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Hanau - immer in Bewegung für eine attraktive Innenstadt

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Von: Yvonne Backhaus-Arnold

Ich lebe gern in Hanau. Mir gefällt es hier. Als Zugezogene und auch kritische Beobachterin der Stadtentwicklung kann ich das mit Überzeugung sagen. Vor 20 Jahren, als ich das erste Mal am Freiheitsplatz geparkt habe und ausgestiegen bin, war es nicht annähernd so schön und ein Bummel vom Fronhof zur Wallonisch-Niederländischen Kirche nicht annähernd so einladend wie heute.

Als im Sommer die von der Stadt zur Belebung gebuchten Bands in der Innenstadt sangen, war das eine Freude. Und in der Adventszeit empfand ich den kleinen Weihnachtsmarkt im Fronhof, der im Sommer mit seinen Mini-Stadt-Gärten von sich reden gemacht hat, als echte Bereicherung.

Wer zwischen 2011 und 2015 an der großen Baugrube am Freiheitsplatz stand und die Kräne gezählt hat, konnte sehen, dass hier etwas in Bewegung ist. Erde und Beton, ja. Aber eben auch der Geist, etwas entwickeln und selbst in die Hand nehmen zu können – und vor allem zu wollen. Hanau 2022 ist modern, hell, offen. Aber Hanau 2022 kämpft, wie so viele andere Städte in Deutschland mit Billigläden, leer stehenden Geschäften, aussterbenden Straßenzügen.

Schon 2019, also noch vor Corona, Ukraine-Krieg und Krise, haben die Stadtverordneten eine Vorverkaufssatzung beschlossen. Sie soll verhindern, dass profitgetriebene Immobilienhändler das Ruder in die Hand nehmen und so der nächste Handy-Shop oder Billigbäcker als Mieter einzieht. In diesem Jahr ist vielen erst bewusst geworden, was für ein kluger Schachzug das war. Auch mit Blick auf die Kaufhof-Immobilie am Marktplatz, über der das Damoklesschwert der Schließung schwebt, könnte sie Gold wert sein.

Gepaart mit dem Konzept „Hanau aufladen“ ist das Ganze unschlagbar. Mehr als ein Dutzend Einzelhändler und Start-ups mit pfiffigen Ideen haben die Chance, sich günstig bei der Stadt einzumieten, auszuprobieren und – das ist der Idealfall – ein dauerhaftes Geschäft zu eröffnen. Kleidung. Blumen. Ein Café. Wohnaccessoires. Ein Kunstkaufhaus. Gastronomie. All das hat sich so in diesem Jahr angesiedelt. Es kostet Geld, macht Arbeit und – auch das gehört zur Wahrheit – nicht alles hat Erfolg. Eine geförderte Gastro ist schon wieder zu, eine andere bis auf Weiteres geschlossen.

Aber es muss auch nicht alles Erfolg haben, Hauptsache, die Richtung stimmt. Und das tut sie: Die Brachmann-Immobilie, die die Stadt – und ja, das war nicht unumstritten – gekauft hatte (und selbst betreiben wollte), hat dank der vielen positiven PR mit der Familie Glück schnell einen neuen Betreiber gefunden. Und auch Fördergelder sind im zurückliegenden Jahr reichlich geflossen: 250 000 Euro und damit den maximalen Förderbeitrag aus dem Programm „Zukunft Innenstadt“ erhielt die Stadt für ihr Projekt „Hanau aufladen“ vom Land Hessen. Das Bundeswirtschaftsministerium hat Hanau – gemeinsam mit 14 anderen Städten – als Modellkommune in das Programm „Stadtlabore für Deutschland: Leerstand und Ansiedlung“ aufgenommen, damit einherging ein Zuschuss von knapp 300 000 Euro. Ebenso ist das Stadtentwicklungsprogramm vom Bund in das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“ aufgenommen worden – und zwar mit einer Fördersumme von bis zu 3,75 Millionen Euro in den nächsten vier Jahren.

Wie die Innenstadt der Zukunft aussehen wird, weiß keiner von uns. Ob die vielen Aktionen, die die Stadt Hanau in diesem Jahr gemacht hat, die Innenstadt retten, wird sich erst in ein paar Jahren zeigen. Aber Bewegung ist allemal besser als Stillstand. Und Hanau bleibt in Bewegung. Sicher auch 2023.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

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