Der Hanauer "Wer wird Millionär"-Gewinner Falko Schulze (34) will seine bei der Quizshow ‧gewonnenen 125 000 Euro in einen Schulprojekt in der Dritten Welt investieren. Foto: TVNOW / Frank Hempel

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Hanauer Quizshow-Gewinner möchte mit 125 000 Euro Schule bauen

Hanau. Ein junger Mann Mitte 30 würde vermutlich mit einem Gewinn von 125 000 Euro bei der TV-Show „Wer wird Millionär“ ein neues Auto kaufen, eine Traumreise buchen oder in eine Immobilie investieren.

Von Thomas Seifert

Quiz-Gewinner Falko Schulze hat da etwas ganz anderes vor, er will seinen „Lebenstraum“ verwirklichen und die Summe als finanziellen Grundstock für den Bau einer Schule für benachteiligte Kinder in der Dritten Welt nutzen.

Es begann alles mit einem gemeinsamen Fernsehabend und einer Ausgabe der RTL-Sendung mit Moderator Günther Jauch. Als ein Kandidat sich durch die Fragen hangelte und auch reichlich Joker für seine Antworten nutzte, befand die Freundin von Falko Schulze, auf diese Art und Weise könne er auch zu einem der Gewinner werden. Sie meldete den Ahnungslosen bei RTL an und daraufhin nahm die Geschichte ihren Lauf. Einige Tage später schon der erste Anruf aus Köln, es folgten ein Telefon- und wenig später am Computer ein Videocasting.

In den Herbstferien stand dann bereits die Aufzeichnung der Sendung in den RTL-Studios in Köln an. „Ich war so was von meganervös, so viele Zigaretten an einem Tag habe ich noch nie geraucht“, erzählte der 34-Jährige im Gespräch mit dem HANAUER. Zum Glück habe er sich mit einem der sieben Mitkandidaten von „Das große Zocker-Special“ gleich auf Anhieb verstanden, so sei die lange Wartezeit bis zum Auftritt erträglicher gewesen.

Die Konzentration behalten

Als Falko Schulze dann allerdings nach einem Einspieler an der Reihe war, da ging ihm durch den Kopf „Auf keinen Fall auf dem Weg zum Kandidatenstuhl stolpern und hinfallen“, berichtete der 34-Jährige im Rückblick schmunzelnd. Das habe er ja auch geschafft und die Fragerunde auch glücklich überstanden. Bei der 250 000-Euro Frage habe er dann gepasst. „Danach ist mir ein riesengroßer Felsbrocken vom Herzen gefallen“. Unfähig zunächst zu begreifen, was gerade passiert war, wurde er von seiner RTL-Betreuerin umarmt, die am Rande des Studios mitgezittert hatte, und natürlich von seiner Partnerin geherzt: „In der Umkleide hat es dann lange gedauert, bis ich endlich fähig war, mir eine Zigarette zu drehen, die ich dringend brauchte. Ich war total leer im Kopf.“

Nach einem Abendessen mit dem anderen Kandidaten im Hotel konnte Falko Schulze in jener Nacht nicht schlafen: „Mit gingen hunderttausend Gedanken durch den Kopf. Es hat sowieso einige Zeit gedauert, bis ich realisiert habe, dass ich 125 000 Euro gewonnen hatte“. Auf der Rückfahrt nach Hanau am nächsten Tag holte den Quiz-Gewinner die Realität aber schnell wieder ein, denn das Paar war zu mehreren Stopps gezwungen, um Wasser in dem defekten Kühler ihres Autos aufzufüllen.

„Rückblickend muss ich sagen, dass alle bei RTL sehr nett und bemüht waren. Mit Günther Jauch habe ich allerdings lediglich vielleicht drei Sätze gewechselt. Der Gesprächsteil, bei dem ich ihm von meinem Plan mit der Schule erzählte, wurde dann leider bei der Ausstrahlung am vergangenen Montag rausgeschnitten, was ich sehr bedauere“, stellte der 34-Jährige fest.

Leidenschaftlicher Motorradfan und Schrauber

Falko Schulze stammt aus Prenzlau in Brandenburg, kam 2003 mit seinen Eltern nach Wölfersheim in die Wetterau, machte Abi in Bad Nauheim, studierte Physik und Chemie auf Lehramt in Gießen, obwohl der „leidenschaftliche Motorradfan und Schrauber“ eigentliche Maschinenbauingenieur werden wollte. „Aber im Rückblick habe ich den richtigen Weg eingeschlagen, der mich nach einer Station in Friedberg an die Heinrich-Böll-Schule in Rodgau geführt hat, wo ich mich sehr wohl fühle und nur drei Kollegen, die Schulleitung und meine Klasse von meinem RTL-Auftritt im Vorfeld informiert habe“, so Schulze.

Allerdings änderte sich das nach der Ausstrahlung am Montagabend schlagartig. „Irgendwann habe ich einfach das Handy ausgeschaltet, das sowieso keinen Saft mehr hatte, weil die Anrufe und Nachrichten den Strom rausgesaugt hatten. Toll war aber, dass mich sogar ehemalige Schulkameraden aus Prenzlau kontaktiert und mir gratuliert haben, so wie eigentlich nur Glückwünsche eingingen“, freute sich Falko Schulze, der seit Anfang des Jahres mit seiner Partnerin in Hanau wohnt. Unter den Gratulanten war auch der Lehrerkollege, den er mit dem letzten Joker kontaktiert hatte und zu dem er ein besonderes Verhältnis pflegt.

Der Offenbacher spielt nämlich zusammen mit Falko Schulze in der Metalband „Illusoria“, einer weiteren Leidenschaft des Physik- und Chemielehrers, der erst nach dem Abi begonnen hatte, Gitarre zu spielen. „Ich bin der Riffmaster der Band, spiele Rhythmusgitarre und singe im Hintergrund“, berichtete der 34-Jährige. Auf Spotify kann man sich die Musik von „Illusoria“ anhören, die zwei Platten veröffentlicht und bereits diverse Auftritte im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus absolviert haben.

Voller Enthusiasmus

Wie kommt nun aber ein 34-Jähriger auf die Idee, sein gewonnenes Geld nicht für sich und seine Partnerin zu verwenden? „Wissen Sie, mir geht es gut. Ich habe eine tolle Freundin, einen Job, der mir viel gibt, eine schöne Wohnung, und der Kühlschrank ist auch immer gefüllt. Mir fehlt nichts. Aber es gibt auf der Welt so viele Kinder, die von Bildung abgeschnitten sind und deshalb keine oder nur geringe Aussichten haben, ihr Leben besser als ihre Eltern zu gestalten. Zudem habe ich schon immer mit dem Gedanken gespielt, in die Entwicklungsarbeit zu gehen. Erzählungen einer Kollegin in Rodgau, die diesen Weg gegangen ist, haben mich dann in der Idee bestärkt, so ein Projekt mal anzugehen“, erzählt Falko Schulze voller Enthusiasmus. Er weiß aber auch, dass sein Gewinn nur der Grundstock für solch ein ambitioniertes Projekt sein kann.

„Vielleicht gibt es Menschen, die ähnlich denken und sich vorstellen können, mein Projekt zu unterstützen“, hofft Falko Schulze auf Resonanz. Parallel sieht er sich auch nach Organisationen um, die solche Schulbauten bereits umsetzen, ob er mit denen seine Vorstellungen verwirklichen könnte. „Ich bin ein Macher. Wenn ich das Projekt umsetze, dann werde ich vor Ort sein, denn als Beamter kann ich ein Sabbatjahr nehmen, um die Arbeiten zu unterstützen und schauen, dass alles nach Plan läuft.“

Und das Paar hat noch ein weiteres Projekt im Köcher, denn die Freundin des 34-Jährigen würde gerne nach dem Abschluss ihres Pädagogikstudiums ein Heim für verhaltensauffällige Kinder eröffnen, in dem viel mit Tieren gearbeitet und therapiert wird. Glücksgöttin Fortuna hat ihr Füllhorn bei Falko Schulze und dessen Partnerin offensichtlich über den richtigen Menschen ausgeschüttet.

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