Hanau

Innovationen made in Hanau: Goodyear Dunlop entwickelt Moosreifen

Hanau. Moosreifen sollen künftig für bessere Luft in unseren Städten sorgen: Goodyear Dunlop hat für seine Konzeptstudie dafür einen bedeutenden Innovationspreis erhalten. Aktuell geht in diesem Jahr aber erst einmal ein neuartiger Reifen für Elektrofahrzeuge in Serie, der in Hanau entwickelt wurde.

Von Robert Göbel

Vor dem Hintergrund der aktuellen Klimadebatte gibt es jetzt eine neue Idee, Autos umweltfreundlicher zu gestalten. Es ist eine Idee, auf die man erst einmal kommen muss. Saburo Miyabe, Chefentwickler bei Goodyear Dunlop in Hanau, hat sie kürzlich als Konzeptstudie „Oxygene“ auf einer Fachmesse in Köln vorgestellt: ein Autoreifen, an dem auf der Seitenflanke echtes Moos wächst.

Nein, es ist keine Spinnerei und es geht auch nicht um eine mögliche neue Form des Altreifen-Recyclings. Es geht um Neureifen, die bewusst mit einer offenen Laufflächenstruktur konzipiert werden, damit sie Wasser von der Straße aufnehmen können, um das an der speziell präparierten Seitenflanke eingepflanzte Moos mit Feuchtigkeit versorgen zu können.

Arbeit an der Serienreife

Moos wird heute schon beispielsweise auf Lärmschutzwänden großflächig eingesetzt, um an viel befahrenen Straßen die Luftqualität zu verbessern. Die Pflanze Moos hat die Eigenschaft, Kohlendioxid besonders effektiv in Sauerstoff umzuwandeln. Saburo Miyabe, Chef der Hanauer Entwicklungsabteilung des Reifenbauers, rechnet vor: „Würden in einer Stadt, etwa im Großraum Paris, rund 2,5 Millionen Autos mit dem Moosreifen fahren, würden pro Jahr etwa 3000 Tonnen Sauerstoff produziert und 4000 Tonnen Kohlendioxid umgewandelt.“

Die hochkarätig besetzte Jury des Projekts Automotive Innovations Awards 2019 – eine gemeinsame Einrichtung des Centers of Automotive Management und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC – wählte den Goodyear-Photosynthese-Pneu „Oxygene“ jetzt zur Innovation des Jahres in der Kategorie Auto-Zulieferer. Obwohl es bereits ein haptisches Modell des neuen Moosreifens gibt, fällt er aber noch in die Kategorie Vision. Das Goodyear-Entwicklungszentrum in Luxemburg arbeitet daran, den „Oxygene“ zur Serienreife und damit auf die Straßen zu bringen.

Konzepte können Denkanstöße für andere Projekte sein

Ein weiterer Konzeptreifen von Goodyear Dunlop wird womöglich erst in wirklich fernerer Zukunft auf entsprechende Nachfrage treffen, denn für ihn fehlen im Moment noch die serientauglichen Fahrzeuge: der Reifen „Aero“ zielt auf die Mobilität in den Städten von morgen mit möglicherweise kombinierten Auto- und Fluggeräten. Der Pneu kann als Antriebsstrang dienen und Kräfte in gewohnter Richtung auf und von der Straße übertragen. Er kann darüber hinaus aber auch als Antrieb in der Luft dienen und für Schub nach oben sorgen.

„Unsere Konzepte machen greifbar, was innovative Reifentechnologien leisten können. Auch wenn sie reine Konzepte sind – einzelne Eigenschaften wie etwa Intelligenz im Reifen oder eine nicht pneumatische Struktur sind bereits heute Realität. Andere Eigenschaften können wiederum in Zukunft zum Denkanstoß für neue Produkte werden“, sagt Jürgen Titz, Vorsitzender der Goodyear-Dachgesellschaft für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Reifen für Elektroautos

Dass es von der Vision bis zur Serienreife mitunter nur ein Jahr dauern kann, zeigt ein anderes Reifen-Projekt, das im Vorjahr komplett in der Hanauer Entwicklungsabteilung von Goodyear Dunlop konzipiert wurde: der Prototyp „Efficient Grip Performance“ mit „Electric Drive Technology“. Der speziell für Elektroautos entwickelte Reifen geht Ende dieses Jahres in die Serienproduktion. Ein großer Elektroauto-Hersteller wird ihn zur Erstausrüstung seiner Fahrzeugflotte einsetzen, wie Pressesprecherin Viviane Loop gegenüber unserer Zeitung erklärte.

Wer sich jetzt die Frage stellt, weshalb für ein elektrisch betriebenes Fahrzeug überhaupt ein spezieller Reifen entwickelt werden muss: Ein spezieller Reifen für Elektroautos ist nach Angaben von Goodyear vor allem deshalb erforderlich, weil diese Fahrzeuge wegen der schweren Batterien erheblich mehr Gewicht auf die Waage bringen als solche mit Ottomotoren. Außerdem würden normale Reifen an Elektroautos auch deshalb viel schneller verschleißen, weil der direkte Drehmoment der Motoren die Kraft des Elektroantriebs viel schneller auf die Straße bringt.

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„Um 30 Prozent wäre der für den Verbrennungsmotor eingesetzte Reifen beim Elektroauto schneller verschlissen, haben Tests von Goodyear gezeigt“, schreibt die Pressestelle des Autobauers dazu. Die Neuentwicklung aus Hanau berücksichtige eine höhere Tragfähigkeit, eine bessere Laufleistung und ermögliche eine größere Reichweite, weil gleichzeitig der Rollwiderstand extrem niedrig gehalten worden sei.

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