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Hanauer Lasertag-Team WatchDogs fährt zur EM nach Helsinki

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Fünf Mitglieder der WatchDogs Hanau Lasertag e.V. werden in der finnischen Hauptstadt Helsinki von Ende Juli bis Anfang August im Team South Germany bei der Europameisterschaft in der Sportart Lasertag antreten. Foto: Seifert
Fünf Mitglieder der WatchDogs Hanau Lasertag e.V. werden in der finnischen Hauptstadt Helsinki von Ende Juli bis Anfang August im Team South Germany bei der Europameisterschaft in der Sportart Lasertag antreten. Foto: Seifert

Mit viel Selbstvertrauen, einer guten Portion Optimismus und großem Teamgeist fahren fünf Mitglieder der WatchDogs Hanau Lasertag nach Helsinki, wo die erste Europameisterschaft in dieser Sportart vom 30. Juli bis zum 4. August) ausgetragen wird. Ergänzt wird das Team South Germany von einem Spieler aus Nürnberg.

Von Thomas Seifert

„Aki“ Hanstein (Klein-Ostheim), David Mayer (Karlstein), Tobias Hartmann (Hanau), Tobias Telkemeier (Hanau/Aschaffenburg) und Christoph Götz (Hainstadt) wollen in der Endabrechnung bei der Kontinentalmeisterschaft in Finnland mit der Mannschaft South Germany einen Rang in der oberen Hälfte der 15 Teilnehmerteams belegen.

Über ein Ausscheidungsturnier hat sich noch der Nürnberger Stefan Schneider für die Mannschaft qualifiziert, die sich im hohen Norden gegen Nationen behaupten will, in denen dieser Sport schon 15 bis 20 Jahre betrieben wird. Die Hanauer stellen mit ihren fünf Mitglieder das größte Vereinskontingent der zwölfköpfigen deutschen Delegation. Kein Wunder, sind die WatchDogs doch Deutscher Meister 2017/2018.

In Deutschland ist Lasertag eine Randsportart, erst vor ein paar Jahren wurden die ersten Hallen eröffnet. 2014 fanden dann in der Hanauer Halle an der Willy-Brandt-Straße drei junge Männer zusammen und gründeten die WatchDogs, die seit 2016 ein eingetragener Verein mit derzeit 22 Mitgliedern sind, wobei nicht alle aktiv spielen. „Wir haben auch Fans als Mitglieder“, so „Aki“ Hanstein. Er ist der einzige in der Gruppe, der sein Geld als Geschäftsführer der Hanauer Halle mit Lasertag verdient, die anderen Teammitglieder haben bürgerliche Berufe wie Erzieher oder Mediengestalter oder studieren. Lasertag-Vereine sind in Deutschland noch sehr dünn gesät, in Frankfurt und Würzburg gibt es die nächsten eingetragenen Clubs.

Seit diesem Jahr sind verschiedene WatchDogs auch verstärkt auf internationaler Bühne unterwegs, traten bei Turnieren in Frankreich, Russland, Finnland, Spanien, Norwegen und Italien an, um Erfahrungen zu sammeln, die nun bei der Europameisterschaft in Punkte umgemünzt werden sollen. Dabei wartet auf das Team South Germany ein straffes Programm. Innerhalb der fünf Tage sind in den verschiedenen Mannschafts- und Einzeldisziplinen über 50 Spiele zu absolvieren, die jeweils zehn Minuten dauern und von 8 bis 22 Uhr über den Tag verteilt werden. „Das ist körperlich fordernd, vor allem aber muss man mental sehr stark sein, denn man steht zehn Minuten unter Hochspannung“, so David Mayer.

Die verstärkten WatchDogs erhoffen sich vor allem im Teamwettbewerb eine Platzierung im oberen Drittel der 15 Fünfer-Teams aus fünf teilnehmenden Nationen. Dabei treten die Mannschaften in zwei Kaskaden- und einem Leitersystem alle gegeneinander an, bis zum Schluss die drei besten Mannschaften die Podiumsplätze unter sich ausmachen. „Selbst wenn man in der Vorrunde noch nicht so gut eingespielt ist, kann man das in diesem System später wettmachen und in die Finalrunde einziehen“, betont Christopher Götz.

In jedem Spiel stehen sich drei Teams auf dem Spielfeld gegenüber. Die mehrere hundert Quadratmeter großen Hallen sind mit Hindernissen gespickt, teilweise wird auf zwei Ebenen gespielt. Ziel der zehnminütigen Runden ist es, die gegnerische Base zu erobern, die eigene Base vor Angriffen zu schützen und so viele Punkte wie möglich durch Tags, also Treffer mit der Laserpistole zu setzen. Und natürlich möglichst wenige Treffer abzubekommen.

Als Schiedsrichter, die unerlaubte Aktionen wie Körperkontakt oder Beschimpfungen des Gegners mit Punktabzügen ahnden können, fungieren Spieler von Mannschaften, die gerade nicht im Einsatz sind. Die Treffer werden von einem Computersystem automatisch registriert.

Die Trefferflächen in der schmalen Weste sind extrem klein, nach einem Treffer wird der Phaser, die Laserwaffe, für sieben Sekunden deaktiviert, man kann also selbst keine Treffer setzen. Pro Sekunde ist auch nur eine einzige Aktivierung des Lasers möglich. Um den Laserstrahl in der mit Schwarzlicht abgedunkelten Halle sichtbar zu machen, wird ein leichter Nebel mit einer herkömmlichen Nebelmaschine erzeugt. „Lasertag ist ein Teamsport, denn man muss sich blind auf seine Mitspieler verlassen können.

Schnelle Reaktionen, eine fixe Auffassungsgabe und hohe Konzentrationsfähigkeit sind bei diesem Sport gefordert“, weiß Hanstein. „Da man gleichzeitig gegen zwei andere Teams antritt, ist Flexibilität und der Wechsel der Taktik in Sekundenschnelle unabdingbar, wenn man vorne mitmischen will“, fügt Hartmann hinzu.Und es kann bei einem Spiel sehr laut werden, denn die Mitglieder aller beteiligten Teams verständigen sich permanent über die Positionen der Gegner, eigene geplante Aktionen und die der Konkurrenten.

Den Aktiven ist wichtig festzuhalten, dass es sich bei Lasertag um kein Kriegs- oder Gewaltspiel handelt. Im Gegensatz zu Paintball werden keine Kugeln verschossen, sondern ein völlig ungefährlicher Laser eingesetzt. „In der Hanauer Halle können Kinder ab sieben Jahre Lasertag spielen“, betonte Hanstein, „es schult die Teamfähigkeit, fordert Kooperation mit dem Teammitgliedern und ist auch körperlich anspruchsvoll. Anfänger sind nach 15 Minuten Spielzeit erst einmal geschafft“, beobachtet der Geschäftsführer jeden Tag.

Allerdings sei der Sport nicht billig, für ein 15-minütiges Spiel zahlt man zum Beispiel in Hanau sieben Euro, allerdings gibt es auch günstigere Spielzeiten und „All you can-Tag“. Die Ausrüstung wird auch bei der Euro vom Veranstalter gestellt, Lasertagsportler besitzen in der Regel keine eigene Ausrüstung. Es wird deshalb bei der Euro in Finnland ein Turnierbeitrag von 200 Euro pro Spieler verlangt.

Obwohl Lasertag in anderen europäischen Ländern schon länger gespielt wird, ist die Szene noch überschaubar. Man kennt sich inzwischen trifft sich bei Turnieren, es sind Freundschaften entstanden, man übernachtet im Ausland bei Gleichgesinnten.

Zum Zeitpunkt des Gesprächs in der Lasertaghalle Hanau waren gerade drei Mitglieder des australischen Teams auf dem Weg nach Helsinki bei „Aki“ Hanstein zu Gast: „Das ist ein wenig wie beim Eurovision Songcontest, wo auch nicht nur europäische Länder am Start sind.“

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