Neben der Ausgabe von Lebensmitteln ist die Tafel auch mit einem kleinen Laden vertreten. Fotos: Reinhard Paul

Hanau

Hanauer Tafel: Neuer Standort eingeweiht

Hanau. Wer die neuen Räumlichkeiten der Hanauer Tafel am Johanneskirchplatz betritt, wird von frischen Farben und fröhlichen Motiven von Obst, Gemüse oder Brötchen umgeben. Ein Ambiente, das auf Anhieb die Stimmung hebt.

Von Jutta Degen-Peters

Das war nicht nur am Dienstag so, als die Geschäftsführerin der Marienkirchen-Stiftung Lichtblick, Jutta Knisatschek, zur offiziellen Einweihung lud. Das ist auch so, wenn bedürftige Menschen sich dort mit Lebensmitteln versorgen lassen und bei den Ehrenamtlern der Einrichtung aufmerksame und einfühlsame Gesprächspartner vorfinden.

Das erfrischende Ambiente war es auch, das mehrere der Festredner zur Einweihung im 20. Jahr des Bestehens der Hanauer Tafel thematisierten. Im Beisein zahlreicher Vertreter aus Politik, Kirche, Sozialverbänden und Unternehmen hob Stefan Gillich von der Diakonie Hessen hervor, dass die schöne Gestaltung der Räume eine Wertschätzung der Menschen bedeute, die hier arbeiteten und hier Lebensmittel abholten. Damit gebe man den Menschen, die sonst nicht vom Schicksal begünstigt seien, ein Stück ihrer Würde zurück.

Gutes Ergebnis

Dieses Lob dürfte vor allem den 20 Auszubildenden und Mitarbeitern von AQA, der kreiseigenen Gesellschaft, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen versucht, heruntergegangen sein wie Öl. Denn wie die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler erklärte, waren sie es, die die Malerarbeiten in den neuen Räumen ausgeführt haben. Das Engagement der AQA zeigt außerdem, wie sehr gemeinsame Anstrengungen von Stadt Hanau, Main-Kinzig-Kreis und der Stiftung Lichtblick am Ende zu einem guten Ergebnis geführt haben. Simmler bemühte das Bild vieler Beteiligter, die sich an den Händen fassten, um eine gemeinsame Zukunft zu bauen, und dankte den Helfern für ihr Durchhaltevermögen.

Maja Weise-Georg vom Hessischen Sozialministerium bezeichnete den Tafel-Laden als Ort des offenen Ohrs und der offenen Türen, Ort der Begegnung und des Verständnisses für Alleinerziehende, Alleinlebende, Geflüchtete, Junge und Alte in Not. Hier werde nicht nur mit Lebensmitteln geholfen, hier würden Menschen zusammengeführt, werde kommuniziert, gebe man Frauen und Männern, die aus dem Beruf ausgeschieden seien, eine großartige Aufgabe. So hat die Hanauer Tafel im vergangenen Jahr rund 618 000 Kilo Lebensmittel an rund 2000 Personen verteilt, die sie mit zwei Kühlfahrzeugen und einem Pkw in 62 Läden und Geschäften einsammelten.

Dank an den Vermieter

Die Frage, ob man überhaupt feiern sollte, dass es eine Einrichtung wie die Tafel immer noch gebe, stellte Sozialdezernent Axel Weiss-Thiel. Er betonte, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklaffe. Bei aller Trauer darüber, dass man die Tafel immer noch brauche, gelte es aber, den Helfern zu danken. Marietta Becker ist eine dieser Mitarbeiterinnen, die seit 20 Jahren dabei ist, und geehrt wurde. Stadt und Kreis unterstützen die Tafel jährlich mit je 50 000 Euro und fördern sie darüber hinaus.

Für diese und weitere Unterstützung bedankte sich Knisatschek besonders herzlich. Ihr Dank galt auch dem Vermieter Cliff Michaelis. Dieser habe quasi „eine private Mietbremse“ erfunden, damit die Miete erschwinglich ist. Danach gab Pfarrerin Kerstin Schröder von der Stadtkirchengemeinde den Versammelten und den Mitarbeitern und Initiatoren der Tafel ihren Segen. Sie verdienten Respekt, denn sie erfüllten nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine kirchlich-diakonische Aufgabe.

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