Soll bald auch innen wieder in altem Glanz erstrahlen: Das Jagdhaus in Klein-Auheim. Architekt Christian Bernard, Förster Günter Hunold und Ingenieur Michael Beffart stehen im künftigen Gastraum des Jagdhauses. Fotos: Kerstin Biehl

Klein-Auheim

Jagdhaus-Baustelle am Wildpark - Pächterentscheidung naht

Klein-Auheim. „Hier können Sie Schlitten fahren.“ Günter Hunold schmunzelt. Der Förster, der sich um die technischen Projekte des Klein-Auheimer Wildparks kümmert, steht im ersten Stock des alten Jagdhauses an der Fasanerie und zeigt auf den sandigen Fußboden. Der neigt sich bedenklich.

Von Kerstin Biehl

„Schauen sie genau hin! Der Boden ist in der Mitte des Hauses einen halben Meter tiefer als an den Außenwänden.“

Tatsächlich. Hier geht's bergab. Abgesackt ist die Decke, weil die Mittelwand noch nie ein Fundament hatte. Um das Absacken zu kaschieren, wurde seit 1705 über Jahrzehnte und Jahrhunderte immer mehr und immer wieder Sand auf den Deckenboden geschüttet. Gut 60 Tonnen. Fein und dadurch sehr schwer sei der Sand, der zum Teil noch immer zwischen den Deckenbalken liegt.

Im Frühjahr 2021 soll alles fertig sein

Sand wurde 1705, als das Jagdhaus gebaut wurde, zum Füllen verwendet. „Das Haus hat das alles mitgemacht. Ein Steinhaus wäre zusammengebrochen“, mutmaßt Hunold. Nun gilt es, das Ganze zu befestigen. „Weil wir tragfähigen Boden erst in viereinhalb Meter Tiefe haben, haben wir Betonstahlpfähle in den Boden gebohrt. Darauf verankern wir ein Fundament“, erklärt der Förster.

Im November 2018 ging es mit den Sanierungsarbeiten los. Das Ziel: spätestens im Frühjahr 2021 fertig zu sein. Dann soll in das Schmuckstück rechts des Wildpark-Haupteingangs wieder eine Gastronomie einziehen. „Wir führen aktuell Gespräche mit potenziellen Pächtern, die sich das Gebäude in den vergangenen Tagen angeschaut haben“, verrät Hunold. Die Entscheidung, wer den Zuschlag bekommt, soll in den kommenden Wochen fallen.

Jagdhaus ist seit vielen Jahren im Dornröschenschlaf

Auch Hanauer Gastronomen sollen laut Hunold unter den Interessenten sein. Freilich wird sich das Gastro-Angebot nicht nur an die Wildpark-Besucher richten. „Auch am Abend soll geöffnet sein. Möglicherweise wird mit zwei verschiedenen Speisekarten gearbeitet. Eine, die sich an die Wildparkgäste richtet, und eine Abendkarte.“ Dies alles, wie auch die Einrichtung, soll aber zunächst mit dem Pächter besprochen werden.

Seit vor vielen Jahren der letzte Gastro-Pächter ausgezogen ist, befindet sich das Jagdhaus im Dornsröschenschlaf. Der Landesbetrieb Hessen Forst als Eigentümer des Gebäudes hatte vor zwei Jahren entschieden, das Gebäude zu sanieren – auch im Hinblick auf eine Attraktivitätssteigerung des Wildparks, der schon jetzt mit rund 200 000 Besuchern im Jahr ein Publikumsmagnet ist.

Spielplatz neben Biergarten geplant

Christian Bernard begleitet das historische Sanierungsprojekt als Architekt. Schmuckstück, nennt er das Haus, und beim Betrachten des beeindruckenden Fachwerks, das in den vergangenen Monaten im Innern freigelegt wurde, ist der Ausdruck nachzuvollziehen. „Das Gebäude ist inzwischen fast vollständig entkernt. Das alte, hölzerne Tragwerk soll künftig die Gestaltung des Restaurants prägen“, verrät er.

Im Erdgeschoss sollen Gasträume und Küche untergebracht werden. Im Obergeschoss könnten Räume für größere Feiern angeboten, oder eine Dienstwohnung geschaffen werden. Die sanitären Anlagen werden in ein angeschlossenes Nebengebäude ausgelagert, was mehr Raum für die Bewirtung schafft.

Auch ein großer Biergarten hinter dem Gebäude ist geplant. „Und damit die Erwachsenen auch mal einen Moment in Ruhe genießen können, wollen wir einen kleinen Spielplatz gleich neben dem Biergarten schaffen“, berichtet Hunold.

Möglichst viel Substanz soll bewahrt werden

Freilich ist eine derart aufwändige Sanierung nicht ganz billig. 1,5 Millionen lässt sich der Landesbetrieb die umfangreiche Instandsetzung kosten. „Die Arbeiten sind aufwändig. Durch die Nutzung früherer Pächter und durch unsachgemäße, nur oberflächliche Instandsetzung in der Vergangenheit hat das Gebäude an vielen Stellen ordentlich gelitten“, so Hunold. Doch inzwischen sind die Bausünden der vergangenen Jahrzehnte weitestgehend entfernt. „Wir haben riesige Müllmengen hier rausgetragen. Die Holzbalken waren mit Rigips, Schaum und Plastik verkleidet. Dadurch konnte das Holz nicht atmen und ist verfault“, erklärt Ingenieur Michael Beffart, der die Bauarbeiten begleitet.

Teils müssen die Balken ausgetauscht, teils können sie erhalten werden. Bei der Sanierung wird, wie früher auch, Lehmputz verwendet. Geheizt werden soll künftig mit Holzpellets. „Im Grunde verwenden wir das Material wieder, das unsere Altvorderen uns vorgelebt haben“, beschreibt es der Förster. Das sei gut für die Gesundheit und von langer Lebensdauer.

Im Sinne der Denkmalpflege wird versucht, möglichst viel Substanz zu bewahren. „Wenn wir zum Beispiel noch alten Lehmputz an der Wand haben, arbeiten wir ihn mit ein. Bei den Balken ersetzen wir wirklich nur die verfaulten Stücke“, erklärt der Architekt. Bis Frühjahr 2020 soll der Ausbau samt Technik und Pelletsheizung fertig sein. Dann kommen Fußböden, Sanitäranlagen, im Herbst die Küche, bevor im Frühjahr 2021 Eröffnung gefeiert werden kann.

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