Ende Dezember 2019 wurde in China ein neuer Stamm des Corona-Virus entdeckt. Mittlerweile gibt es auch Fälle in Deutschland. Symbolbild: Pixabay

Hanau

Influenza- und Coronavirus: Hanau ist vorbereitet

Hanau. Nachdem erstmals in Deutschland eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt worden ist, steigt die Sorge, sich mit der Krankheit anzustecken – auch im Main-Kinzig-Kreis. Der HA hat beim Klinikum Hanau nachgefragt, wie sich dort die Lage darstellt.

Von Kerstin Biehl

Sind bereits Patienten mit Symptomen behandelt worden, bei denen zunächst eine mögliche Corona-Infektion in Betracht gezogen wurde?"Nein, bisher wurden bei uns keine Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion behandelt."

Was geschieht bei einem solchen Verdacht?"Bei Verdacht auf eine Infektion gibt es einen vom Robert-Koch-Institut vorgegebenen Ablaufplan zur Diagnostik, Meldung an das zuständige Gesundheitsamt, Therapie und zu treffende Hygienemaßnahmen, welche wir befolgen."

Wie ist das Klinikum Hanau für einen Corona-Fall gerüstet?"Im Krankenhauseinsatzplan sowie im Hygieneplan des Klinikums gibt es entsprechende Handlungsanweisungen, in welchen das Vorgehen in solch einem Fall festgelegt ist. Diese werden in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und in Zusammenarbeit mit der Virologie der Uniklinik Frankfurt befolgt. Bei Eintritt eines Corona-Falls können jederzeit die notwendigen Maßnahmen wie beispielsweise Isolierung eingeleitet werden."

Werden oder wurden spezielle Vorbereitungen getroffen?"Generell sind alle Mitarbeiter, zum Beispiel in der interdisziplinären zentralen Notaufnahme, geschult. Mit den Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, dem Krankenhauseinsatzplan und dem Hygieneplan des Klinikums, werden entsprechende Situationen abgedeckt. Das Klinikum Hanau ist daher jederzeit einsatzbereit."

Gibt es am Klinikum Hanau Experten im Bereich Virologie und/oder eine Isolierstation?"Dr. med. Andreas Kneifel, Leiter unserer Krankenhaushygiene, ist Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie mit der Zusatzbezeichnung Krankenhaushygiene. Eine Isolierstation kann, wenn notwendig, gemäß Krankenhauseinsatzplan umgehend eingerichtet werden."

Noch kein Verdachtsfall im Main-Kinzig-Kreis

Auch das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreis ist derzeit, wie bei jeder anderen meldepflichtigen Krankheiten auch, mit dem Corona-Virus beschäftigt. Die Kreispressestelle teilt mit, dass das Gesundheitsamt in ständigem Kontakt zum hessischen Ministerium für Soziales und Integration stehe, weil sich die zu treffenden Maßnahmen an der Risikoeinschätzung der Experten, etwa des Robert-Koch-Instituts, orientierten.

„Dass sich einige Bürgerinnen und Bürger Sorgen machen, lässt sich aufgrund der Bilder aus China sicher nachvollziehen“, heißt es seitens der Pressestelle. Wie viele Menschen sich mit einer Anfrage genau an die Ärzteschaft im Kreis wendeten, lasse sich aber nicht beziffern. Fakt sei: Es gebe keinen Verdachtsfall im Main-Kinzig-Kreis.

Grippe-Zahlen steigen

Anders sieht es in Sachen Grippe-Welle aus. Hier gebe es wöchentlich steigende Zahlen an Influenza-Fällen – allein 50 Fälle in den ersten drei Januarwochen. Wichtig: Empfehlenswert ist auch jetzt noch, am Anfang der Grippewelle, eine Grippeschutzimpfung. Diese Empfehlung richtet sich insbesondere an Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke, Schwangere, Mitarbeiter in medizinischen oder pflegerischen Einrichtungen sowie an jene, die in ihrem Beruf regelmäßig mit vielen Menschen in Kontakt treten.

Eine konkrete Zahl der jährlichen Todesfälle zu benennen falle schwer, sagt die Kreispressestelle. Nicht nur dem Main-Kinzig-Kreis, sondern auch den Experten des Robert-Koch-Instituts. Am Ende könne es nur eine Schätzung sein. Denn: Nicht bei allen Todesfällen werde auf Influenzaviren untersucht, zudem werde der Tod nach einer Influenzainfektion meist durch eine anschließende bakterielle Lungenentzündung verursacht, so dass die Influenzaviren häufig nicht mehr nachweisbar seien.

Statistik kann trügerisch sein

Die offizielle Todesursachenstatistik sei ebenfalls nicht aussagekräftig, sie beruhe auf den Angaben auf dem Totenschein, auf dem die Influenza praktisch nie als Todesursache eingetragen werde, sondern zum Beispiel die bakterielle Lungenentzündung oder eine vorbestehende Grunderkrankung wie Diabetes oder eine Herz-Kreislauferkrankung, die die Wahrscheinlichkeit eines schweren beziehungsweise tödlichen Krankheitsverlaufs erhöhten.

Das könnte Sie auch interessieren