Märchenexperten im Gespräch: Dr. Irene Wellershoff (Vierte von links) bei der Verleihung Grimm-Bürgerdozentur in Schloss Philippsruhe. Foto: Pongratz

Hanau

Dr. Irene Wellershoff erhält Grimm-Bürgerdozentur

Hanau. Alle zwei Jahre wird mit der Grimm-Bürgerdozentur eine Persönlichkeit geehrt, die sich für das populäre Erzählen in Kinder- und Medienproduktion einsetzt.

Von Ulrike Pongratz

Im Roten Saal in Schloss Philippsruhe begrüßte Oberbürgermeister Claus Kaminsky jetzt anlässlich der Verleihung an Dr. Irene Wellershoff unter den Ehrengästen den Laudator, Professor Dr. Dieter Wiedemann aus Potsdam, die Initiatoren der Dozentur, Martin Hoppe für die Stadt Hanau und Dr. Claudia Maria Pecher vom Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt.

Im Preis inbegriffen ist eine Vorlesungsreihe der Preisträger. Dr. Tilman Spreckelsen, der Literaturredakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ war 2016/17 der erste Grimm-Bürgerdozent. An Dr. Irene Wellershoff wurde vergangenen Donnerstagabend die Auszeichnung zum zweiten Mal verliehen, weshalb Oberbürgermeister Kaminsky noch nicht von einer Tradition sprechen mochte. An die Preisträgerin gewandt sagte er: „Wir freuen uns, dass Sie heute hier sind. Sie ehren die Goethe-Universität und die Stadt Hanau, Sie geben dem Preis Gewicht.“

Die Grimm-Dozentur sei ein weiterer Baustein in einer ganzen Reihe von Elementen, mit denen die Brüder-Grimm Stadt Hanau das Erbe der Universalgelehrten pflege. Unter anderem werde seit 1983 der renommierte Literatur-Preis verliehen, seit 2012 der Ludwig-Emil-Grimm-Preis für Karikatur. Die Brüder-Grimm-Festspiele zählten 1,7 Millionen Gäste und lägen damit bundesweit an der Spitze der Besucherzahlen. Mit Blick nach vorne verwies Kaminsky auf die baldige Eröffnung des Grimms MärchenReich Hanau, dem einzigen Mitmachmuseum für Kinder, im Nordflügel des Schlosses am 13. April.

Eindrucksvolle Vita der Redaktionsleiterin im ZDF-Kinderprogramm

Über die beeindruckende Vita der Preisträgerin wusste der frühere Präsident der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) in Potsdam-Babelsberg, Professor Dr. Dieter Wiedemann, in seiner Laudatio „Feuerfunken im Nachthimmel. Filmbiographische Reminiszenzen“ zu erzählen.

„Damit man sieht, was Irene Wellershoff geleistet hat“, präsentierte der Laudator zahlreiche Filmausschnitte, die dem Publikum einen Einblick in die qualitätvolle Arbeit boten. Im Dezember 1988 ging „Siebenstein“ auf Sendung; seither haben Generationen von Kindern den „Spezialladen für Geschichten“ kennen- und liebengelernt. Autoren wie Kirsten Boje, Cornelia Funke oder Paul Maar hätten für die Serie geschrieben, auch durch Schauspieler wie Fritzi Haberlandt oder Otto Sander sei das Format bekannt geworden. Wenn die 340. Folge demnächst ausgestrahlt werde, habe sich die Präsentation verändert, nicht aber die Pädagogik.

Kinderklassiker wie Biene Maja bekamen unter Wellershof einen zeitgemäßen Look

Unter der Verantwortung von Wellershoff als Redaktionsleiterin im ZDF-Kinderprogramm hätten alte Klassiker wie „Biene Maja“, „Wickie“ oder „Heidi“ einen zeitgemäßen Look erhalten – so hätten die Serien im 4:3-Format und geringer Auflösung einfach nicht mehr zeitgemäß gewirkt. Mit der Reihe „Märchenperlen“ blicke die Preisträgerin auf zehn Jahre Realverfilmung zurück. Nicht nur klassische Märchen, wie „Aschenputtel“ oder „Die Schneekönigin“, auch noch nie verfilmte Märchen wie „Die weiße Schlange“ seien in dieser Reihe verfilmt worden. Die Redaktionsleiterin habe ein großes Gespür für die ästhetische Qualität und Wirkung des Films, so Wiedemann, sie treffe die Themen, die für Kinder relevant seien.

Die Preisträgerin formulierte ihren Anspruch an ihre Kinderfilme in ihrer Dankesrede so: „Als ich 1982 beim ZDF anfing, fand ich politisch-moralisches Erziehungsfernsehen. Das wollte ich nicht. Ich wollte Geschichten erzählen.“ Der Wettbewerb sei nicht einfacher geworden, so Wellershoff, dennoch vertraue sie weiterhin auf Qualität. Man müsse die Kinder ernst nehmen als Zuschauer, dürfe sie nicht langweilen. Sie freue sich sehr auf die Vorlesung und auf die Diskussion mit Schülern und Studenten in Hanau und Frankfurt. Und sie wünscht sich, dass „ein Feuerfunke in den dunklen Nachthimmel fliegt“. Zur Vorlesungsreihe „Märchen, Medien und Magie“ im Kulturforum Hanau sind am Freitag, 22. Februar, um 10 Uhr Schüler ab Jahrgangsstufe fünf eingeladen. Wellershoff erläutert, wie Rübezahl zum Filmstar wurde.

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