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Seit Montag dürfen Friseursalons wieder öffnen. Hygiene- und Abstandsregeln sind hier besonders wichtig.

Herausforderung für Friseure

Innungsobermeister Michael Dörr im Interview zur Wiedereröffnung der Friseursalons

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Zur Wiedereröffnung der Friseursalons haben wir mit dem Obermeister der Friseurinnung Hanau, Michael Dörr, gesprochen. Er ist Inhaber des Friseursalons „Hairline“ in Hanau.

Herr Dörr, die Friseursalons waren jetzt fünf Wochen geschlossen, für die meisten Friseure eine wirtschaftliche Katastrophe. Kann man schon sagen, ob die Salons diese Schließungszeit verkraften konnten?

Diese Frage ist sehr differenziert zu betrachten. Die Zusagen der Regierung sind, wie versprochen, schnell und recht unbürokratisch abgewickelt und ausgezahlt worden. Aber es war nur ein Tropfen auf dem berühmten heißen Stein. Unternehmen, die vor Corona gut gewirtschaftet haben, kamen über die ersten zwei bis drei Wochen der Schließung mit den Rücklagen über die Zeit. Es kam aber schon darauf an, wie schnell man die Gesamtkosten auf ein Minimum reduzieren konnte. Wer das innerhalb der fünften Woche nicht geregelt hat, bleibt auf dem Umsatzausfall sitzen. Das geht schnell in die fünf- oder sechsstelligen Bereiche. Kurz gesagt: Wer vor Corona in den Büchern keine verwendbaren Zahlen hatte, bekommt auch nach Corona keine Kredite. Die Prüfungen der Hausbanken bleiben die gleichen, was durchaus nachvollziehbar ist. Trotz der Zusagen der Regierung.

Unbeschwertheit hat sich verändert

Wie hat sich das Arbeiten nach der fünfwöchigen Schließung verändert?

Die Unbeschwertheit, die in Verbindung mit dem Beruf immer dabei war – Friseure sind kreative Menschen und haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Vom Moment des Eintretens in den Salon bis zum Verlassen werden Kunden und Mitarbeiter mit den verschärften Vorgaben der Berufsgenossenschaft und Länderbestimmungen konfrontiert. Die Bedingungen unter Masken zu arbeiten stehen dabei auf dem Prüfstand. Mir ist die Gesundheit meiner Mitarbeiter wichtig. Wie es sein wird, acht Stunden mit Maske zu arbeiten, können wir in einer Woche reflektieren.

Was ist neu, was ist anders?

Der ganze Ablauf ist durchgetaktet. Terminplanung und Öffnungszeiten müssen neu organisiert werden. Es wird pro Tag zirka zwei bis drei Stunden länger geöffnet sein. Arbeitszeitmodelle, die bei uns schon lange in der Schublade liegen, werden durch Corona nun vorzeitig eingeführt und auf Wirtschaftlichkeit geprüft. Kosmetik-Dienstleistungen wie Augenbrauen- und Wimpernfarbe bei Damen und Bart und Rasieren bei Herren dürfen nicht ausgeführt werden. Preise müssen neu kalkuliert werden, durch höhere Kosten bei der Salon-Hygiene, Umbauten und Anpassungen der Tarife werden die Preise angepasst werden müssen. Wir werden allerdings bei „Hairline“ gewährleisten, dass unsere Kunden individueller bedient werden. Mehr Zeit wird eingeplant und Termindruck soll vermieden werden.

War es schwierig, ausreichend Schutzausrüstung zu beschaffen?

Lieferanten, mit denen wir vor Corona schon zusammengearbeitet haben, haben versucht, bei der Beschaffung von Masken, Desinfektion und Einwegartikeln zu helfen. Jedoch haben wir schnell erkannt, dass viele Lieferanten nur ihren Profit gesucht haben. Ich persönlich muss ehrlich sagen, dass ich in Zukunft genauer darauf achten werde, bei wem ich bestellen werde. Die Partner, mit denen ich über Jahrzehnte zusammenarbeite, haben sich sehr kooperativ verhalten und faire Angebote gemacht.

Arbeiten mit Mund- und Nasen-Schutz ist eine Herausforderung

Ist das Arbeiten mit Maske praktikabel? 

Es ist für jeden eine Herausforderung. Ich habe den Mund- und Nasen-Schutz mal für eine halbe Stunde im Büro aufgelassen, habe telefoniert und bin Treppe gestiegen. Es war keine schöne Erfahrung. Und was ich noch genauer wissen möchte, ist, welche Risiken sich hinter dem Tragen der Masken für Mitarbeiter verbergen.

Welche besonderen Herausforderungen bringt diese neue Situation mit sich?

Es wird dauern, bis Mitarbeiter und Kunden sich an die neuen Arbeitszeiten gewöhnen. Ich bin aber sicher, dass es nach ein paar Wochen jedem gefallen wird, ein wechselnder Rhythmus, mal früh, mal spät, lässt auch bei der Freizeitgestaltung mehr zu. Auch für unsere Kunden bringt das Vorteile, sie können nach der Arbeit länger unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Ich glaube, gerade in den letzten fünf Wochen sind sich die Menschen der Bedeutung von einem gepflegten Aussehen und einer lebhaften Farbe im Haar bewusst geworden. Ich glaube, die Corona-Krise wird auch viel Positives bringen, zum Beispiel im Bereich Ausbildung, Lohn und Tarife und gegenseitiger Unterstützung, bei Dingen wie Buchhaltung, Werbung, Marketing oder Fortbildung.

Wie der erste Tag der Wiedereröffnung ablief, lesen Sie hier.

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