Der Steinheimer Handwerksmeister Reinhold Heyn sieht im technischen Rückschritt um 100 Jahre die Lösung für sein Problem: Wenn das Diesel-Fahrverbot in Frankfurt kommt und er mit seinem Diesel-Sprinter nicht mehr ins Zentrum fahren darf, will er am Stadtrand parken. Seine Materialien transportiert er dann mit seinem eisernen Handkarren. Foto: Paul

Hanau

Mit dem Handkarren gegen das Diesel-Fahrverbot

Steinheim. Malermeister Reinhold Heyn wehrt sich, wenn ihm etwas nicht passt. Er protestiert mit einem historischen Handkarren gegen das Diesel-Fahrverbot. Wenn das Fahrverbot komme, könne er seine Kunden in Frankfurt nicht mehr besuchen. Dann parke er am Stadtrand und lade seine Baumaterialien auf den Karren, kündigt er an.

Von Jutta Degen-Peters

Stolz führt Heyn seinen 100 Jahre alten Handwagen vor, den er von einem „Biker-Freund“ geschenkt bekam. „Mit so einem Drückkerrn sind wir als Lehrlinge früher in Hanau zu unseren Baustellen gefahren“, erinnert sich Heyn, der mit 15 Jahren seine Maler-Ausbildung begonnen hat. Ein mühsames Geschäft war das, denn wenn Gerüste zu den Kunden transportiert werden mussten, hatten die jungen Handwerker schwer zu schieben. Doch immerhin waren die Karren klimaneutral und brauchten keinen Sprit.

Dass Heyn sich jetzt zurückbesinnt auf die alten Zeiten und wieder mit dem eisernen Handwagen losziehen will, hat mit der derzeitigen Gesetzeslage zu tun. Denn die bringt ihn auf 180. Der Malermeister hat sich vor drei Jahren ein neues Auto für seinen Betrieb gekauft, einen Sprinter, der locker über 30 000 Euro kostete. Er rechnete sich aus, dass er damit noch bis zum Renteneintritt würde zu seinen Baustellen fahren können. Doch jetzt, so meint er, sei sein Diesel-Fahrzeug nichts mehr wert. Wenn er Pech habe, dürfe er im kommenden Jahr nicht mehr nach Frankfurt hineinfahren, wo er einige Kunden betreut.

"Die kleinen Leute müssen alles ausbaden"

Das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte unlängst entschieden, dass die Stadt Frankfurt ein Dieselfahrverbot zur Verbesserung der Luftqualität einführen muss. Wie aus einer aktuellen Verlautbarung des ADAC hervorgeht, müssen Autofahrer deshalb in Frankfurt voraussichtlich ab Februar 2019 mit einem Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge der Norm Euro 4 und älter sowie für Benziner der Norm Euro 1 und 2 rechnen. Für Euro-5-Diesel werde das Fahrverbot ab September 2019 gelten. Ob es bei dieser Regelung bleibt, ob es Ausnahmen gibt und wenn ja welche, steht noch nicht fest. Heyn ist ratlos, weil das ständige Hü und Hott zwischen Politik und Wirtschaft für Verwirrung sorgt.

Außerdem findet es der Steinheimer unmöglich, dass die Politik nicht die Autokonzerne zur Verantwortung zieht. „Wieder mal sind es wir kleinen Leute, die das Ganze ausbaden müssen“, ärgert sich der Handwerksmeister. Das Angebot, er könne sich ja einen Neuwagen kaufen und erhalte eine Prämie, befriedigt ihn ebenso wenig wie die Aussicht, den Diesel auf eigene Kosten nachrüsten zu müssen.

Heyn will Handkarren im Winter restaurieren

Die Kosten müssten dem Verursacher aufgebrummt werden, schimpft er. Es könne nicht sein, dass der Verbraucher im Regen stehen bleibe. Mit seinem Handkarren hat Heyn jedenfalls schon mal vorgesorgt. Im Winter, wenn es ruhiger werde in seinem Betrieb, will er den historischen Wagen restaurieren. Wenn der Handkarren, der noch Blattfedern hat, dann wieder dasteht und läuft wie eine Eins, werde er ihn einsetzen.

Die Kunden hätten sicher Verständnis dafür, dass er etwas länger zu seinen Einsatzorten brauche, sagt Heyn augenzwinkernd. Schließlich spare er sich das lange Parkplatzsuchen im Stadtzentrum, tue etwas für die Umwelt und für seine Muskeln.

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