Komödiantin und Sängerin im aufregenden Outfit: Hiltrud Hufnagel. Foto: Paul

Hanau

Hiltrud macht Frieder Arndt unvergessen

Hanau. Er fehlt ihr und inspiriert sie zugleich: Seit dem Tod ihres Partners Frieder Arndt, alias Karl-Heinz, hält Petra Giesel das Andenken an Arndt wach - jetzt mit ihrem neuen abendfüllenden Solo-Programm im Comoedienhaus. Das Publikum fand Hiltruds Mischung zwischen Trauer und Komik gelungen.

Von Reinhard Paul

Mit Arndt hat Giesel, alias Hiltrud Hufnagel, nicht nur ihr Gegenüber auf der Bühne, sondern auch ihren besten Freund verloren, wie sie im Vorfeld ihres Auftritts im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. „Ich habe nicht lange überlegt ob ich weiter mache. Frieder hat es mir ja quasi befohlen. Er sagte: 'Die Hiltrud darf auf keinen Fall aufhören!' Und so mache ich es auch – in seinem Sinne“, sagt Petra Giesel traurig. Sie vermisse ihn sehr, bekennt sie offen, und sie fühle sich bisweilen sehr einsam ohne ihn. Häufig suche sie das innere Zwiegespräch mit ihm und komme so auf die richtige Spur.

Im TrauerkostümBei solchen Gedanken lag es nahe, dass Hiltrud ihr rund 90-minütiges Programm im Trauerkostüm beginnt, einem schwarz-weißen Couplet. „Das Geblümte kam nicht in Frage, denn schließlich bin ich ja noch im Trauerjahr“, lässt sie das Öffentliche mit dem Privaten verschmelzen.

Die obligatorischen knielangen Perlonstrümpfe allerdings sind weiter hautfarben gehalten. Ein optischer Leckerbissen für alle modebewussten Damen und Herren im Saal. So kennen sie ihre Hiltrud. Die Komik darf nicht zu kurz kommen.

Und die bleibt sie dem Publikum auch bei ihrem Auftritt nicht schuldig. Nach ihren einschlägigen Erlebnissen und den Erfahrungen einer Frau von Welt, die die Höhen und Tiefen des Lebens kennengelernt hat, kann es für sie nur eines geben: eine Ehe,- und Lebensberatung.

Eheberatung frei HausDa wird die imaginäre Nachbarin Henni Ebersberger nebst deren Mann Ernst telefonisch therapiert. Nein, es sei nicht so schlimm, wenn Ernst mal zehn Minuten zu spät vom Einkauf zurückkomme. Er habe sicherlich keine Affäre: „Wer will den schon haben?“ , gibt Therapeutin Hufnagel zu bedenken. „Fremdgehen ist für den Ernst nur ein Fremdwort, er wird wohl nur einen Unfall gehabt haben“. Lautes Gejauchze aus dem Publikum. Witwe Hiltrud Hufnagel kommt an, keine Frage.

Statt Karl-Heinz die ZwillingsschwesterAn Teilen des Programms hat sie noch mit Frieder Arndt gearbeitet. Folglich enthält es auch einige Szenen aus vergangenen Auftritten, in denen er noch mitspielte. Hiltrud zeigt ihre Trauer nicht öffentlich. Die Zuschauer sollen wie immer Spaß haben und sich an Zeiten erinnern, in das schräg-schrullige Paar gemeinsam auf der Bühne stand. „Das ist ganz sicher auch in seinem Sinne“, ist Giesel überzeugt.

Ganz alleine ist sie am Ende dann doch nicht auf der Bühne. Denn da ist noch ihre Zwillingsschwester Gudrun, die via Skype über einen Videobeamer immer wieder eingeblendet wird. Gudrun ist so ganz anders als die schnoddrige Hiltrud. Sie spricht astreines Hochdeutsch und trägt eine pinkfarbene Perücke. Zum geplanten Besuch kommt es aber natürlich nicht.

Sängerin im CocktailkleidDas Publikum erlebt Giesel an diesem Abend nicht nur als Komödiantin, sondern auch als Sängerin. Sämtliche Texte zu ihren Liedern hat sie selbst geschrieben. Wie früher. Da sei Frieder für den Großteil der Sketche verantwortlich gewesen und sie für die Musik.

So sang Hiltrud „Ich war noch niemals in Bad Orb“ frei nach dem Udo-Jürgens-Klassiker oder sie intonierte die Situation, als der französische Bademeister die junge Hiltrud im Schwimmbad mit seinem Sixpack begeisterte, sich dann beim Ausatmen aber als dicklicher Offenbacher präsentierte: „Wärst Du doch in Offenbach geblieben“ (nach Dorthe Kollo). Dass Hiltrud einst eine fesche junge Dame mit vielen Verehrern war, erfährt das Publikum genauso wie die Tatsache, dass der Ebersberger ihr derzeit nachstellt.

Zwischen Helga Feddersen und Marlene DietrichFür ihren Karl-Heinz habe sie sich in erster Linie aus praktischen Gründen entschieden, verkündet sie dem Publikum: „Er hatte eine nigelnagelneu Waschmaschine“. Wen wundert's, dass sie beim Karl-Heinz schon lange keine Schmetterlinge mehr im Bauch verspürte „es waren eher Nachtfalter“.

Nach der Pause erlebt das Publikum eine andere, aufregende Hiltrud Hufnagel: Im schwarzen, goldgerüschten Cocktailkleid sorgt sie für Raunen und erinnert an eine Mischung aus Helga Feddersen und Marlene Dietrich. So singt, spielt und babbelt sie sich wieder in die Herzen ihrer Fans.

FazitUnter dem Strich befinden die Besucher zum Schluss: Sie kann es auch alleine. Dabei ist ihr Karl-Heinz allgegenwärtig und wird es wohl auch immer sein. Und das ist gut so. „Frieder hatte immer Angst, dass man ihn mal vergisst“, verrät Petra Giesel. Diese Angst sei ihm genommen. Die Fans werden die Fantasiefigur Karl-Heinz Hufnagel und auch den Darsteller Frieder Arndt nicht vergessen. Dafür wird Hiltrud schon sorgen.

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