Sind bestürzt über die Vorwürfe gegen sie: die Betreiberinnen der Hundetagesstätte in Klein-Auheim. Seit fünf Jahren gibt es die Einrichtung, die von Lisa Giesel (links) und Kerstin Köckert eröffnet wurde. â€…Foto: Christian Dauber

Klein-Auheim

Hundetagesstätte im Visier der Behörden - "Massive Verstöße"

Klein-Auheim. Kerstin Köckert und Lisa Giesel, die Betreiberinnen des „Hundezentrum im MKK“ in der Klein-Auheimer Gutenbergstraße, sehen sich mit schweren Vorwürfen von Behörden und Tierschützern konfrontiert.

Von Christian Dauber

„Massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz“ hat das Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises festgestellt und zehn Hunde beschlagnahmt, nachdem die Tierschutzorganisation Peta Alarm geschlagen hatte.

Beim Besuch unserer Zeitung vor Ort in der Hundetagesstätte im Klein-Auheimer Industriegebiet zeigen sich Köckert und Giesel bestürzt über die Vorwürfe. „Wir haben Angst um unsere Existenz. Wir hatten hier nie solche Anschuldigungen. Wir verstehen die Welt nicht mehr.“ Es gebe so viele Vorwürfe, wo man nicht wisse, was los sei. Sie stünden in ständigem Kontakt mit dem Veterinäramt.

Die Kontrollen des Kreises liegen schon einige Tage zurück. Am 20. und 21. August sei die Einrichtung mit Unterstützung der Polizei umfassend kontrolliert worden. Dabei seien massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und andere Vorschriften festgestellt und dokumentiert worden, teilt Kreispressesprecher John K. Mewes auf Nachfrage unserer Zeitung mit. „Außerdem mussten zehn besonders auffällige Hunde unverzüglich an geeigneter Stelle untergebracht werden“, sagt er.

Haltung zu vieler Hunde?

Die Betreiberinnen erklären, ihnen sei unter anderem zum Vorwurf gemacht worden, zu viele Hunde gehalten zu haben. Dies habe daraus resultiert, dass sie zusätzlich zu den Tageshunden weitere Vierbeiner in Obhut genommen hätten. „Wir haben zeitweise Hunde in Not aufgenommen – ältere, kranke und solche mit massiven Verhaltensauffälligkeiten. Diese sind uns teilweise von Tierheimen übergeben worden. Sie waren dann häufig nicht mehr vermittelbar und sind bei uns geblieben.“

Die Hunde seien nicht in schlechter körperlicher Verfassung gewesen. „Wir haben hier gut für sie gesorgt, und das kostenlos. 30 Hunde am Tag dürfen wir betreuen. Wir wissen, dass es durch die Nothunde manchmal mehr waren.“

Fünf der beschlagnahmten Hunde hätten sie bereits wieder zurückbekommen. „Wenn wir nicht fähig wären, hätte das Veterinäramt die Hunde uns doch nicht zurückgegeben“, so die Betreiberinnen. Kreissprecher Mewes erklärt dazu auf erneute Nachfrage unserer Zeitung: „Derzeit ist die Tierhaltung dort noch in dem genehmigten Rahmen erlaubt, sodass nach Umsetzung der Auflagen einige Tiere wieder an ihre Besitzer/innen übergeben werden konnten.“

Vorgeworfen worden sei ihnen auch, dass nachts Tiere auf dem Gelände gewesen seien, schildern Köckert und Giesel. Es habe sich aber um private Hunde von Kerstin Köckert gehandelt, die nach eigener Aussage auf dem Grundstück mit ihrem Partner wohnt. Das Ordnungsamt habe sogar bestätigt, dass es kein Problem sei, dass die Hunde nachts auf dem Gelände seien, erklären sie.

Stein durch Peta ins Rollen gebracht

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Tierschutzorganisation Peta, die wiederum zuvor von einem Informanten auf die von ihm beobachtete Situation in der Hundetagesstätte aufmerksam gemacht worden sein will. Peta spricht in einer Mitteilung von „Tierquälerei“. Hunde seien in Boxen gehalten und laut dem Informanten mit Gegenständen geschlagen worden.

„Menschen, die so brutal und tierschutzwidrig mit Hunden umgehen, sollten auf keinen Fall Tiere halten dürfen, geschweige denn eine Pension betreiben, in der sie auch Vierbeiner trainieren“, erklärte Jennifer Kuret, Koordinatorin für Missstandsmeldungen bei Peta laut Mitteilung. Kuret lobt zudem das Veterinäramt des Main-Kinzig-Kreises für sein Eingreifen. Es habe „die Vierbeiner aus den furchtbaren Umständen befreit“. Peta hatte der Mitteilung Fotos von in Boxen gehaltenen Hunden beigefügt.

Über diese Schilderungen können die Betreiberinnen nur den Kopf schütteln. „Es kann nicht die Rede davon sein, dass wir Hunde in Boxen gehalten haben. Wir haben manche Problemhunde dort nur kurz untergebracht, damit sie eine Pause machen können. Beispielsweise die Wolfshunde – einer von ihnen hat einen Herzfehler, der andere Epilepsie. Sie müssen ab und an zur Beruhigung von den anderen Hunden getrennt werden. Wir verstehen das Problem gar nicht – wenn man beispielsweise seinen Hund im Auto transportiert, ist er doch auch mal kurz in so einer Box.“

Auch über den vom Kreis angeführten Polizeieinsatz gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Betreiberinnen erklären, es seien lediglich zwei Beamte vor Ort gewesen. Auf Nachfrage erklärt Kreissprecher Mewes, die Polizei sei hinzugezogen worden, weil dem Veterinäramt der Zugang zu einigen Bereichen verwehrt worden sei. Daher sei am zweiten Tag die Polizei beteiligt worden.

Vermutung eines Racheakts

Köckert und Giesel vermuten hinter den Anschuldigungen einen Racheakt. „„Wir haben kürzlich eine Hundetrainerin gesucht. Manche Menschen wollten gerne hier die Ausbildung machen, und dann hat es nicht geklappt.“ Weiter ausführen wollen sie diese Vermutungen nicht. Beide betonen, dass ihre Einrichtung weiter geöffnet sei, der Betrieb normal weitergehe. Doch Auswirkungen seien nicht ausgeblieben: „Wir hatten eine Angestellte. Momentan aber nicht mehr, wir können sie nicht mehr halten.“

Wie geht es aus Sicht des Kreises weiter? Das Veterinäramt hat laut Kreis konkrete Auflagen wie etwa die Reduzierung der Anzahl der Tiere erteilt, die auch kurzfristig kontrolliert wurden. Neben dem Verstoß gegen Haltungsbedingungen und Genehmigungen könnten bei einer Bewertung auch Fakten wie „Unzuverlässigkeit“ oder „fehlende Mitwirkung“ herangezogen werden. „Derzeit laufen die Ermittlungen, wobei noch einige Punkte zum Tragen kommen, die ebenfalls kein gutes Licht auf die Betreiberinnen werfen. Das erfordert viel Zeit und hohe Sorgfalt. So wurden zum Beispiel alle Tiere und die entsprechenden Dokumente erfasst, Geschäftsunterlagen gesichert und Aussagen protokolliert“, erklärt Kreispressesprecher John K. Mewes.

Derzeit würden die gesammelten Fakten ausgewertet und aufbereitet und dann bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige gebracht, sagt er. Die Vorwürfe richteten sich gegen beide Betreiberinnen.

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