Alle Erfolge in Sachen Müllvermeidung dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir immer noch viel zu viel Plastikabfall in die gelbe Tonne werfen. Pro Kopf wirft jeder Hanauer 25,49 Kilo im Jahr weg. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Immer mehr Erfolge bei der Vermeidung von Verpackungsmüll

Hanau. Der „Unverpackt“-Laden am Marktplatz und die schwarz auf weiß vorliegende Bestätigung, dass auf dem Wochenmarkt mit mitgebrachten Behältern eingekauft werden darf – Hygiene hin, Hygiene her – zählen zu den Highlights in Sachen Plastikvermeidung in der Grimmstadt.

Von Jutta Degen-Peters

Noch sind es kleine Schritte, doch hier tut sich was. Auf dem Markt, in Schulen, im Rathaus und in Geschäften.„Ich finde, dass sich sehr viel bewegt“, gibt sich Anja Zeller, Leiterin der Stabsstelle Nachhaltige Energien, optimistisch.

Geht man nach den Zahlen, die die städtische Abfallberaterin Leonie Marschek auf Anfrage vorlegt, hat Zeller auch allen Grund dazu: Seit dem Jahr 2014, dem Jahr, in dem der städtische Eigenbetrieb HIS die Sammlung der gelben Tonne wieder übernommen hat, hat sich die Menge des pro Einwohner produzierten Verpackungsmülls zwischen 2014 und 2019 von 26,95 auf 25,49 Kilo verringert.

Das klingt zwar nicht nach übermäßig viel. Doch hat sich in den letzten sechs Jahren die Einwohnerzahl um 5800 Menschen erhöht. Weshalb die Hanauer Bevölkerung zwischen 2018 und 2019 pro Person und Jahr ein Kilo mehr Leichtverpackungen, Getränkekartons, Alu und Weißblech entsorgt haben, erschließt sich in diesem Zusammenhang nicht.

"Unverpackt-Laden" verzeichnet einen immer größeren Zulauf

Zeller jedenfalls bleibt optimistisch und verweist auf viele positive Beispiele, die den Bürgern der Region Mut machen sollen, Abfall zu vermeiden. Angebote hierfür gibt es mittlerweile einige.

Der „Unverpackt“-Laden, der seine Pforten Mitte Dezember geöffnet hat, verzeichnet nach den Worten seiner Leiterin Anke Ebenbeck einen immer größeren Zulauf. „Die Hälfte der Besucher kommt schon vorbereitet hierher und hat Gefäße dabei, in die Kaffee, Hülsenfrüchte oder Müsli abgefüllt werden“, sagt sie.

Dass dort mittlerweile nicht mehr nur Nudeln, Waschpulver, Öle und Seifen angeboten werden, sondern jetzt auch frische Milch, Pilze und frisches Gemüse wie Mangold und Spinat sowie Quinoa aus regionalem Anbau, steigert den Reiz, umweltschonend einzukaufen. Das erkennen auch viele Kinder, wenn sie – zur Freude Anke Ebenbecks – mit ihren Schulklassen vorbeikommen, und sich informieren.

Viele Kunden gehen bewusster einkaufen

Besonders stolz ist Anja Zeller darauf, dass, so wie sie, nun viele Kunden bewusster und überlegter auf dem Hanauer Wochenmarkt einkaufen gingen. „Ich nehme mir immer eine Tasche mit den unterschiedlichsten Behältnissen mit und kann mir Brotaufstriche, Fleisch und Wurst abfüllen lassen“, freut sich die Grüne.

Denn endlich liege nun vom Veterinäramt und dem Hessischen Umweltminmisterium das schriftlich vor, was viele Kenner bereits wussten: Dass es den Händlern nämlich durchaus erlaubt ist, Behälter und Frischhalteboxen hinter die Theke zu nehmen (auf einem Tablett) und dort die gewünschte Ware zu verstauen.

Auch sonst wird viel Grips in die Frage gesteckt, wie der Markt plastikarm werden kann. Der Vorsitzende des Wochenmarktvereins, Peter Krebs, berichtet von unterschiedlichsten Versuchen und Experimenten. Darauf, dass Erdbeeren grundsätzlich in der Pappschale angeboten werde, achte man. Doch Versuche mit Schalen aus Fruchtfasern endeten damit, dass die Schälchen in der Hitze schmolzen.

Abfallvermeidung auch Thema bei Wochenmarkt-Beschickern

Am Imbissstand von Peter Krebs ist man ebenfalls auf der Suche nach Alternativen zum herkömmlichen Behältnis. „Aber auch da ist der Stein der Weisen noch nicht gefunden“, gibt Krebs zu bedenken. Doch er betont, dass das Thema allgegenwärtig sei.

Am 1. April, und das ist kein Aprilscherz, soll im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Wochenmarkt vorgestellt werden, wie sich die Beschicker künftig in Sachen Abfallvermeidung aufstellen werden.

Mut machen auch weitere Initiativen: Das Lokal „Dean undamp; David“ im Forum bietet seinen Kunden (gegen eine Pfandgebühr von acht Euro) einen Mehrwegbehälter an. Der kann entweder zurückgebracht oder zur Mehrfachverwendung behalten werden. Ein Café im Forum bietet Recup-Becher an, damit kein Plastikmüll anfällt. Auch die Einführung des Main-Kinzig-Bechers in Kliniken oder Rathäusern steht bevor.

Weniger Plastik auf Hanauer Festen

Zeller erwähnt in diesem Zusammenhang auch die großen Hanauer Feste, auf denen bereits im letzten Jahr Einweg-Plastik verboten gewesen sei. Sie selbst sei als Plastikpolizei unterwegs gewesen, um für das Vorhaben zu werben. „Nicht jeder ist davon begeistert, aber die Bereitschaft mitzuziehen, wächst“, sagt sie. 70 bis 80 Prozent der Standbetreiber hätten mitgemacht.

Im Hanauer Rathaus, in der Karl-Rehbein-Schule, aber auch an zahlreichen öffentlichen Orten gibt es mittlerweile Wasser-Zapfstellen, sogenannte Refill-Stationen, an denen sich die Hanauer mit Trinkwasser versorgen können. Und auch die Idee, die derzeit in den Aldi-Filialen zu bestaunen ist – dort gibt es Trinkhalme aus Trester, einem Reststoff aus der Apfelweinproduktion, – zeugen davon, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema