Im Erdgeschoss des Schlosses Philippsruhe ist das Papiertheatermuseum für die Übergangszeit präsent. Foto: Dieter Kögel

Hanau

Hanauer Papiertheater wird 30 Jahre alt

Hanau. Das Hanauer Papiertheater und das Papiertheatermuseum im Schloss Philippsruhe werden im Januar 30 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern, aber in kleinerem Maßstab. Denn die Räume der Papiertheaterfreunde im Seitenflügel des Museums warten immer noch auf ihre Sanierung, und vor Ende 2021 werden sie wohl auch fertig sein.

Von Dieter KögelIm Jahr 2015 hat das Papiertheater schließen beziehungsweise umziehen müssen. Grund waren die umfänglichen Sanierungsarbeiten der benachbarten Decke über dem Weißen Saal. Der Vorhang der großen Guckkastenbühne im Raum mit den Stühlen für rund 25 Zuschauer schloss sich.

Aus zwei Jahren werden wohl sechs

Damals rechneten die Spieler um die zwei Hanauer Spielgruppen von Frank Buttler und Helmut Wurz, die das Papiertheater seit nunmehr fast drei Jahrzehnten bespielen und auch mit Gastauftritten das Programm im Papiertheater immer abwechslungsreich gehalten haben, mit rund zwei Jahren, die sie im Exil des Museums zu verbringen haben würden.

Aber die Schäden waren größer als erwartet, die Arbeiten zogen sich deshalb in die Länge. Immerhin blieben Papiertheater und Papiertheatermuseum in geschrumpfter Form im Museum präsent. Im Erdgeschoss ist ein Raum dem Papiertheater gewidmet, informiert in groben Zügen darüber, wie Mitte des 19. Jahrhunderts die Papierbögen mit Theaterfiguren zum Ausschneiden und die Guckkastenbühnen aus Pappe samt dazugehörigen Kulissen in die bürgerlichen Wohnzimmer Einzug gehalten haben.

Spielbetrieb findet weiter statt

Der Nachbau des „Buxton Opera House“, das Erbauer Ted Hawkins dem Papiertheatermuseum vermacht hat, wird dort ebenso als Beispiel für die Hingabe und Leidenschaft gezeigt, mit der die Papiertheaterfreunde ihrer Passion nachgehen, wie die selbst gebaute Bühne der Familie Rumpf-Engelhard aus Frankfurt. Die Vielfalt der Erscheinungsformen von Figuren und Bühnenbildern zwischen Märchen und Klassikern, wie sie einen Stock höher in den Vitrinen der Rotunde präsentiert worden war, ist da natürlich nicht möglich.

Auch der Spielbetrieb, der in einem kleinen Raum zwischen historischem Museum und Grimm'scher Märchenwelt stattfindet, wird in kleinerem Rahmen aufrecht erhalten. Nur 15 Plätze stehen dort zur Verfügung, es gibt nur Raum für eine variable Bühne. Lediglich vier der insgesamt elf Stücke aus dem Repertoire der Spielgruppe von Helmut Wurz lassen sich auf der kleinen Bühne wiedergeben, sagt Anne Garrecht vom Verein Forum Papiertheater. Eine Beschränkung, die den Spielgruppen zuweilen auch etwas Kopfzerbrechen macht, weil sie auf die Motivation drückt.

Früher bis zu zehn Vorführungen im Jahr

„Früher haben wir sehr vielmehr gespielt“, sagt Frank Buttler in Erinnerung an die Zeit vor 2015. Pro Jahr waren vier Spieltermine mit der Stadt Hanau vereinbart worden, doch die Mindestzahl an Aufführungen, „die haben wir immer getoppt“.

Bis zu zehn Papiertheatervorführungen habe es in den Spielzeiten zwischen Januar und Juli und September bis Dezember gegeben. Und egal, ob die „Sauerkrautprinzessin“ sich in Frankreich Respekt verschaffte, der kleine Häwwelmann nur „fahren, fahren“ will, Hänsel und Gretel auf Hessisch im kleinen Guckkasten plappern oder der Münchener im Himmel mit Hosianna Singen seinen Durst nicht löschen kann, ausverkauft sind die Vorstellungen immer im Voraus. Auch jetzt noch. Hanau ist und bleibt eben, auch wegen des Sitzes des 1992 gegründeten Vereins „Forum Papiertheater“, der national und international über rund 120 Mitglieder verfügt, das „Mekka des Papiertheaters“, sagt Anne Garrecht.

Gastspiele zur Geburtstagsfeier

Der 30. Geburtstag soll im April gefeiert werden. Vier Papiertheaterbühnen werden dann im Hanauer Museum zu Gast sein und Gastspiele geben. Und wenn dann im Jahr darauf das neue Papiertheatermuseum mit neuer Konzeption und das Papiertheater mit zeitgemäßer technischer Ausstattung zur Geltung kommt, dann rechnen die Hanauer Papiertheaterfreunde und die über den Verein mit ihnen vernetzten Kollegen mit einem neuen Schub für die Sache des Papiertheaters.

Frank Buttler hat ohnehin festgestellt: „Es belebt sich im Moment. Es wird wieder mehr“, was das Interesse am Papiertheater angeht. In den künftigen Räumen, für die derzeit Konzeptentwürfe entstehen und auf Fördermittel vom Bund gewartet wird, soll dann auf über 300 Quadratmetern noch intensiver über die Geschichte des Papiertheaters informiert werden. Und das wird „wirklich noch viel Arbeit“, so Buttler.

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