Ein Plausch im Bärlauch über Bärlauch – Kräuterexpertin Heidrun Quintino und HA-Redakteurin Kerstin Biehl.
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Ein Plausch im Bärlauch über Bärlauch – Kräuterexpertin Heidrun Quintino und HA-Redakteurin Kerstin Biehl.

Duftkraut mit Heilwirkung

Hochsaison für Bärlauch / Kräuterexpertin verrät Tipps zum Pflücken

  • Kerstin Biehl
    vonKerstin Biehl
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Hanau – Ein grünes Meer aus zarten Blättern bedeckt derzeit an vielen feuchten Orten im Wald den Boden – es ist Bärlauchsaison. Mit dem grünen Gewächs einher geht der typische feine Duft von Knoblauch, der das Kraut, das auch als Waldknoblauch bezeichnet wird, oft schon verrät, bevor es die Augen entdecken.

So auch beim Spaziergang mit Phytotherapeutin Heidrun Quintino. Mit der Großauheimer Pflanzenheilkundlerin haben wir uns zu einem Spaziergang durch die Bulau verabredet, dem Ort in Hanau, der für sein großes Bärlauchvorkommen bekannt ist. „Aber Vorsicht“, informiert Quintino, „die Bulau ist Naturschutzgebiet. Sammeln abseits der Wege ist hier verboten, bitte nur vom Wegesrand pflücken, das ist zumindest geduldet.“

Allium ursinum heißt der Bärlauch mit botanischem Namen, wobei das zweite Wort namensgebend fungiert. Ursinum bedeutet so viel wie „für den Bären geeignet“. „Alle Pflanzen“, weiß Quintino, „in deren Namen der Bär auftaucht, wurden ehemals als besonders mächtig und heilkräftig angesehen.“ Der Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857 bis 1945) aus der Schweiz soll das wilde Kraut gar als „eine der stärksten und gewaltigsten Medizinen in des Herrgotts Apotheke“ bezeichnet haben.

Europäische Antwort auf Ginko

„Schon immer verwendeten die Menschen zu Frühlingsbeginn den Bärlauch in der sogenannten Gründonnerstagssuppe, die aus verschiedensten Wildkräutern besteht“, erzählt die Kräuterexpertin. Heute wird der Bärlauch auch gerne als eine Art europäische Antwort auf den Gingko bezeichnet.

Sämtliche Teile der Pflanze lassen sich verwerten: Zwiebeln, Knospen, Stängel und Blüten. Die Blätter sollen möglichst vor Beginn der Blüte geerntet werden, ansonsten könnten sie leicht herb schmecken – was aber nicht sein muss.

„Beim Bärlauchsammeln gilt es genau hinzusehen“, rät die 57-Jährige. „Vom Aussehen hat er Ähnlichkeit mit dem Maiglöckchen. Doch im Gegensatz zu diesem sind die Blätter des Bärlauchs oben glatt und glänzend, auf der Unterseite matt.“ Zerreibt man sie zwischen den Fingern, verströmt der Bärlauch seinen unverwechselbaren Duft. Auch der Herbstzeitlose ähnelt der Bärlauch, wobei diese eher tulpenförmige Blätter trägt.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dem rät die Phytotherapeutin zum Anbau im eigenen Garten. „Zudem muss man sich dort auch keine Gedanken machen, ob das Sammeln erlaubt ist. Der Bärlauch liebt einen Platz unter Laubbäumen oder -büschen und einen feuchten, humosen Boden. Er vermehrt sich ganz leicht.“

Aus Bärlauch lassen sich Suppen oder Smoothies zubereiten

Unser Körbchen füllt sich nach und nach mit dem grünen Superfood. Nun gilt es, sich Gedanken über die weitere Verwendung zu machen. Die Möglichkeiten sind groß: „Für Tartes, Pestos, Bärlauchquark, Bärlauchbutter, Suppen, Smoothies, Bärlauchöl, Bärlauchessig oder Bärlauchtinktur eignen sich die Blätter“, zählt Quintino auf. Das Trocknen der Blätter hingegen kann sie nicht empfehlen, das Einfrieren nur bedingt. „Am besten man verarbeitet ihn frisch, sodass die wertvollen Inhaltsstoffe wie Vitamin C, ätherisches Öl und Eisen voll erhalten bleiben. Der im Bärlauch enthaltene Stoff Adenosin wirkt antioxidativ und schützt die Zellen vor vorzeitiger Alterung. Außerdem erweitert er die peripheren Gefäße, erhöht die Fließgeschwindigkeit des Blutes und der Lymphe und beugt somit Herzinfarkt, Thrombosen und Arteriosklerose vor“, so die Kräuterfrau. Zudem wirke Bärlauch unter anderem auch gegen Viren, Bakterien, Pilze und Würmer.

Bärlauchsammelstellen finden sich außer in der Bulau beispielsweise auch im Bruchköbeler Wald und in den bewaldeten Kinzigauen von Langenselbold.

Von Kerstin Biehl

Zu Achtsamkeit beim Pflücken rät die ausgebildete Phytotherapeutin (Pflanzenheilkundige) Heidrun Quintino. Pro Bärlauchpflanze soll nur ein Blatt gesammelt werden, um die Pflanze nicht zu schwächen.

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