Kunstwerk, Scherz oder Sperrmüll auf einem Glascontainer an der Elsa-Brändström-Straße. Foto: Seifert

Hanau

Illegale Müllentsorgung: Der Kampf der Stadt gegen Unratfrevler

Hanau. Die Entsorgung von illegalem Müll kostet die Stadt pro Jahr etwa 100 000 Euro. Und ein Ende ist nicht abzusehen, daran hat auch eine im Jahr 2016 umgesetzte Anti-Littering-Kampagne nicht viel geändert. Ein Müllsheriff und Sauberkeitspaten sollen Abhilfe schaffen.

Von Thomas Seifert

„Wir sehen das Problem und versuchen, durch Aufklärung schon in Kindergärten und Schule hier gegenzusteuern. Natürlich appellieren wir auch an die Erwachsenen, pfleglicher mit der Umwelt umzugehen“, betonte Stadtrat Thomas Morlock (FDP) im Gespräch mit dem HANAUER ANZEIGER.

Es ist offensichtlich ein sehr mühsames Geschäft, die Menschen davon abzubringen, ihren Müll in der Botanik oder an abgelegen und kaum zu kontrollierenden Ecken in der Stadt achtlos oder gar gezielt und vorsätzlich zu entsorgen. „Es gibt verschiedene Schwerpunkte im Stadtgebiet und jenseits der Bebauung. Die werden von unseren Mitarbeitern zwar regelmäßig kontrolliert, aber dass man dabei einen Müllsünder auf frischer Tat erwischt, wäre reiner Zufall. Die Kontrollfahrten kann man auch nicht weiter ausweiten, das ist nicht leistbar“, stellte Markus Henrich, Betriebsleiter von Hanau Infrastruktur Service (HIS), fest. Deshalb sei es umso wichtiger, dass Bürger, die Müllfrevler bei ihrem Tun beobachten oder illegal entsorgten Abfall aufspüren, sich bei HIS melden, damit die Mitarbeiter den Dreck wegmachen könnten.

Mehr illegale MüllentsorgungNach einer Statistik von Ralph Sterk, bei HIS für die Bereiche Abfallwirtschaft und Straßenreinigung zuständig, mussten die städtischen Mitarbeiter und die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde, die für die Gebiete jenseits der Bebauung zuständig ist, im Jahr 2015 100 Tonnen Müll wegräumen. Im Jahr 2016 wurde ein Sprung auf 130 Tonnen registriert, im vergangenen Jahr ging die Menge geringfügig auf 125 Tonnen zurück.

Allerdings seien die Fälle von illegaler Müllentsorgung von 221 im Jahr 2016 auf 260 im vergangenen Jahr angestiegen. Allein für die Entsorgung dieses eingesammelten Mülls muss die Stadt 200 Euro pro Tonne Deponiegebühren bezahlen, die Arbeitszeit der 25 Mitarbeiter der Straßenreinigung gar nicht eingerechnet, stellte Sterk fest.

Manchmal ist es kompliziertNicht immer können die städtischen Mitarbeiter tätig werden. Sind es zum Beispiel Gefahrstoffe, die illegal abgelagert werden, dann muss eine Spezialfirma eingeschaltet werden. „Dann wird es richtig teuer“, stellte Thomas Morlock fest. Und wenn der Abfall zwar gut einsehbar, aber nicht auf einem städtischen Grundstück entsorgt worden ist, „dann können die Mitarbeiter nicht einfach alles wegräumen. Zuerst müssen wir das Einverständnis des Grundstückseigentümers einholen, ansonsten würden wir den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllen“, fügte der Stadtrat hinzu.

Ein Beispiel sei der Bahnübergang im Zuge des Diebacher Wegs an der Strecke Hanau–Friedberg. Dieses oft als Müllkippe missbrauchte Areal gehöre der Bahn und diese sei auch für die Müllentsorgung zuständig, die Stadt könne hier erst nach Rücksprache aktiv werden. Externe Kräfte werden bei der Beseitigung von illegalem Abfall nicht eingesetzt, bis auf eine Ausnahme. „Bislang waren für die Müllbeseitigung in Grünanlagen und auf Spielplätzen der Stadt die Mitarbeiter Grünflächen zuständig. Allerdings sind die Gärtner viel zu hoch qualifiziert, um Müll aufzusammeln. Diese Aufgabe hat seit Oktober 2017 eine externe Firma zu unserer vollsten Zufriedenheit übernommen“, stellte HIS-Betriebsleiter Henrich fest.

SauberkeitspatenDie SPD hatte im Herbst 2017 einen Antrag, der im Parlament angenommen worden ist, gestellt und vorgeschlagen, die Verwaltung solle „die Möglichkeit der Gewinnung von Sauberkeitspaten aktiv prüfen und verfolgen“. Diese Paten gibt es bereits in Frankfurt, sie haben sich dort bereit erklärt, regelmäßig Straßenabschnitte oder Teile von Grünanlagen zu kontrollieren und Müll einzusammeln. Das Frankfurter Entsorgungsunternehmen FES stellt den Paten dafür Müllsäcke, Greifzangen und Handschuhe zur Verfügung und holt die gefüllten Säcke ab. „Wir sind gerade dabei, den Antrag umzusetzen und uns mit FES über deren Erfahrungen auszutauschen. Dann müssen wir eine interne Organisationsform finden, ehe wir um Paten werben können“ betonte Thomas Morlock.

Einen Vorstoß machte auch die BfH. In einem Antrag warb sie dafür, die Sanktionen bei Müllfrevlern zu verschärfen und „überführte Müllsünder kräftig zur Kasse zu bitten. Hierfür sollte das Bußgeld auf 1000 Euro heraufgesetzt werden“, sieht der Stadtrat den Antrag skeptisch. „Ein Beispiel: Ein ertappter Hundehalter, dessen Vierbeiner auf einem Spielplatz seine Notdurft gemacht hatte, zahlte das Bußgeld von 200 Euro ohne mit der Wimper zu zucken“, berichtete Thomas Morlock. Er glaubt nicht daran, dass ein erhöhtes Bußgeld die Täter abschreckt, denn diese könnten ohnehin nur selten zur Rechenschaft gezogen werden.

MüllsheriffDas soll sich aber in Zukunft ändern, denn zum 1. Februar hat HIS eine Mitarbeiterin eingestellt, die an die Stadtpolizei delegiert worden ist. „Die neue Kollegin besucht jetzt noch einige notwendige Lehrgänge und wird dann als 'Müllsheriff' – wobei uns der Begriff nicht gefällt – eingesetzt.

Sie wird sowohl detektivisch arbeiten und versuchen, die Verursacher von illegalen Ablagerungen zu finden. Aber auch im Bereich Prävention soll die Kollegin tätig werden, zum Beispiel mit gastronomischen Betrieben sprechen, in deren Umfeld viele Verschmutzungen stattfinden“, berichtete Markus Henrich.

AufklärungAuf Aufklärung setzt verstärkt auch Stadtrat Thomas Morlock, der sich bewusst ist, dass dies eine Sisyphusarbeit sein wird: „Wir müssen im Bewusstsein der Bürger – und hier vor allem der Jugendlichen – viel stärker verankern, dass es ihre Stadt ist, die sie vermüllen. Die Hemmschwelle muss höher gelegt werden, denn für das Lebensgefühl ist es enorm wichtig, dass die Stadt sauber ist. Ein Umdenken hat ja zum Beispiel durch Mehrwegbecher beim beliebten Coffee-to-go stattgefunden.“ Zur Strategie der Aufklärung zählen auch die neuen Infotafeln, die HIS an den Standorten von Glas- und Papiercontainern aufgestellt hat und die explizit auf die Entsorgungsmöglichkeiten von Sperrmüll beim Wertstoffhof und durch Abholung hinweisen.

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