Pioneer Park

Marko Z. verzichtet auf Wohnungskauf im Pioneer Park: „Mogelpackung“

Die Wohnungen auf dem Pioneer Gelände in Hanau sorgen für Ärger. Marko Z. erklärt, wieso er keine Immobilie gekauft hat. 

  • Die Immobilien auf dem Pioneer Gelände in Hanau sorgen für Ärger.
  • Auch die Stadt Hanau ist an dem Projekt beteiligt.
  • Marko Z. erklärt, wieso er keine Immobilie auf dem Gelände kaufte.

Hanau – Marko Z. (Name von der Redaktion geändert) atmet tief durch. Fast hätten er und seine Familie eine Eigentumswohnung im Triangle Housing im Pioneer Park in Hanau-Wolfgang gekauft. Heute ist Z. froh, dass er es nicht getan hat. 

Nachdem unsere Zeitung am Samstag zahlreiche Käufer hatte zu Wort kommen lassen, die von Mängeln und einer mehr als schlechten Kommunikation mit dem Bauträger berichteten, fühlt Z. sich in seiner Entscheidung bestätigt. Wir haben mit ihm und dem Anwalt, der ihn seinerzeit beraten hat, gesprochen – beide wollen anonym bleiben. 

Pioneer Park in Hanau: Eltern machten Z. auf Immobilie aufmerksam

Auf das Projekt machen Z. seine Eltern aufmerksam. Sie haben vom Pioneer Park gelesen. Die Stadt Hanau hatte Anfang 2018 die Werbetrommel für ihr „Quartier der Zukunft“ gerührt. Z. ist begeistert vom Konzept, der Mittelschicht die Möglichkeit zu geben, Eigentum zu vergünstigten Preisen zu erwerben, ist bereit, dafür sogar die Restriktionen beim Wiederverkauf zu akzeptieren – denn die Wohnungen dürfen zehn Jahre lang nicht weitervermietet werden, um Spekulationen zu unterbinden. „Ich hatte Vertrauen in die Stadt“, sagt er rückblickend und ergänzt, „ich habe es als gute Option gesehen“. 

Mitte 2018 besichtigt die Familie eine der Musterwohnungen. Damals stehen weder Lärmschutzwall noch Blockheizkraftwerk. Die Musterwohnung sei attraktiv gewesen, so Z. Er unterschreibt eine Reservierungsvereinbarung – vor Ort und im Beisein eines Sparkassenmitarbeiters. Der Plan steht, die Vorfreude steigt. 

Hanau: Verträge für Immobilie wurden anwaltlich überprüft

Dann spricht Z. mit einem Freund, der ihm rät, Kaufvertrag und Baubeschreibung einem Anwalt vorzulegen, der eine ergebnisoffene Beratung durchführt. Z. folgt dem Vorschlag, fordert die Baubeschreibung bei der LEG an. Erst nach mehrfacher Nachfrage bekommt er sie ausgehändigt, hört von Seiten des Bauträgers Kommentare wie: „Sie müssen den Vertrag ja nicht unterschreiben.“ 

Im Sommer 2019 finden die Gespräche mit dem Anwalt statt. Am Ende steht fest: Z. wird die Immobilie in Hanau nicht kaufen. „Zum Glück“, sagt er rückblickend, „hatten wir damals noch kein Geld gezahlt.“ Heute fühlt er sich bestätigt in seiner Entscheidung, sagt „damals hat manches darauf hingedeutet, dass es vielleicht doch keine so gute Gelegenheit ist, Eigentum zu erwerben, wie es augenscheinlich zu verkaufen versucht wird.“ 

Immobilien auf Pioneer Gelände in Hanau sollen nicht den Standards entsprechen

Ein Blick ins Kleingedruckte lohnt sich: die Baubeschreibung der Wohnungen des ersten Bauabschnittes in Triangle Housing.

Für den Anwalt liegen die grundsätzlichen Mängel nach Durchsicht der 30-seitigen Baubeschreibung, die dem HA – wie der anonymisierte Kaufvertrag von Z. auch – vorliegt, klar auf der Hand. „Die Wohnungen, die hier verkauft werden, sind weit entfernt von den Standards heutiger Eigentumswohnungen“, so das Fazit des Experten. Die Käufer, die das nicht wissen, haben jedoch eine bestimmte Erwartungshaltung. So wie damals Marko Z. Er spricht von einer „Mogelpackung“, der Anwalt korrigiert ihn. 

Im Sinne der Außendarstellung ja, vertraglich nicht. Hinter Fachbegriffen und DIN-Normen sind die Punkte hier aufgelistet. Sei der Vertrag einmal unterschrieben, sei das geschuldet, was im Vertrag stehe, erklärt der Anwalt. Der Knackpunkt für ihn: Dadurch dass die Stadt so stark hinter dem Projekt stehe, seien viele Interessenten geblendet, lesen die Baubeschreibung nicht - und ließen sie schon gar nicht anwaltlich prüfen.

Hanau: Verträge der Immobilien weisen deutlich auf die Mängel hin

Auf Seite 9 beispielsweise heißt es: „Die Decken werden auch nach der Sanierung bezüglich ihres Schwingungs- und Durchbiegeverhaltens teilweise nicht den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. Dies stellt keinen Mangel dar.“ Mit Blick auf den Schallschutz im Gebäude spricht der Anwalt von „Mindeststandards für Billigbauten“. Mit neuen Eigentumswohnungen seien diese Standards, zum Beispiel mit Blick auf die Lärmbeeinträchtigung im Gebäude, nicht vergleichbar. 

Unter dem Punkt „Lüftung“ auf Seite 24 steht: „Durch den Dauerbetrieb der Lüfter ist der Feuchteschutz gemäß DIN 1946 Teil 6 gewährleistet.“ Weiter heißt es in den „Allgemeinen Hinweisen“: „Alle Kellergeschossräume sind nicht für die Lagerung feuchtempfindlicher Gegenstände geeignet, da in den Kellergeschossräumen, auch nach Abtrocknung der neu eingebauten Bauteile, immer mit dem Auftreten von Feuchtigkeit zu rechnen ist. Die vorhandenen Keller-Außenwände erhalten keine zusätzliche Abdichtung.“ 

Pioneer Park in Hanau: Andere Immobilienkäufer bestätigen die Anschuldigungen

Im Kaufvertrag wird auf die Bundesstraße, die benachbarte Bahnstrecke, die Lärmschutzwand, jahrelangen Baulärm und die Parkgarage nebenan hingewiesen und es heißt auf Blatt 23: „Gebäudeteile oder Anlagen, für die die Verkäuferin nach der Baubeschreibung keine Arbeiten schuldet, werden in dem derzeitigen, dem Käufer bekannten gebrauchten Zustand erworben. Eine Haftung der Verkäuferin für die nach der Baubeschreibung unverändert bleibende Altbausubstanz wird ausgeschlossen.“ Übersetzt bedeute dies, so der Anwalt, dass es nur für die neu bearbeiteten Teile eine Gewährleistung gebe – für den größeren Teil aber keine. Z. wurde bei der Begehung der Musterwohnung in Hanau auf keinen der oben genannten Punkte hingewiesen. 

Aktuelle Käufer bestätigen auf HA-Nachfrage, dass es bei ihnen genauso gewesen sei und dass sie die Baubeschreibung erst nach mehrmaligerNachfrage von der LEG bekommen, aber nicht anwaltlich hätten prüfen lassen. Als im Sommer 2019 alle Erkenntnisse auf dem Tisch lagen, war Marko Z. baff. „Willst du so eine Wohnung haben“, hat der Anwalt ihn gefragt? Z.’s Antwort: „Nein.“ Er war übrigens nicht der einzige, der sich Rat geholt hat. Am Ende hat kein einziger eine Eigentumswohnung im Triangle Housing im Pioneer Park gekauft.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Stadt und LEG reagieren empfindlich auf die kritischen Berichte zum Pioneer Park in Hanau. Als Reporter über eine Wohnungsabnahme schreiben wollen, tauchen sie unerwartet vor Ort auf.*

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Rubriklistenbild: © Yvonne Backhaus-Arnold

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