Der "Feuerkäfer" vorneweg: Mit einem großen Festumzug durch den Ort krönte die Freiwillige Feuerwehr Steinheim gestern Nachmittag ihre dreitägige Jubiläumsfeier. Foto: Holger Hackendahl

Hanau

150 Jahre Freiwillige Feuerwehr - Sieben Steinheims feiern mit

Steinheim. Mit Delegationen aus sieben Steinheims, die je nach Herkunft ihre Heimat Steinheim als „Stoihoi“, „Steenem“, „Stoine“, „Schdoina“, „Stoanem“ oder „Stoina“ nennen, feierte die freiwillige Feuerwehr aus „Staanem am Maa“ am Wochenende ihr 150-jähriges Jubiläum.

Von Holger Hackendahl

Das Dreitagesfest hatte alles, was man zu einem tollen Jubiläum braucht: Eine Akademische Feier zum Start, Live-Musik an zwei Festabenden, ein Kinderspielfest, ein Festgottesdienst in ökumenischer Variante, ein toller Festumzug und – weil so viele befreundete Steinheims da waren – ein Steinheim-Tag.

Auch der hatte Jubiläum, er wurde 1969 beim 100. Geburtstag der Feuerwehr erstmals gefeiert. Zudem trafen sich Feuerwehrdelegationen aus Steinheim am Albuch, Steinheim an der Murr, Steinheim bei Hungen, Steinheim im Allgäu, Steinheim an der Donau, Steinheim bei Neu-Ulm und Steinheim aus Luxemburg, die seit 2012 die Steinheim-Runde erweitern, zum 30. Mal. Nur Steinheim/Westfalen fehlte entschuldigt. Obendrauf gab es gestern Abend zum Festabschluss einen „Großen Zapfenstreich“ mit Musik.

Krönender Abschluss

Mit einem großen Festumzug durch den Ort krönte die Freiwillige Feuerwehr Steinheim am Sonntagnachmittag das dreitägige Jubiläumsfest. Viele Steinheimer ließen sich den Marsch der Wehren, an dem sich mit den beiden Karnevalsvereinen 1. SKG und CCSW sowie den Süd-Geflügelzüchtern auch drei Vereine beteiligten, bei bestem Festwetter nicht entgehen.

Mit von der Partie waren auch zahlreiche Spielmanns- und Fanfarenzüge, zwei aus den Reihen der angereisten Steinheimer Feuerwehren. An der Eppsteinstraße, wo sich der Umzug gegen 14 Uhr formierte, Schönbornstraße, Kreuzweg und Wilhelminenstraße beäugten doch recht viele Zuschauer den Festumzug.

Feuerkäfer voraus

Ein rot-weißer VW-Käfer führte den Marsch an. Allen voran natürlich die Jubiläumswehr, die mit Einsatzabteilung, Jugend- und Kinderfeuerwehr als erste Abordnung dem „Feuerkäfer“ folgte. Dann die Gäste aus sechs weiteren zumeist im Süden der Republik beheimateten Steinheims sowie dem Luxemburger Ort.

Mit Unterstützung von Musikern und Sängerin Marissa Dornhecker aus dem „Haus der Musik“ hatten die Pfarrer Mario Fischer – eigens aus Wien angereist – und Lukasz Szafera einen Festgottesdienst zelebriert und an all jene Wehrleute erinnert, die bei Einsätzen zu Schaden kamen.

Überall Steinheim

Ortsvorsteher Klaus Romeis erinnerte in seiner Festansprache zum Steinheim-Tag an den ersten Steinheimer, eine vor 300 000 Jahren aufgefundenen Homo Steinheimensis. „Und wenn Sie beim Festzug kleine grüne Männchen sehen – auch auf dem Mars gibt es einen Steinheim-Krater“, hatte Romeis recherchiert.

„150 Jahre Feuerwehr Steinheim sind eine große Leistung, die mit diesem Jubiläum zu recht groß gefeiert wird“, erinnerte er daran, dass im Juni 2020 mit 700 Jahre Stadtrechte in Steinheim erneut ein Jubiläumsfestumzug ansteht.

Im Anschluss an den einstündigen Festzug wurde vor dem Spritzenhaus und im Festzelt fröhlich weitergefeiert.

Mehr Resonanz

Die beiden Festabende mit Live-Musik – am Freitag und Samstag – waren gut besucht, allerdings hätten sich Wehrführer Benjamin Göhlich und Vereinsvorsitzender Dieter Idesheim mehr Resonanz seitens der Steinheimer Bevölkerung gewünscht.

„Die Feuerwehr Steinheim ist für die Bevölkerung 365 Tage im Jahr im Einsatz, es wäre schön, wenn mehr Leute aus der Bürgerschaft zu uns gekommen wären“, sorgten die Delegationen aus den Steinheims am Samstagabend dennoch für gute Stimmung und ein ansprechend gefülltes Festzelt.

Rückblick bis ins Mittelalter

Das Festwochenende war am Freitag mit einer zweistündigen Akademischen Feier im Spritzenhaus eröffnet worden. Vor den Glückwunschreden gab Chronist Kai Jakob, Verfasser der 220-seitigen Jubiläumsfestschrift, einen Rückblick in die Steinheimer Feuerwehr-Historie.

Die Gefahr von Bränden habe es auch in der eng gebauten Steinheimer Altstadt gegeben. Die Häuser – damals noch aus Lehm, Holz und Stroh gebaut – waren leicht entzündlich, was im Mittelalter dazu führte, dass ganze Städte abbrannten, führte Jakob ein.

Mit Ledereimer und Wasserketten

Die erste Brandlöschverordnung in Steinheim ist auf den 5. Oktober 1548 datiert. Zu Zeiten von Ledereimer, Wasserketten und als Löschwasser aus Fässern und Brunnen kam, war darin festgelegt, wie sich die Bevölkerung im Brandfall zu verhalten hat. 1761 kam es in Steinheim zum Vollbrand des Alten Rathaus auf dem heutigen Platz des Friedens.

1827 wurde in Steinheim die ersten Feuerspritzen gekauft, 1835 gab es die ersten Feuerwehrverpflichtungen mit drei jährlichen Löschübungen für Steinheimer Bürger. „Viele Turner zeigten sich zum Löschen verpflichtet, da sie gut Leitern erklimmen konnten und so dem Feuer näherkamen“, erläuterte Jakob, dass es 1854 die erste Feuerlöschordnung in Klein-Steinheim gab.

Schmunzeln bei historischer Schilderung

Der 15. Mai 1869 ist das Datum der Gründung der Klein-Steinheimer Feuerwehr, die von sieben Männern, darunter Werkmeister, Zigarrenmacher, je ein Landwirt und Maurer – ins Leben gerufen wurde. Paul Pieroth war einer der bekanntesten Feuerwehrmänner seiner Zeit, kommandierte 140 Männer.

Für Schmunzeln sorgte Jakobs historische Schilderung eines Großbrands am Karfreitag 1891 in der Klein-Steinheimer Filzfarbrik Heinz, als die Wehr aus dem preußischen Hanau das Hilfegesuch aus dem kurmainzischen Steinheim von der anderen Mainseite ablehnte und so die Firma abbrannte.

Waschhalle, Festgeld und Löschfahrzeug

OB Claus Kaminsky gratulierte zum Jubiläum, lobte die eindrucksvolle Steinheimer Feuerwehrhistorie und übergab symbolisch die neu errichtete Waschhalle. Obendrauf gab es zum Jubiläum 1500 Euro „Festgeld“.

Und er entschuldigte sich mit einem Augenzwinkern für die historische Schuld des „Nichthelfens“ vor 128 Jahren. Zudem erhalte die Steinheimer Wehr schon bald eines von neues Hilfeleistungslöschfahrzeug. Mit dem Bieranstich durch den OB wurde das Dreitagesfest dann offiziell gestartet.

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