Wiesen am Samstag vor dem vierten Advent auf den türkischen Einmarsch in Syrien hin und protestierten lautstark dagegen: rund 250 überwiegend kurdischstämmige Bürger, die in einem Protestzug vom Hauptbahnhof durch die weihnachtlich geschmückten Straßen zum Freiheitsplatz marschierten. Foto: Jasmin Jakob

Hanau

Hunderte Polizisten begleiteten friedlich Kurdendemonstration

Hanau. 250 überwiegend kurdischstämmige Bürger haben gestern in der Hanauer Innenstadt wieder gegen den türkischen Einmarsch in Nordsyrien protestiert. Laut Angaben der Polizei verlief die Demonstration „äußerst friedlich“.

Von Jasmin Jakob

Während der Abschlusskundgebung kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männern, wobei einer verletzt wurde. Durch das schnelle Eingreifen der Polizei konnte jedoch Schlimmeres verhindert werden. Der Tatverdächtige wurde festgenommen.

Der Protestzug startete am Samstag um 15 Uhr am Hanauer Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt. Mehrere Gruppen aus Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis zeigten sich solidarisch mit dem Widerstand in der autonomen kurdischen Provinz Rojava im Norden Syriens. Sie forderten die internationale Gemeinschaft und explizit die Bundesregierung auf, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Unter anderem müssten die deutschen Waffenlieferungen in die Türkei aus ihrer Sicht eingestellt werden.

Skandieren der Teilnehmer

Immer wieder skandierten die Teilnehmer: „Alle Besatzer raus aus Kurdistan“ sowie „hoch die internationale Solidarität“. An der Spitze liefen drei Frauen mit einem Transparent, mit dem sie die europäische Politik als Strategie der Tatenlosigkeit kritisierten. Ebenso sprachen sich die Organisatoren, denen eine junge Frau ihre Stimme verlieh, sich gegen das Vorgehen der Polizei bei der letzten Kundgebung am 25. Oktober aus. Das Ordnungsamt und die Polizei hätten aus ihrer Sicht „faktisch“ gegen das Demonstrationsverbot verstoßen, indem sie die Kundgebung wegen des hohen Eskalationspotenzials (wir berichteten) abbrachen. Auch am Samstag waren die Einsatzkräfte mit mehreren Hundertschaften und einer Reiterstaffel unterwegs, um für Sicherheit zu sorgen.

Die Abschlusskundgebung startete wie angekündigt um 16 Uhr auf dem Freiheitsplatz. Sie wurde mit einer Schweigeminute eröffnet, um mehrerer zehntausend Menschen zu gedenken, die in der nordsyrischen Region ihr Leben verloren. Einige der 250 Demonstranten erhoben die Hand zum Friedenszeichen. Anschließend ergriff Leyla Birlik das Wort, eine ehemalige Abgeordnete der HDP, einer linksgerichteten Oppositionspartei in der Türkei, die sich für die Minderheitenrechte der Kurden einsetzt. Birlik, die in Deutschland im Exil lebt, sprach über die kriegerischen Übergriffe in ihrer Heimat. Nach ihr zeigten sich Jugendliche der „Fridays for Future“-Bewegung, sowie die Internationalistische Liste MLPD mit einer Ansprache solidarisch.

Zahlreiche Gegenprotestler

Da sich die Kundgebung auch gegen die nach Meinung der Demonstranten völkerrechtswidrige Politik des türkischen Staatsoberhaupts Recep Tayyip Erdogan richtete, rief das zahlreiche Gegenprotestler auf den Plan. Knapp 60 türkische Nationalisten zeigten am Freiheitsplatz während der Abschlusskundgebung Flagge, was von den Kurden als Provokation verstanden wurde.

Die Polizei hielt beide Lager strikt voneinander getrennt. Wie ein Polizeisprecher gestern auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, habe man nach den Erfahrungen mit der Kurdendemonstration am 25. Oktober, bei der eine äußerst aggressive Stimmung geherrscht habe, bewusst eine stärkere Präsenz gezeigt. Diese Strategie habe sich ausgezahlt. Bis auf eine handgreifliche Auseinandersetzung zwischen zwei Männern sei es nicht zu Zwischenfällen gekommen. Bei der Auseinandersetzung hatte laut Polizei ein Zuschauer in die Menge der Demonstranten gefilmt. Das erzürnte einen Kundgebungsteilnehmer. Dieser schlug auf den filmenden Betrachter ein und wurde von der Polizei gestoppt und schließlich festgenommen. Die gesamte Innenstadt um den Freiheitsplatz war bis in den frühen Abend weiträumig gesperrt. Gegen 17.30 Uhr war die Demo beendet.

Nach Angaben der Polizei hat die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Hanau, aber auch mit dem Veranstalter wesentlich zum friedlichen Verlauf beigetragen.

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