Mit sogenannten Share-Pics machen die Hanauer Klimaaktivisten auf Instagram auf die Demo am Freitag aufmerksam. Auf diesem Pic ist Mara Landwehr zu sehen. Foto: PM

Hanau

Hanauerin über Klimapolitik und die Fridays-for-Future-Demo

Hanau. Wenn sich am morgigen Freitag Menschen weltweit mobilisieren, um unter dem Hashtag #allefürsklima auf die Straße zu gehen, ist auch Hanau ein Teil davon. Es wird der dritte globale Klimastreik sein. Allein in Deutschland beteiligen sich laut der Fridays-for-Future-Bewegung über 500 Orte.

Der Aufruf der Fridays-for-Future-Bewegung richtet sich dabei an alle Generationen. Für die Einhaltung des Parisabkommens und gegen die anhaltende Klimazerstörung. Konkrete Ziele der Klimaaktivisten sind etwa die Nettonull in der Treibhausbilanz bis zum Jahr 2035, der komplette Kohleausstieg bis 2030 und eine 100 Prozent erneuerbare Energieversorgung bis 2035.

Kurzfristige Ziele bis zum Ende diesen Jahres lauten ein Viertel aller Kohlekraftwerke abzuschalten und eine CO2-Steuer einzuführen, mit deren Hilfe die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden soll.

Nächste Schritte in der Klimapolitik

Die Bundesregierung entscheidet an diesem Tag über ihre nächsten Schritte in der Klimapolitik. Der globale Protest kommt da gerade Recht, um die Regierung noch mehr unter Druck zu setzten und zu stärkerem Handeln aufzufordern, heißt es in einer Mitteilung der Hanauer Fridays for Future Bewegung. Auch die Hanauer seien bereit für ihre Zukunft und eine effektive ‧Klimapolitik auf die Straße zu gehen. „Es ist nicht kurz vor zwölf, sondern es ist jetzt Zeit zu Handeln. Es muss jetzt ‧etwas passieren, um noch etwas ändern zu können. Es geht um unsere Zukunft, seid dabei!“, so die Forderung der Fridays for Future Ortsgruppe Hanau.

Wir haben mit Mara Landwehr, die sich ebenfalls in der Gruppe engagiert, über Klimapolitik gesprochen. Die 22-‧Jährige Großauheimerin studiert im siebten Semester ‧Politikwissenschaften und Philosophie an der Goethe-Uni in Frankfurt, schreibt aktuell ihre Bachelorarbeit, in der es auch um Klimaschutz geht.

Frau Landwehr, Sie sind eine Klimaaktivistin. Was genau kann man sich darunter vorstellen?

Ich setzte mich aktiv für Veränderungen in der Klimapolitik und für ein stärkeres, schnelleres Handeln ein, gehe auf Demonstrationen und verteile Flyer in der Innenstadt, um auf Fridays for Future aufmerksam zu machen. Ich setzte mich aktiv für das Klima ein. Für manche bedeutet der Einsatz fürs Klima die Teilnahme an Demos, für andere mehr Nachhaltigkeit im eigenen Alltag. Für mich persönlich sind alle Klimaaktivisten, die versuchen, etwas besser im Sinne des Klimas zu machen. Jede umweltbewusste Handlung ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Was hat Sie dazu gebracht, sich fürs Klima zu engagieren?

Vor allem hat die Erziehung meiner Mutter mich geprägt. Sie hat mich und meine Geschwister sehr umweltbewusst erzogen hat. Mit 14 oder 15 Jahren habe ich eine Doku gesehen, in der es um Lebensmittelverschwendung ging. Dabei wurde auch gezeigt, wie weitreichend dieses Problem ist. Zum Beispiel wurde auf die Abholzung des Regenwaldes hingewiesen, die damit verbundene Vertreibung von Indigenen Völkern und auf den Verlust der Artenvielfalt. Da ist mir das erste Mal ganz bewusst geworden, welche Auswirkungen mein Konsum hat.

Von da an fing ich an, mich mit dem Thema Umweltschutz und Klimawandel zu beschäftigen. Ich habe zu Partys im Freien Mülltüten mitgebracht oder in der Schule Diskussionen zu dem Thema angefangen. Mir fiel immer wieder auf, wie unaufgeklärt ‧meine Mitmenschen teilweise waren und wie mühselig Diskussionen zu Umweltschutz oder Ähnlichem sind. Es ist seitdem mein erklärtes Ziel, aktiv Aufklärungsarbeit zu betreiben, um den Menschen klar zu machen, wie wichtig es ist, sich für mehr Klimapolitik einzusetzen, auf allen Ebenen.

Was tun Sie persönlich für den Klimaschutz?

Ich versuche, so wenig wie möglich Plastik im Alltag zu verwenden, regionale Produkte zu kaufen und so gut es geht nur noch Secondhand-Kleidung zu kaufen. Zusammen mit meiner besten Freundin setzte ich mich dafür ein, einen Unverpackt Laden in Hanau zu eröffnen. Ich bin bei Fridays for Future dabei und diskutiere viel mit meinen Freunden und Freundinnen und Bekannten über das Thema.

Was kann jeder Einzelne im Alltag für den Klimaschutz tun?

Das, was in seiner oder ihrer Macht steht. Das, was er oder sie schafft. Wir können alle etwas tun, aber wir sollten uns nicht fertig machen, wenn wir nicht alles schaffen können. Wie gesagt, ist jede umweltbewusste Handlung ein Schritt in die richtige Richtung. In unserer Gesellschaft ist Konsum ein so wichtiger Faktor, dass es schwierig ist, unsere Verhaltensmuster zu durchbrechen. Und vor allem ist das Unwissen auch ein großes Problem. Die Welt ist so groß und die Vorgänge so komplex, dass wir nicht jede Handlung auf ihre Nachhaltigkeit hinterfragen können.

Deshalb sehe ich die Verantwortung, etwas für den Klimaschutz zu tun, auch in den Händen der Politik. Es ist eine sehr große Aufgabe die eigenen Handlungen täglich zu hinterfragen und umzustellen. Deshalb resignieren auch viele Menschen wieder und fallen zurück. Wir brauchen gemeinschaftliche Vereinbarungen, auf die wir uns berufen können, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen. Sonst haben auch viele schnell das Gefühl alleine zu sein und sehen keinen wirklichen Nutzen in dem, was sie verändern. Deshalb ist Fridays for Future so unglaublich gut. Viele Menschen setzten sich zusammen international für den Klimaschutz ein, da fühlt man sich nicht mehr so isoliert, sondern bekommt Zuspruch.

Was sind die wichtigsten globalen Klimaziele?

Alle Ziele sind auf ihre Art zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels sehr wichtig. Ob es um die Energiewende geht oder das Problem, wie wir das Plastik aus den Weltmeeren bekommen. Diese Probleme resultieren jedoch aus einem Umstand, und das ist unser Lebensstil. Um diese Ziele erreichen zu können und langfristig etwas zu ändern, muss sich die Konsumgesellschaft ändern. Das ist das wichtigste Ziel für mich. Und um das zu erreichen, muss eine bessere Klimapolitik gemacht werden, die schneller handelt und nicht alles nach hinten verschiebt. Darauf machen wir mit Fridays for Future Druck.

Und die Ziele für Hanau?

Für Hanau fordern wir vor allem einen verbesserten ÖPNV. Generell muss es den Bürgern und Bürgerinnen erleichtert werden, umweltbewusst zu Handeln. Es müssen Anreize geschaffen werden, wie zum Beispiel verbesserte Fahrradwege und weniger bis gar keine Autos in der Innenstadt, ein Unverpackt Laden, mehr kleine Geschäfte, die regional, lokal produzieren, Urban Gardening und so weiter. Mehr Grün und Blau (in Form von Trinkbrunnen, Wasserspielen oder Ähnlichem) in der Stadt ist wichtig zur Klimafolgenanpassung und für den Klimaschutz. Es gibt so viel was man machen kann.

Fühlen Sie sich im Hinblick darauf von der Hanauer Politik ernst genommen? Von der Stadt Hanau?

In Anbetracht dessen, dass auch Oberbürgermeister Claus Kaminsky am Freitag kommt und etwas sagt, würde ich sagen, ja. Es kommen auch sicher wieder Stadtverordnete. Wir bekommen Aufmerksamkeit. Uns ist es aber vor allem wichtig, dass sich die Politik verändert und wir merken, dass unsere Proteste zu etwas führen.

Wie groß ist die Fridays-for-Future-Gruppe Hanau und seit wann ist sie aktiv?

Wir sind eine Gruppe von 15 bis 20 Schülern und Schülerinnen, Studierenden und Azubis. Seit zirka einem halben Jahr sind wir aktiv.

Wie organisiert sich die Gruppe?

Wir treffen uns zu regelmäßigen Organisationtreffen in der Bibliothek in Hanau oder auf dem Freiheitsplatz. Dort reden wir über die nächste Kundgebung/Demonstration oder planen Social-Media-Auftritte. Dabei gehen wir basisdemokratisch vor. Wir machen alles zusammen, sprechen uns viel ab und unterstützen uns alle, wo es geht.

Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie am Freitag?

Bei unserer ersten Kundgebung mit spontaner Demo kamen um die 100 Mitstreiter zusammen. Im Schatten von Frankfurt ist es leider etwas schwierig, da auch viele gerne dort hingehen, um zu demonstrieren. Diesmal haben wir mit Flyern und Plakaten auf unsere Demo aufmerksam gemacht, wir hoffen auf 130 Teilnehmer. Bisher waren die Demonstranten ein bunt gemischter Haufen. Schüler, Studierende und Azubis aber auch ältere Menschen, die uns unterstützen möchten und sich vielleicht auch schon früher für das Thema stark gemacht haben.

Wie lautet Ihre Einschätzung zu Greta Thunberg?

Greta Thunberg ist eine junge Frau, die jeden Tag aufs neue unglaublich viel Mut beweist. Ich wäre gerne so mutig gewesen, mich mit einem Schild vor den Bundestag zu setzten. Ich finde es beeindruckend, was sie auf die Beine gestellt hat und schäme mich für Menschen, die sie immer wieder anfeinden und sagen „von so einer Göre lasse ich mir mein Leben nicht diktieren.“ Sie hat gehandelt und den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Für mich ist sie eine Heldin.

Was denken Sie, wie die Menschen in 50 Jahren, bezogen auf den Klimawandel, leben werden?

Ich hoffe, dass die Menschen in 50 Jahren verstanden haben, dass die Umwelt keine Umwelt, sondern ihre Mitwelt ist und sie ein Teil davon sind. Wenn wir das verstanden haben wird es für uns viel schwieriger sein so zu leben, wie wir es gerade tun und es wird sich vieles von ganz allein ändern. Konkret stelle ich mir eine viel grünere Welt mit vielen Zügen und Fahrrädern vor. Mit regionalen Produkten im Regal, die nicht eingeschweißt sind. Eine Welt in der es Blumenwiesen und Insekten gibt. In der Tiere nicht in Fabriken gehalten werden. In der es den Regenwald und Fische im Meer noch gibt und es kein Plastik schneit. Eine Welt in der alle die gleichen Chancen haben und Menschen nicht mehr auf Kosten unseres Lebensstils abgehängt werden. Eine faire Mit-Welt.

Das schriftliche Interview führte Kerstin Biehl.

Die Demo in Hanau startet um 13 Uhr auf dem Freiheitsplatz, führt über Schlossplatz und Nußallee zum Marktplatz und wieder zurück zum Freiheitsplatz.

››fridaysforfuture.de

Das könnte Sie auch interessieren