquelle. Doch wie sehr kann man sich darauf verlassen, dass dort als „Wahrheit“ verbreitete Texte, Bilder und Videos tatsächlich verlässlich sind?

Von Reinhold Schlitt

Wie lassen sich seriöse von unseriösen Inhalten unterscheiden? Was hat es mit Fake-News-Kampagnen auf sich, und wo kommen sie eigentlich her? Solchen Fragen ging der Frankfurter Journalist und HR-Hörfunk-Reporter Volker Siefert kürzlich in einem Workshop der Hanauer Volkshochschule nach.

Falschinformationen hat es zu allen Zeiten gegeben, „doch ihre Verbreitung durch digitale Medien hat es deutlich leichter gemacht, den Einzelnen zu erreichen und zu verunsichern“, so der Referent. Nicht wenige Desinformationskampagnen kämen aus dem Ausland, etwa aus Russland, wo der dortige Präsident Putin sie als ein Mittel der „hybriden Kriegsführung“ auf fremden Territorien zur Durchsetzung von Machtinteressen erklärt habe.

Polizei korrigiert eigene Meldung

Immerhin - von wirklich großen Fake-News-Kampagnen sei Deutschland bisher verschont geblieben, wie eine Analyse mehrerer Falschmeldungen im letzten Bundestagswahlkampf gezeigt habe. Auch bliebe die Reichweite von Falschmeldungen hierzulande noch deutlich hinter der Menge seriöser Nachrichten zurück. Freilich – auch seriöse Quellen bieten nicht immer Gewähr für korrekte Nachrichteninhalte.

Siefert erinnerte seine Zuhörer an ein Beispiel aus dem Herbst 2017. Damals ging es nach Polizeiangaben um ein Volksfest in Schorndorf bei Stuttgart, bei dem etwa 1000 Menschen an einer Randale und an Übergriffen auf Polizisten beteiligt gewesen sein sollen. „Bei einem großen Teil handelte es sich wohl um Personen mit Migrationshintergrund“, hieß es wörtlich in der damaligen Polizeimeldung. Etwa eine halbe Million Nutzer von Sozialen Medien hätten mit einem Klick auf „Teilen“ oder „Gefällt mir“ und auch mit teils hasserfüllten Kommentaren auf die Meldung reagiert. Einzig – die Polizei hat ihre eigene Meldung später gründlich korrigieren müssen.

Aus 1000 wurden 100 Personen und unter denen befand sich ein größerer Teil Jugendlicher aus dem Ort selbst. Auch als Tatsachenbehauptungen verbreitete oder „missverstandene“ Beschuldigungen wurden relativiert und auf die Verdachtsebene heruntergestuft. Doch an der Hasskampagne im Internet hatte dies nichts mehr geändert.

Dass diese gigantische Kommunikationspanne so rasend schnell Verbreitung fand – und das auch in den Online-Ausgaben vieler Zeitungen und TV-Sender –, lag an der ungeprüften Übernahme des Polizeitextes durch eine große deutsche Nachrichtenagentur. Nach Meinung eines Workshop-Teilnehmers „rächt es sich eben, wenn Schnelligkeit vor Gründlichkeit geht“.

Siefert betonte, dass man Falschmeldungen nicht wehrlos ausgesetzt ist und verwies auf eine Reihe von Faktencheck-Seiten im Internet, deren Anbieter es sich zur Aufgabe gemacht haben, nach Falschmeldungen Ausschau zu halten und ihnen sauber recherchierte Sachverhalte gegenüberzustellen. Ob aber jeder, der einer Falschmeldung aufgesessen ist, auch den Weg zu „Faktenchecker“-Seiten findet, um sich von der Stichhaltigkeit des Gelesenen zu überzeugen, bezweifelt der Journalist – besonders mit Blick auf Anhänger bestimmter extremer politischen Positionen. „Dennoch kann ein Faktencheck sinnvoll sein, um eine Erweiterung des Radius von Fake News einzudämmen und Zweifler zu überzeugen.“

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