Der Hauptzugang zum Haus des Jugendrechts erfolgt über den Hinterhof. Dieser wird durch ein Tor abgeriegelt. Hier sollen Garagen und Parkmöglichkeiten für Einsatzfahrzeuge geschaffen werden. Foto: Reinhard Paul

Hanau

Haus des Jugendrechts wird erst im Herbst 2020 fertiggestellt

Hanau. Von der ersten Idee bis zur Entscheidung der Umsetzung waren gerade einmal vier Monate nötig. „Tempohärte“ nannte das der OB seinerzeit und stellte auf einer der ersten Pressekonferenzen zum Haus des Jugendrechts Anfang 2018 eine Fertigstellung bis Ende 2019 in Aussicht. Doch von einer Eröffnung ist man weit entfernt.

Von Kerstin BiehlZwar wurde das Datum der Fertigstellung zwischenzeitlich auf April 2020 korrigiert, doch auch dieser Termin, sagt Jens Gottwald, Geschäftsführer der Baugesellschaft Hanau, der das Gebäude gehört und die für die Umbau- und Sanierungsarbeiten zuständig ist, sei nicht zu halten: „Wenn jetzt nichts mehr Unvorhergesehenes dazwischen kommt, schätze ich, dass wir im Oktober fertig sind.“

Zu den Gründen der Verzögerung der Bauarbeiten möchte sich Gottwald nicht detailliert äußern, verweist auf „Überraschungen, die bei Nachkriegsgebäuden dieser Art leider immer wieder im Zuge von Bauarbeiten zu Tage treten“ und auf die Komplexität der nötigen Sicherheitsanforderungen, was Projektleiter Karsten Baumann bestätigt. „Die Bauvorgaben, die wir vom Land Hessen bekommen, zielen auf einen Neubau hin. Diese in ein Bestandsgebäude einzubringen ist eine Herausforderung, die wir aber gerne angenommen haben“, erläutert der Projektleiter.

Den Bau im Griff

Beide betonen, dass sie alles dafür tun, damit es auf der Baustelle voran geht. Gottwald: „Wir haben den Bau im Griff. Das ist kein Hexenwerk.“ Eine Stellungnahme des Landes Hessen zu der Bauverzögerung lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Das Haus des Jugendrechts erstreckt sich über drei Straßenzüge (Schlossplatz, Graf-Philipp-Ludwig- und der Steinstraße). Von den umfänglichen Umbauarbeiten sind schon einige erledigt. So wurde etwa der Dachstuhl komplett neu gemacht, das Dach neu eingedeckt und teils neue Decken eingezogen. Aus dem Dachgeschoss, das bislang als Abstellraum fungierte, wurden Büroräume. Momentan ist alles noch im Rohbau.

Auf der Baustelle dürfen nur Firmen arbeiten, die vom Landeskriminalamt zertifiziert sind – aus Sicherheitsgründen. Genau diese Sicherheitsgründe erlauben es Gottwald auch nicht, detaillierte Angaben über die genaue Nutzung der Räume offenzulegen.

Sehr gute Abstimmung mit der Polizei

„Wir arbeiten hier mit kodierten Plänen, mit Raumnummern. Worüber wir aber informieren können ist, dass die Vertreter der Polizei im Gebäude am Schlossplatz 6 sitzen werden.“ Dort wird es auch zwei Verwahrungszellen geben. Mit der Polizei und auch mit der Staatsanwaltschaft gebe es eine sehr gute Abstimmung.

Generell bewertet Gottwald das Projekt Haus des Jugendrechts als „mega sinnvoll“. Auch den Standort hält er, mit seiner Fußläufigkeit zum Gericht und zur Polizei und der Nähe zum Schlossgarten, einem bekannten Konfliktbrennpunkt, für durchaus sinnvoll.

Dass mit dem Entschluss in der prosperierenden Altstadt statt der geplanten Laden- und Gastrozeilen in den Gebäudekomplex das Haus des Jugendrechts einzieht, hat Gottwald seinen Frieden gemacht. „Diese Einrichtung trägt auf jeden Fall zur sozialen Kontrolle bei. Es ist eine gute Sache“, sagt er.

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