Auch mitten in einer Großdemonstration verliert Kai Pfaffenbach nicht seinen Humor.  Foto: Kai Pfaffenbach

Hanau/Hongkong

Der Hanauer Fotograf Kai Pfaffenbach war für Reuters in Hongkong

Hanau/Hongkong. Sieben Stunden am Tag hatte Kai Pfaffenbach eine Gasmaske auf. Anders wäre es für den Klein-Auheimer nicht auszuhalten gewesen in den mit Tränengas verseuchten Straßen Hongkongs.

Von Christian Dauber

„Ohne Maske geht nicht. Die Lektion habe ich bei den EZB-Demos in Frankfurt gelernt“, berichtet der Fotograf der weltweit tätigen Nachrichtenagentur Reuters beim Besuch in unserem Verlagshaus, einige seiner Motive digital im Gepäck.

Fast vier Wochen, vom 19. August bis 12. September, war Pfaffenbach mittendrin in den Massenprotesten. Insgesamt 700 seiner Motive seien in dieser Zeit über den Draht gegangen, in die Redaktionen dieser Welt. In der chinesischen Sonderverwaltungsregion wird seit Monaten gegen die dortige Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung in Peking demonstriert.

Körperlich sehr anstrengend

„Es war körperlich sehr anstrengend“, berichtet Pfaffenbach. Just an dem Tag, als der Flughafen besetzt wurde, sei er beispielsweise 28 Kilometer gelaufen. Außerdem sei es sehr heiß gewesen, ständig habe es geregnet. Deswegen habe er nur T-Shirt und kurze Hose getragen. „Da haben mich alle für verrückt erklärt, mich so unter die Protestierenden zu mischen.“

Aber so kennt man Pfaffenbach, der 48-Jährige lässt sich so leicht nicht beeindrucken. Auch nicht von der Gaskartusche, die nur wenige Meter mit hohem Tempo an seinem Kopf vorbeiflog. Immerhin hätte ihn im Fall der Fälle ein Helm geschützt.

„Lustig war, dass sich der Polizist entschuldigt hat“, erzählt der Klein-Auheimer. Auch die Demonstranten seien ihm und Journalisten allgemein gegenüber sehr respektvoll gewesen. „Ganz anders, als es in Europa oder Deutschland der Fall wäre.“

"Das sind eigentlich Kindergartendemos"

Überhaupt seien die Proteste vergleichsweise harmlos. „Das sind eigentlich Kindergartendemos“, sagt Pfaffenbach. Was er nicht despektierlich meint. Klar, auf Bildern oder im Fernsehen sehe es wild aus. Da brennt und qualmt es, ab und an fliegen Fäuste oder Schlagstöcke und Scheiben bersten.

Aber insgesamt sei das Level an Gewalt deutlich geringer. Von einer Million Menschen auf den Straßen übten 0,1 Prozent Gewalt aus. Auch sei das Vorgehen der Polizei in seinen Augen maßvoll. Viele Leute gingen vermummt auf die Straße.

„Hier würde eine solche Demo zerschlagen.“ In Hongkong gebe es nicht viele Verletzte. Fast surreal sei für ihn das Nebeneinander von Protest und Alltag gewesen. Da sei auf der einen Straße der Teufel los, und um die Ecke säßen die Leute in Pubs oder Restaurants. Generell sei Hongkong voller Gegensätze: Garküchen auf der einen Seite, Michelin-Restaurants und Roll's-Royce-Autos auf der anderen.

Der Fotograf berichtet über skurille Begebenheiten

Pfaffenbach, der in Klein-Auheim lebt, schildert einige skurrile Begebenheiten. Da war beispielsweise die Szene an einer roten Ampel, die ihn schmunzeln ließ. Auf einer Straßenseite hätte eine Gruppe Demonstranten gestanden, auf der anderen die Polizei – und beide warteten auf Grün.

Außerdem hat er beobachtet, dass die Hongkonger schlecht werfen können. „Wenn sie einen Backstein schmeißen wollen, machen sie den erstmal in vier kleine Stücke. Und auch dann fliegt er nicht besonders weit.“ Natürlich sei es trotzdem gefährlich, sich in die Menge zu begeben, aber man müsse sich nicht um sein Leben sorgen, erzählt Pfaffenbach.

Hongkonger verteidigen ihre Freiheit

Trotz der humorvollen Schilderungen weiß er um die Ernsthaftigkeit der Proteste für Hongkong. „Den Menschen geht es um ihre Freiheit. Sie tun es für ihre Kinder“, sagt er. Die Leuten seien stolz, Hongkonger zu sein.

Überhaupt hat Pfaffenbach stets eine Meinung zu den Dingen, über die er fotografisch berichtet. Das sei wichtig, betont er. „Ich habe mich auch mit den Leuten unterhalten.“ Auch wenn der Profi hinter der Linse einen anstrengenden Trip hinter sich hat: Ausruhen ist nicht. „Am kommenden Mittwoch fliege ich nach Doha zur Leichtathletik-WM.“ Dann werden Pfaffenbachs Bilder wieder um die Welt gehen.

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