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Vor 50 Jahren wurde die Marktplatz-Tiefgarage eröffnet

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So berichtete der HANAUER am 31. Oktober 1966 über die Eröffnung der Marktplatz-Tiefgarage - es war das Ereignis des Jahres. Repro: HA
So berichtete der HANAUER am 31. Oktober 1966 über die Eröffnung der Marktplatz-Tiefgarage - es war das Ereignis des Jahres. Repro: HA

Hanau. Kaum zu glauben, aber vor 50 Jahren rollten die ersten Autos an, um unter dem Hanauer Marktplatz zu parken. 250 Stellplätze hatte die Tiefgarage – damals eine echte Sensation.

Von Reinhard Breyer

Herbst 1965: Hanau steht weiter im Zeichen des Aufbaus und des Optimismus. Die Stadt versteht sich wegen der florierenden Großunternehmen, der Einkaufsmöglichkeiten und der weiterführenden Schulen als Verkehrsknotenpunkt mit wachsender Bedeutung. So werden die Weichen für weitere Großbaustelle gestellt. Millionen werden in der Stadt verbaut.

Auch bei der Bahn sitzt das Geld locker. Ende September 1966 wird der neue Hauptbahnhof seiner Bestimmung übergeben. Am 1. Oktober folgt die nächste Schlüsselübergabe: Das neue Bürgerhaus neben der Stadthalle ist fertig. Das Staatstheater Amsterdam gastiert mit „Schwanensee“ und selbst Ministerpräsident Georg-August Zinn gibt sich bei der Fertigstellung die Ehre.

Und auch der Marktplatz verwandelt sich in eine Großbaustelle. Ein Jahr lang wird dort gebaggert und betoniert. Die Tiefgarage entsteht in einer Mischfinanzierung aus öffentlicher und privater Hand. Die Stadtverordneten zögern deshalb nicht lange und stimmen zu.

Die Lösung: Die Kaufhof AG beteiligte sich an der Finanzierung. Das Warenhaus will das Tiefgeschoss erweitern, zugleich soll die Tiefgarage eine Sogwirkung auf die Kunden ausüben. Der direkte Zugang von der Parkplatz in das Kaufhaus bringt etwas Großstädtisches ins Zentrum der Grimm-Stadt. Insgesamt schlägt die Baumaßnahme mit vier Millionen Mark zu Buche.

Ermöglicht wird das Projekt durch ein kompliziertes Finanzmodell zwischen Stadt und Kaufhof – ein Gesamtpakt, in dem Erbauzins und Vorfinanzierung geregelt wird. Zudem geht der „Alte Kaufhof“ an der Nürnberger Straße ins Eigentum der Stadt über. Dort errichtet die Parkhaus GmbH, ebenfalls 1966 gegründet, Ende der 70er Jahre ein weiteres Parkhaus.

Am 30. Oktober 1966 ist große Eröffnungsöffnungsparty

Die riesige Baugrube ist das Thema. Am Bauzaun am Markt herrscht immer wieder Gedränge, erinnern sich ältere Hanauer. Jeder will einmal einen Blick in die Baustelle werfen. Heimische Betriebe profitieren von der Maßnahme. Unter anderem konnten sich die Firmen Heinrich Becker, Reus, Marmor Hauenstein und Main-Asphalt über Aufträge freuen, wie aus der damaligen Berichterstattung unserer Zeitung zu entnehmen ist.

Bis zuletzt wird dort fieberhaft gearbeitet. Der zunächst ins Auge gefasste Eröffnungstermin am 16. Oktober wird verschoben. Nach rund zwölf Monaten Bauzeit ist das Werk Ende Oktober vollendet. Der Probebetrieb läuft reibungslos.

Am Sonntag, 30. Oktober, wird das Millionenbauwerk seiner Bestimmung übergeben. Auf dem Marktplatz herrscht dichtes Gedränge. Die Stadtkapelle stimmt die Zuschauermenge musikalisch auf das Ereignis ein. Der örtliche ADAC-Vorsitzende Horst Nickel hat ein Autocorso mit Oldtimern auf die Beine gestellt. Der Vespa-Club beteiligt sich ebenfalls daran.

Die Menschen sind fasziniert von dem unterirdischen Parkdeck. Die Konstruktion ist zwar kühl und schmucklos, entspricht aber dem Geschmack der Zeit. Doch der Zugewinn an Parkplätzen und die moderne Technik wie Lüftungsschächte und automatische Ticket- und Schrankensysteme begeistern.

Unsere Zeitung berichtet am nächsten Tag: „Nach seiner Eröffnungsansprache übernahm Oberbürgermeister Dröse auf einer eigens errichteten, mit Tannengrün geschmückten Tribüne aus der Hand des leitenden Architekten symbolisch den Schlüssel für das neue Bauwerk. Im weiteren Verlauf des Sonntags war die Tiefgarage der Bevölkerung zur Besichtigung freigegeben, und damit stand der Invasion interessierter Hanauer in die betonierte Unterwelt ihres städtischen Zentrums nichts mehr im Wege.“

Hanaus neues Glanzlicht schlägt ein. Und schon bald reihen sich hier VW Käfer und Opel Kadetts aneinander, während ihre Besitzer oben einkaufen gehen und in Cafés sitzen. 50 Pfennig sind für jede angefangene Stunde fällig, Dauerparker zahlen 45 Mark. Auch die Nachteinstellung 19 bis 8 Uhr für drei Mark wird angeboten.

Die Oberfläche des Platzes ist schlicht. Als Verneigung vor der langen Geschichte der Neustadt wird der Sandsteinbrunnen wieder aufgestellt, das Brüder-Grimm-Denkmal kehrt zurück auf den Platz.

Heute stehen den Fahrzeughaltern zehn städtische Parkhäuser und weitere private zur Verfügung. Ein ausgeklügeltes Parkleitsystem weist ihnen den Weg. Doch die Marktplatztiefgarage steht trotz der relativ hohen Gebühren an erster Stelle der Beliebtheit, wie man jeden Markttag an den Warteschlangen auf der Römerstraße sehen kann.

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