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Gibt es im Förderprogramm Digitale Schule zu wenig Geld für die Anschaffung von Endgeräten? Kommunalpolitiker sagen, mit den Summen könne der tatsächliche Förderbedarf nicht gedeckt werden.

IT-Netzanbindung „noch im Plan“

Schulpolitiker: Corona-Pandemie zeigt die Dringlichkeit des IT-Ausbaus an Hanaus Schulen

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Die Anschlussarbeiten der Hanauer Schulen an das städtische Glasfasernetz liegen derzeit „noch im Plan“. Darauf hat die Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Zeitung hingewiesen. Dieser Ausbau ist Bestandteil des Medienentwicklungsplans, den die Stadtverordneten im Februar verabschiedet haben.

Der Zeitplan sieht für dieses Jahr vor, dass sechs Schulen bis Ende Juni und drei weitere Schulen bis Ende des Jahres an das städtische Glasfasernetz angeschlossen sein sollen. Nach Auskunft der Rathaus-Pressestelle sind die Brüder-Grimm-Schule, die Karl-Rehbein-Schule mit ihrem Nebengebäude am Schlossplatz, das Schulzentrum Hessen-Homburg sowie die Ludwig-Geißler-Schule bereits am Netz. Für die Breitbandanbindung der Elisabeth-Schmitz-Schule/Robinson-Schule seien die Tiefbauarbeiten abgeschlossen worden. Hier ist der Anschluss ans Glasfasernetz für Mai/Juni vorgesehen. 

Ebenfalls im Mai oder Juni dieses Jahres sollen die Tiefbauarbeiten für die Pestalozzi-Schule beginnen. Für die Otto-Hahn-Schule und die Hohe Landesschule ist die Anbindung ans Glasfasernetz bis Jahresende vorgesehen. Die Anschlussarbeiten für die anderen 17 Schulen sollen – zumindest laut Medienentwicklungsplan – im nächsten und übernächsten Jahr abgeschlossen sein. Die Baukosten der Glasfasernetzanbindung, etwa 3,6 Millionen Euro, müssen von der Stadt Hanau ge‧stemmt werden. Bekanntlich sind im Zuge der Coronavirus-Pandemie die aktuellen Haushaltplanungen wegen der zu erwartenden erheblichen Einnahmeausfälle bei der Gewerbesteuer und im Gebührenbereich massiv unter Druck geraten. Schulpolitiker und Fachleute raten dringend, den jetzt eingeschlagenen Weg des IT-Ausbaus an den Schulen konsequent weiterzugehen. 

Im Rathaus geht man nicht davon aus, dass Anschlussarbeiten Sparzwängen zum Opfer fallen

Der stellvertretende Leiter der Hohen Landesschule, Studiendirektor Helge Messner, er ist auch Mitglied des Praxisbeirats Digitale Schule Hessen, sagte unserer Zeitung: „Über die Notwendigkeit des digitalen Ausbaus unserer Schulen hier in Hanau und im ganzen Land sind wir uns ohnehin einig. Die jetzige Corona-Pandemie mit den erheblichen Folgen für Schüler und Lehrer unterstreicht allerdings geradezu dramatisch, wie prioritär diese Digitalisierung ist.“ Ähnlich sieht es auch die Vorsitzende des Kultur-, Schul- und Sportausschusses der Stadtverordnetenversammlung, Anne Dorothea Stübing (BfH). Sie ergänzt: „Die Förderung des IT-Ausbaus unserer Schulen aus dem Digitalpakt Schule hängt ganz wesentlich von den Vorarbeiten der Stadt ab. Das müssen wir bei allen künftigen Diskussionen um das Thema immer im Blick behalten.“ 

Allerdings gehen auch die Verantwortlichen im Rathaus nicht davon aus, dass die weiteren Anschlussarbeiten möglichen Sparzwängen wegen der Coronavirus-Krise zum Opfer fallen. Die Breitbandanbindung sei „integraler Bestandteil“ des Digitalpakts Schule und gehöre damit zum Pflichtaufgabenbereich der Stadt Hanau. Wie die kommunalen Schulpolitiker glaubt man auch hier, „dass die aktuellen Schulschließungen die Notwendigkeit der digitalen Aufrüstung“ verdeutlichen, wie es gegenüber dem HA heißt. Aus dem Fördertopf Digitalpakt Schule sollen für Hanaus Schulen in eigener und in gemeinsamer Trägerschaft mit dem Landkreis (Berufsschulen) insgesamt 9,6 Millionen Euro für die IT-Infrastruktur fließen. 

Nicht alle Schüler der Sekundarstufe I verfügten über ein Smartphone

Aus dem Geld können dann auch schulgebundene Endgeräte für die Schüler bezuschusst werden – allerdings nur unzureichend, wie die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Faktion im Stadtparlament, Caroline Geier-Roth, in einer Pressemitteilung ihrer Partei vermutet. Für jeden Schüler würden dafür nur 100 Euro kalkuliert: „Das reicht bei Weitem nicht für eine qualifizierte Ausstattung.“ Offenbar mit Blick auf den pandemiebedingten „Fernunterricht“ konstatiert sie bereits jetzt, dass Schüler aus sozial benachteiligten Familien meist weder über eine erforderliche Computerausstattung noch über die nötigen Räumlichkeiten und Ruhe verfügten, um den Schulalltag zu Hause erfolgreich und zielführend durchstehen zu können. 

Umfragen und andere Untersuchungen hätten gezeigt, „dass selbst an Gymnasien nicht alle Schüler der Sekundarstufe I über ein eigenes Smartphone verfügen“. Rund ein Viertel von ihnen hätte derzeit keine eigene E-Mail-Adresse, viele seien auf die Nutzung von Computern und Tablets der Eltern angewiesen. Geier-Roth: „Das ist gerade jetzt in Zeiten von Heimarbeit und Fernunterricht eine für viele Familien untragbare Situation.“ Sie fordert, dass die Landesregierung sich dem tatsächlichen IT-Ausrüstungsbedarf „zwingend und zügig“ stellt und nachbessert. Die SPD-Politikerin verwies auf das jüngste Sofortausstattungsprogramm der Bundesregierung, die „das Problem wenigstens wahrgenommen“ habe und für bedürftige Schüler einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 150 Euro für die Anschaffung entsprechender Computer vorsehe.

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