Die aktuelle Bandformation mit Peter "Osti" Osterwold (Sänger), Joky Becker (Bassist), Kerstin Pfau (Sängerin), Jürgen "Mob" Böttcher (Schlagzeuger), Raimund Salg (Gitarrist), Ali Neander (Gitarrist) und Matthias "Mattl" Dörsam (Saxophonist). Foto: PM

Hanau

Interview: Rodgau Monotones spielen beim Hanauer Kultursommer

Hanau. Sie bezeichnen sich ironisch und selbstbewusst als „unzerstörbarer Anachronismus": Beim Hanauer Kultoursommer werden die Rodgau Monotones das „Finale furioso“ setzen. Wir haben dazu Band-Gründungsmitglied und Frontmann Peter „Osti“ Osterwold interviewt.

Von Andrea Pauly

Im vergangenen Jahr feierten die Rodgau Monotones, die als hessischste aller Rockformationen gelten, bereits ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum. Mit „Erbarme, zu spät, die Hesse komme“ schenkten sie unserem Bundesland seine inoffizielle Hymne. 1977 gegründet, ist die Band seit 1978 gemeinsam unterwegs – und das in fast unveränderter Zusammensetzung.

Kultband seit den 80er Jahren

Ihre größten Erfolge feierten die Monotones in den 80er Jahren, doch auch heute ist es noch längst nicht still um die Kultband geworden. Worum es ihnen ursprünglich ging, daraus machen die Herren keinen Hehl. „Unsere erste Probe war geil und laut, wir ham Bier getrunken, ZZ Top geklaut ...“ setzten sie ihren Anfängen in zwei Songzeilen ein Denkmal. Dem Blues, Boogie und markanten Rockriffs sind sie auch in eigenen Liedern bis zum heutigen Tag treu geblieben – das Ganze im typischen „Rodgau Style“ mit treibendem Schlagzeug, stoischem Bass, fettem Gitarrensound, leidenschaftlichem Gesang und akzentuiertem Gebläse. Die Lust am Spielen hat bei ihnen immer Priorität.

Auch die Songtitel auf dem letzten Studioalbum „Genial“ (2015) demonstrieren das. „Vollgas“, „Mama Lauda“ (sprich „Mach’ mal lauter“), „Wie geil ist das denn“, „Wenn’s abgeht“, „Das macht uns keiner nach“ (mit dem Credo: Lieber laut als tot ...) und „Immer noch Spaß“. Frontmann Peter „Osti“ Osterwold ist Gründungsmitglied und Sänger der Rodgau Monotones. In den ersten Jahren der Band wechselte sich der inzwischen 69-Jährige am Mikrofon mit Henni Nachtsheim ab, seit 1991 steht Kerstin Pfau auf der Bühne an seiner Seite. Wir haben ihn in seinem Haus in Urberach besucht und mit ihm über Vergangenheit und Zukunft der Rodgau Monotones gesprochen.

Wie habt ihr es geschafft, inzwischen schon mehr als 40 Jahre als Band – in beinahe unveränderter Zusammensetzung immer noch zusammenzuarbeiten?"Es macht uns nach wie vor unglaublich viel Spaß, miteinander Musik zu machen und Live-Konzerte zu geben. Nach Hennis Weggang hatten wir ein Jahr Pause. Doch die Nachfrage blieb und wir überlegten damals (1990), wie es weitergehen könnte. Dann haben wir auf einer Veranstaltung unsere Kerstin (Pfau) gehört, die damals 19 Jahre alt war und haben sie angesprochen. Weil sie ein großer Monotones-Fan war, kannte sie glücklicherweise die meisten Texte. Nach einer Probe mit ihr und einem Bandfoto war sie dann Mitglied der Monotones."

Wie erklärst du dir euren Erfolg über so viele Jahre?"Auch wenn wir nicht mehr so oft wie früher auftreten – rund 25 Konzerte im Jahr – denke ich, das Publikum spürt, dass wir immer auf der Bühne Spaß haben und miteinander harmonieren, einander die „Bälle zu spielen“ und so komplett authentisch bleiben. In letzter Zeit sind auch viele junge Leute unter den Konzertbesuchern – oft solche, die selbst Musik machen. Unsere Live-Auftritte sind dabei oftmals von Spontan-Einlagen und Überraschungen geprägt."

Was waren in den letzten 40 Jahren die Höhepunkte?"Dazu gehört mit Sicherheit unser Auftritt am Bieberer Berg in Offenbach mit Santana, Bob Dylan und Joan Baez. Das war eine große Sache. Und natürlich die großen Festivals in den 80er Jahren zum Beispiel mit Deep Purple, Marius Müller-Westernhagen und Herbert Grönemeyer. Auch das Festival 1986 in Wackersdorf vor rund 90 000 Leuten war ein ziemlicher Knaller. Natürlich gab aber auch eine Unmenge toller Festzelt-Auftritte. Und dann war da noch der Auftritt 1985 beim „Rockpalast“ in der Essener Grugahalle. Am selben Abend hatten wir vorher sogar noch eine Fernsehaufzeichnung bei „Einer wird gewinnen“ mit Hans-Joachim Kulenkampff."

Bei so vielen Konzerten kann ja nicht immer alles rund laufen. Erinnerst du dich an irgendwelche Pannen?"Als wir in Wackersdorf auftraten, wurde der Strom von großen Generatoren geliefert, bei denen jemand aber vergessen hatte, Diesel nachzufüllen. Und so blieb die Anlage plötzlich stumm. Wir haben dann einfach unplugged für die ersten Reihen gespielt, bis wir wieder Strom hatten. Bei einem anderen Konzert vor ein paar Jahren ist dann tatsächlich für eine ganze Stunde komplett der Strom ausgefallen. Da standen dann überall Kerzen und wir haben fast unser ganzes Konzert mit akustischen Instrumenten gespielt. Den Leuten hat’s gefallen."

Ihr seid ja auch hin und wieder in die „hessische Mundart-Rocker-Schublade“ gesteckt worden. Wie siehst du das?"Das war anfangs etwas seltsam, wenn von der „hessischen BAP“ gesprochen wurde, auch weil ich z.B. gar kein Hesse bin. Ich wurde in Wolfenbüttel in Niedersachsen geboren. Henni ist in Wuppertal auf die Welt gekommen, Ali in Hamburg und Kerstin in Saarlouis. Trotzdem fühlt man sich im Lauf der Jahre schon als Hesse. Doch wir singen ja auch nicht durchweg hessisch. Manchmal sind es nur ein paar Textzeilen, wie bei „Eu Gude wie! Wo machst'n hie?“ oder bei „Erbarme“, wo nur der Rap hessisch ist."

Was erwartet die Fans in Hanau?"Natürlich werden die erwarteten Klassiker ebenso dabei sein wie aktuelle Titel, z.B. das hessische Seefahrerlied „Hundert Fässer grüner Soße“ im „Santiano“-Stil. Parodie pur bietet unsere deutsche Version vom „Night Of The Proms“-Klassiker „Music“, der bei uns „Susi war die Höchststraf’“ heißt aus der „Night Of The Prols“. Da wird die Zuschauermenge bestimmt wieder zu einem richtig beeindruckenden Papierfähnchen-Meer."

Das KonzertDas „Finale furioso“ des 33. Hanauer Kultoursommers mit dem Konzert der Rodgau Monotones findet am Sonntag, 28. Juli, um 20 Uhr auf der Sommernachtbühne im Staatspark Wilhelmsbad statt. Der Eintritt ist frei.

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