Die Proberäume im Parkhaus am Frankfurter Tor sind für die lokalen Musiker unentbehrlich. Hier können die Bands sich austauschen und musikalisch entfalten. Archivfoto: Paul

Hanau

Hanauer Musiker fordern mehr Auftrittsgelegenheiten

Hanau. Einen Monat lang hat der HANAUER ANZEIGER die Bands vorgestellt, die sich in die Proberäume im Parkhaus am Frankfurter Tor eingemietet haben. Dabei wurde klar, dass bei einer Zusammenarbeit von Veranstaltern und Musikern einiges möglich ist. Die Ergebnisse der Gespräche und Interviews haben wir hier zusammengefasst.

Von Patricia Reich

Zum einen ging es darum, die Musiker besser kennenzulernen, zum anderen wollten wir wissen, wie zufrieden sie mit der regionalen Musikszene und der Unterstützung von Seiten der Stadt sind.

Seit Ende der 80er Jahre können Bands Proberäume im Keller des Parkhauses mieten. Aktuell proben Heavy Metaller neben Jazzern, Punker neben Coverbands, Pegan- und Folkmetaller neben einem Songwriter-Pop-Rapper und Folk- und Country-Musiker neben 60er-Jahre-Rock-'n'-Rollern. Doch es ist nicht nur die musikalische Vielfalt, die den Reiz des „HUntergrunds“ ausmacht, sondern auch der Altersmix. Ein Neben- und Miteinander der Musiker, wie die Companions im Interview sagen, der sehr inspirierend sei.

Dankbarkeit und fehlende Auftrittsmöglichkeitenm Keller des Parkhauses können die Bands sich ausleben. Doch nur wenige Musiker proben gerne im „stillen Kämmerlein“ ohne Publikum. Und hier fängt die Kritik der meisten Bands an. Es fehle an Auftrittsmöglichkeiten in Hanau, meinen Reverend Schulzz, Roky Lugosi, Millers End und Jaccid. Alle Bands seien dankbar, dass es die Proberäume, den Bandwettbewerb „Hoffnungsträger“ und das „HUntergrundfestival“, auf dem sich die Parkhausbands präsentieren, gibt. Doch die Möglichkeiten für Live-Auftritte seien dünn.

Die Musiker von Millers End bemängeln, dass Veranstalter nur „Lokalmatadore“ buchen oder „Cover-Rumtata-Top-40-Bands“, wie Jaccid meint. Junge Musiker, die nicht allzu bekannt seien, hätten es schwer, auf der Bühne zu stehen, so Roky Lugosi. Denn kreativen Nachwuchs gebe es genug in Hanau, da sind sich viele Bands einig.

Nicht zu schwarz malenReverend Schulzz kann als ehemaliger Veranstalter die Gründe nachvollziehen, weshalb nur bekannte Live-Acts gebucht werden. „Meine Erfahrung ist, dass Kneipen und Clubs gerne Live-Acts anbieten würden, aber Angst haben, dass sie nicht genug Zuspruch von den Gästen erhalten.“ Viele Musiker vermissen die Schweinehalle und die Halle2, in denen auch unbekannten Bands eine Plattform geboten wurde.

Volker Stelzner von den Companions hält allerdings dagegen: „Wenn man sich die Angebote und Möglichkeiten heute anschaut, ist die Lage viel besser als noch vor zehn oder 15 Jahren.“ Er zählt Auftrittsmöglichkeiten wie das JuBiKuz Hans Böckler, die Library, das Bürger- und Lamboyfest, die Hafenkneipe, die Metzgerstraße, den Brückenkopf, den Jazzkeller und das Deins auf. „Es tut sich also an allen Ecken und Enden was“, meint Stelzner, der bei der Interessengemeinschaft „HanauRockt!“ aktiv ist, welche die Vielfalt der Hanauer Musikszene einem breiten Publikum zugänglich machen möchte.

„Hoffnungsträger“ und „HUntergrundfestival“Mit dieser Ansicht ist er auf der Seite von Thomas Boeuf, dem Leiter des Jugendbildungswerkes der Stadt Hanau und dem Verwalter der Proberäume. Boeuf verweist vor allem auf den Dreh- und Angelpunkt des Jugendbildungswerkes: den „Hoffnungsträger“. Bei dem Band-Contest besteht eine Altersbeschränkung bis 26 Jahre. So bekommen vor allem die jungen Nachwuchsmusiker eine Chance. „Das Ziel des Jugendbildungswerkes ist es, neue Bands zu fördern“, sagt Boeuf im Gespräch mit unserer Zeitung.

So ist auch die Idee für das „HUntergrundfestival“ entstanden. „Wir wollten die Bands aus dem Keller rausholen. Eigentlich könnten auf dem Festival auch mehr Bands auftreten. Kapazitäten hätten wir.“ Außerdem treten im Kulturzentrum (KUZ), auf dem Bürgerfest im KUZ-Zelt oder auf verschiedenen Bühnen auf dem Lamboyfest vorwiegend lokale Musiker auf.

Nicht meckern, sondern machenAuch in einem anderen Punkt sind sich Boeuf und Stelzner einig: „Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Mitarbeit der Bands selbst“, so Stelzner. Über die sozialen Kanäle müsse mobil gemacht und Auftritte beworben werden, damit auch das Publikum kommt. „Wer meckert, es sei nie was los, sollte sich auch an die eigene Nase fassen“, so Boeuf. „Hanau hat eine vergleichsweise große Dichte an Veranstaltungsorten und es gibt einen Auftrag für soziokulturelle Bildung, worunter zum Beispiel der Hoffnungsträger fällt, aber manche Bands sind auch etwas schluderig. Konzerte müssen in den sozialen Netzwerken beworben werden, man muss Leute ziehen und sich das Publikum eben erarbeiten.“

Lob für städtische UnterstützungZusammengefasst bringt Reverend Schulzz die Meinung vieler Bands auf den Punkt: „Ich glaube, dass die Unterstützung seitens städtischer Einrichtungen angemessen ist. Viel mehr kann man nicht machen, als jungen Bands Proberäume und ein paar Venues (Veranstaltungsorte, Anm. d. Red.) zur Verfügung zu stellen.“ Die Kritik bezüglich der wenigen Auftrittsmöglichkeiten, vor allem für junge Musiker, richten die Bands an alle lokalen Veranstalter.

Doch bleibt das Publikum aus, werden auch die Live-Auftritte in den Hanauer Veranstaltungsorten seltener beziehungsweise stehen dann nur solche Bands auf der Bühne, die ein Garant für ein „volles Haus“ sind. Veranstaltungsorte und Möglichkeiten sind also vorhanden. Wenn Veranstalter und Bands sich nicht ausruhen, sondern vielmehr genau dort ansetzen, wie Stelzner sagt, dann kann die Hanauer Musikszene weiter belebt werden.

Parkhaus ist ein Dreh- und Angelpunkt„Das Ganze ist immer noch ein zartes Pflänzchen und die Proberäume tragen viel zum Gedeihen bei.“ Worte von Stelzner, die jede Band offenbar unterschreiben würde. Denn in einer Sache sind sie sich alle einig: Das Parkhaus ist ein Dreh- und Angelpunkt der lokalen Musikszene. Ohne die Proberäume würde, wie Ira Tenax es überspitzt sagt, „die Musikszene sterben“.

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