Läuft wieder dank Ersatzteil aus dem 3D-Drucker: der Mixer, den die Schrauber aus dem Repair Café repariert haben. Foto: PM

Hanau

Hanauer Repair Café bringt totgeglaubte Geräte wieder zum Laufen

Hanau. Irgendwann war Schluss: Der Standmixer wollte sich partout nicht mehr einschalten lassen. Das ärgerte die Besitzerin, die sich so leicht nicht ins Bockshorn jagen lassen wollte. Wegwerfen kam für sie nicht in Frage.

Von Jutta Degen-Peters

Sie brachte das etwa 15 Jahre alte Gerät, das nicht mehr gebaut wird und für das es keine Ersatzteile mehr gab, ins Repair Café. Denn die Tüftler, die dort tätig sind, so war sie sicher, wüssten einen Ausweg. Sie hatte Recht und die Bastler Erfolg: Jetzt läuft der Mixer wieder wie Lottchen.

Für Bernd Merte, seit fünfeinhalb Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den Hanauer Reparateuren, zeigt das Beispiel mit dem Standmixer ganz deutlich, woran es heute oft mangelt. Die Ex- und Hopp-Gesellschaft bewirke, dass der Mensch nicht mehr nachhaltig denke. „Dabei ist das Thema aktueller denn je“, betont er mit Blick auf die „Fridays for future“-Bewegung und die aktuelle Klimadebatte.

Erfahrungsaustausch mit anderen Reparateuren

Der Endfünfziger, der seit 25 Jahren in Hanau lebt und schon immer ein Tüftler war, arbeitet im Repair Café mit, „um einen Kontrapunkt gegen diese Wegwerfgesellschaft zu setzen“. Gleichzeitig, so sagt der Elektrotechniker, genieße er den Erfahrungsaustausch mit den anderen Reparateuren und die Tatsache, dass er den Bürgern nicht nur konkret, sondern auch dadurch helfen könne, dass er ihnen sein Wissen vermittle.

Beim Standmixer staunten die Interessierten nicht schlecht, als sie sahen, wie Merte im ersten Stock der Stadtbibliothek im Kulturforum ein Ersatzteil aus dem 3D-Drucker hervorzauberte. Dass der Mixer nicht mehr funktionierte, lag nämlich an einem defekten Kunststoffteil, das als Sicherungsvorrichtung eingebaut war. Es sollte gewährleisten, dass der Mixer sich nur dann in Bewegung setzt, wenn der aufgesetzte Becher eingerastet ist.

Kein kostenloser Reparatur-Service

Genau dieses kleine Ersatzteil, das der 3D-Drucker jetzt erstellte, baute Merte anschließend in den Mixer ein.„Jetzt funktioniert die Küchenmaschine wieder“, sagt er und freut sich. Im Geschäft hätte man der Kundin gesagt: „Das lässt sich nicht mehr reparieren, wir machen Ihnen ein Angebot für den Kauf eines neuen Mixers.“ Im Repair Café geht man bewusst einen anderen Weg.

Merte muss zugeben, dass sich eine solche Reparatur für ein scharf kalkulierendes Unternehmen kaum rechnet: Die Diagnose des Fehlers setzt er mit rund 15 Minuten an, die Konstruktion des benötigten Ersatzteils für Geübte mit 30 Minuten, für Ungeübte mit über drei Stunden, das Ausdrucken dauert seiner Berechnung nach eine Stunde. Weitere 15 Minuten kostet der Einbau. Fehlt nur noch ein kurzer Sicherheitscheck, fertig.

"2014 richtig losgelegt"

Erfolgsgeschichten wie die mit dem Standmixer kann das Repair Café einige vorweisen. Ende 2013 wurde die Einrichtung ins Leben gerufen und hat seit dieser Zeit schon einigen ausgemusterten Geräten zu neuem Glanz verholfen. Es will aber ausdrücklich kein kostenloser Reparatur-Service sein, sondern ein von Ehrenamtlern getragener Treffpunkt, bei dem Menschen gemeinsam ihre Dinge reparieren können und ihre Erfahrung und ihr Wissen unentgeltlich austauschen.

„2014 haben wir in Hanau dann richtig losgelegt“, erklärt Gründungsmitglied Dietrich Knuth. Damals war die Einrichtung noch in der Bangertstraße. Mittlerweile ist sie umgezogen in größere und hellere Räume an der Steinheimer Straße 1. Auch Knuth gehört der Altersgruppe 50 plus an und ist als Verfahrenstechniker einer von denen, die sich auch von Berufs wegen mit technischen Abläufen beschäftigen. „Intuition und etwas handwerkliches Geschick“, antwortet er auf die Frage, was man mitbringen sollte, wenn man bei den Reparateuren mitmischen möchte. „Wer Spaß an so etwas hat, muss ja nicht gleich mit einer Kaffeemaschine einsteigen.“

Gespür für Menschen wichtig

Doch die hatten die Teilnehmer schon genauso auf dem Tisch wie den Toaster, Staubsauger und Heizlüfter. Zum festen Stamm der Schrauber und Tüftler gehören neben Merte und Knuth noch Herbert Leypold und Sabine Schulze, die den weniger technischen Teil übernimmt. Neben Elektrotechnikern und Elektriker seien ein Maschinenbauer, zwei Postler und ein Allrounder mit im Boot. „Alle zeichnet aus, dass sie nicht so auf ihr Tätigkeitsfeld fixiert, sondern in der Lage sind, über den Tellerrand zu schauen“, findet Knuth. Außerdem seien sie bereit, ihr Wissen weiterzugeben. Ein Gespür für Menschen und Spaß an der Begegnung mit anderen müsse man auch mitbringen. Denn mancher, der ins Repair Café kommt, suche neben technischer Beratung auch Ansprache und Gesellschaft.

Das nächste Treffen des Repair Cafés fällt mit dem Freiwilligentag am Samstag, 21. September, zusammen.

Öffnungszeiten

Geöffnet ist das Repair Café im ersten Stock des Hauses am Steinheimer Tor, Steinheimer Straße 1, an jedem ersten Donnerstag im Monat von 17 bis 20 Uhr und jedem dritten Samstag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Annahmeschluss für Geräte 30 Minuten vor Ende der Veranstaltung. (Am 3. Oktober findet kein Repair Café statt.

reparatur-initiativen.de/repaircafe-hanau

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