Haben Spaß bei der Präsentation der Kapuze: Pia Salzmann (links), Isabell Moritz und Professor Martin Krämer. Foto: Pongratz

Hanau

Hessischer Design-Preis geht an zwei Studentinnen der BGBA

Hanau. Modische Accessoires „made in Hanau“. Ginge es nach Pia Salzmann und Isabell Moritz, so wäre die Brüder-Grimm-Stadt in Kürze auch für eine trendige multifunktionale Kapuze deutschlandweit bekannt.

Von Ulrike Pongratz

Die beiden Studentinnen der Brüder-Grimm-Berufsakademie Hanau (BGBA) haben den diesjährigen Preis des Hessen Design Competition in der Kategorie „outdoor“ für junge Designer gewonnen. Die Freude darüber ist den beiden jungen Frauen und Professor Martin Krämer, dem Studiengangsleiter Produktgestaltung, bei unserem Gespräch in den Werkräumen der Akademie noch deutlich anzusehen. „Für die noch junge Berufsakademie ist es nicht nur ein Prestigegewinn“, so Krämer, „sondern zeigt den Lehrenden auch, dass wir mit unserem Konzept und den aktuellen Inhalten unserer Studiengänge genau richtig liegen.“

Produktgestaltung, Innovations- und Designmanagement – diese drei dualen und ausbildungsintegrierten Studiengänge führen an der BGBA nach sieben Semestern zu zwei Abschlüssen: zu einem akademischen Abschluss als Bachelor of Arts (BA) und zugleich zum Berufsabschluss der jeweils gewählten Ausbildung. Theorie und Praxis werden in Modulen integriert gelehrt, für dieses Ausbildungskonzept besitzt die BGBA ein Alleinstellungsmerkmal. „Alle 15 Dozenten kommen aus der beruflichen Praxis und orientieren sich mit aktuellen Inhalten ganz nahe am Markt“, sagt Krämer. „Bislang haben wir drei Jahrgänge verabschiedet, und deren Feedback aus der Berufstätigkeit bestätigt uns. Wir liegen richtig in dem, was wir hier machen.“

„Alles dabei für einen Tag im Grünen“

Die Preisträgerinnen studieren Produktgestaltung, beide im zweiten Semester. Ihre ausgezeichnete „Lambda-Kapuze“, so der Titel ihres Projekts, ist im Rahmen des Unterrichtsmoduls Grundlagen Produktgestaltung von Professor Krämer entstanden. „Alles dabei für einen Tag im Grünen“ lautete die Aufgabenstellung für die Studierenden, die ein innovatives, vielfach verwendbares, aber auch nachhaltiges Tragesystem entwerfen und als Prototyp herstellen sollten. „Pia und Isabell haben das außerordentlich gut gemacht, das Projekt ist sehr gut gelungen“, lobt Krämer das kreative Team. „Von Anfang an waren beide mit großem Spaß und Verve dabei.“

Auch das Projektteam selbst war von Idee und Umsetzung überzeugt und bekam zudem überaus positive Rückmeldung von den Kommilitonen. „Wenn man was hat, wohinter man steht, soll man es einreichen,“ so die Preisträgerinnen. „Wir hatten unsere Präsentation und Dokumentation so aufbereitet, dass eine Teilnahme am Wettbewerb fast aus dem Stand möglich war.“

Prototyp kann sich sehen lassen

Pia Salzmann (19) und Isabell Moritz (29) könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein. Aus der Jüngeren sprudelt es nur so heraus, sie ist kaum zu stoppen. Ein wahres Energiebündel steckt in dieser zierlichen Gestalt – Schlagzeug, Longboard fahren, aber auch Jugendarbeit in der evangelischen Kirchengemeinde ihres Wohnortes Roßdorf bei Darmstadt gehören zu ihren Freizeitaktivitäten. Dabei ist das duale Studium an zwei Orten bereits sehr zeit- und arbeitsintensiv. Salzmann lernt Holzbildhauerin am Beruflichen Schulzentrum Odenwaldkreis in Michelstadt und gehört mit dieser Ausbildung in Kombination mit dem Studiengang Produktgestaltung zu den Pionieren an der BGBA. Mit der Hanauerin Isabell Moritz verbindet sie das gemeinsame Studium. Die beiden haben sich im ersten Semester kennen- und schätzen gelernt. Die Klein-Auheimerin hat sich nach dem Abitur an der Lindenauschule zunächst für ein mehr technisch ausgerichtetes Studium entschieden, jetzt aber mit der dualen Ausbildung zur Goldschmiedin und Produktgestalterin ihre wahre Berufung gefunden. Auch sie ist gerne mit dem Longboard unterwegs, außerdem gehören Modellieren, digitales Zeichnen, Film und Fotografie zu den Hobbys der ruhig wirkenden Preisträgerin. Doch auch sie weiß genau, was sie will, sie setzt mit Leidenschaft und Energie das Ausrufezeichen hinter die Sätze ihrer Partnerin.

Das Duo wollte einfach nur mitmachen beim Wettbewerb, doch als sie in die Endrunde kamen, da stieg die Fieberkurve dann doch. Beide könnten nicht gut nähen, gestehen die Studentinnen, den Reißverschluss hätten sie mit der Hand eingenäht. Doch der Prototyp des „Lambda Hood“ kann sich sehen lassen. Die etwas überdimensioniert wirkende Kapuze lässt sich wie ein Rucksack tragen, als Seiten- oder Brusttasche verwenden. Zusammengefaltet passt sie in jede Jackentasche und nimmt doch Wassermelonen, ein Kilo Äpfel oder Proviant für den Tag im Grünen locker auf.

„Dieser Designpreis ist einer der nachhaltigsten Preise, die ich kenne“

„Den weißen Baumwollstoff haben wir selbst gefärbt“, erklären die beiden, er sollte genau diesen Grauton besitzen. In ihrer Projektpräsentation stellen Salzmann und Moritz nicht nur das Endprodukt mit seinem besonderen, einzigartigen Nutzen vor, sondern erläutern auch mögliche Materialien, Herstellungsprozess, ihre Zielgruppe und das Logo, das sie entworfen haben. Außerdem haben sie einen kurzen Film gedreht, der zeigt, wie vielfältig die Multifunktionskapuze verwendet werden kann.

„Dieser Designpreis ist einer der nachhaltigsten Preise, die ich kenne“, sagt Professor Krämer. Mit dem Hessischen Design Award verbunden ist ein Preispaket von 7000 Euro, das den Markterfolg der innovativen Idee ermöglichen soll. Die Gewinner erhalten rechtliche Beratung zur Absicherung des Entwurfs, Unterstützung beim Marketing und bei der Fertigung von 50 Prototypen. „Wir werden professionell gecoacht. Wir hatten bereits Termine beim Anwalt und mussten zum Beispiel feststellen, dass wir 'Lamda' nicht schützen können, da der griechische Buchstabe in vielen Kontexten verwendet wird.“

Projekt soll weiterentwickelt werden

Die beiden Frauen werden im ersten Schritt eine GbR gründen und ihre Rechte sichern. „Wir wollen zunächst dranbleiben und das Projekt weiterentwickeln“, sind die jungen Produktgestalterinnen entschlossen. Ihr Professor dämpft die Euphorie ein wenig, schließlich absolvieren beide gerade das Grundstudium. „Viele Ideen liegen ein paar Jahre in der Schublade, ehe sie realisiert werden“, sagt er. Der Wettbewerb für Nachwuchsdesigner ist gerade wegen dieser nachhaltigen Förderung durch Mentoren und Unternehmen die Grundlage für eine erfolgreiche Berufskarriere.

Die Brüder-Grimm-Berufs-akademie und die Zeichen-akademie öffnen ihre Werk-stätten und Unterrichtsräume für alle interessierten Schüler und Eltern am 24. November. Studierende und Professoren informieren über die integrierten Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten und beraten zur Erstellung der Mappen und Bewerbungsunterlagen. http://www.bg-ba.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema