Dr. Katharina Bott vor ihrem Laptop, in den sie eingibt, welche Werke im Bestand des Museums vorhanden sind. Foto: Pongratz

Hanau

Interview: Katharina Bott über ihre Arbeit im Museum Philippsruhe

Hanau. Ganz leichtfüßig steigt die Kunsthistorikerin Dr. Katharina Bott (Jahrgang 1941) die immer steiler werdenden Stufen hinauf bis unters Dach, um mit uns über ihre Arbeit zu sprechen. Im obersten Stockwerk des Verwaltungstrakts des Museums Philippsruhe zwischen alten Akten hat sie sich einen Arbeitsplatz eingerichtet.

Von Ulrike Pongratz

Der Blick aus dem Fenster über den Main auf Hanau ist an diesem sonnigen Wintertag wirklich einmalig, der Blick auf den Schreibtisch eher ernüchternd. Ein dickes, eng mit Hand beschriebenes Verzeichnis und eine schier endlose Excel-Datei auf dem Bildschirm.

Was hat Sie veranlasst, für zwei Monate Ihren Wohnsitz von Italien nach Hanau zu verlegen, um hier den Bestand des Museums anhand diverser Verzeichnisse nachzuvollziehen? Dr. Katharina Bott (lacht): „Es geht hier nur um die Ölgemälde. Ausgangspunkt ist meine Forschungsarbeit zur Zeichenakademie. Ich habe etwa 600 Seiten zur Geschichte der Akademie von den Anfängen 1772 bis 1900 geschrieben. Daher weiß ich, dass die Akademie im Besitz einer Sammlung von etwa 100 Gemälden war. Etwa die Hälfte der Bilder wurde 1936 von dem damaligen Direktor Emil Lettré an den Hanauer Geschichtsverein überwiesen. Zwei Fragen beschäftigen mich: Welche Bilder sind noch vorhanden, welche sind dazugekommen?“

Wie ist die Sammlung des Museums entstanden?„Zu Beginn der Sammlung gab es die Zeichenakademie und den Hanauer Geschichtsverein (HGV), der 1844 gegründet worden ist. Dieses Datum möchte ich als das eigentliche Gründungsdatum des Museums vorschlagen.“

Welche Gemälde hat die Zeichenakademie in diese Sammlung eingebracht?“„Erbprinz Wilhelm hat der Zeichenakademie acht Gemälde überlassen, der Hofmaler Anton Wilhelm Tischbein und weitere Künstler-Persönlichkeiten schenkten der Zeichenakademie diverse Gemälde. Diese Bilder aus der Gründerzeit der Akademie zählen sicher bis heute zu den wertvollsten Stücken der Sammlung. Aber der HGV sammelte mehr noch als die Zeichenakademie “

Sind noch alle Gemälde vorhanden?„Von den Bildern des Erbprinzen ist heute nur noch die 'Susanna im Bade' angeblich von Domenicchio vorhanden. Von Tischbein sind beispielsweise das Portrait von J.L. Gallien, des ersten Lehrers der Zeichenakademie oder Maria, Landgräfin von Hessen, im Museum zu sehen. Der HGV hat bei dem verheerenden Brand 1984 etliche Bilder verloren.“

Haben Sie verborgene Schätze entdeckt?„Nein, aber ich bin von der Sammlung beeindruckt. Ich kenne kein Museum, 'das so konsequent Arbeiten heimischer Künstler' oder Motive städtischer Persönlichkeiten und Stadtansichten sammelt. Das ist wirklich ein großer Schatz.“

Der jetzt übersichtlich in einem Gesamtverzeichnis inventarisiert ist.„Ich konnte Karteikarten, die ersten Verzeichnisse, Rechnungsbelege und Bestandsordner einsehen und in ein Gesamtinventar einfügen. Die Datei hat 20 Spalten, neben den Signaturen der Maler und ihren Lebensdaten, auch die Bildtitel, Datierung der Bilder, Besitzverhältnisse, Maße der Bilder etcich den gesamten Bestand, etwa 1800 Gemälde überprüfen kann, weiß ich nicht. Es finden sich auch viele Fehler, weil man die Schrift nicht lesen konnte, die Sprache nicht verstand. So wurde ein Titel mit 'Frisches Motiv' angegeben, in der Ursprungsdatei steht allerdings 'Irisches Motiv'.

Das Inventar lässt sich nach unterschiedlichen Aspekten sortieren?„Ja, es gibt zum Beispiel 30 Werke von Cornicelius, 43 von Ewald. Man kann die Datei auch nach Themen aufgliedern, Porträts oder Stadtansichten unter dem Stichwort 'Hanau' und vieles mehr.“

Die Ideen gehen Ihnen nicht so schnell aus?„Wenn ich arbeite, geht es mir gut.“

www.museumsverein-hanau.de

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