Christiane Gref in ihrem „Schreibbüro“ im Souterrain des Kesselstädter Mehrfamilienhauses – hier vor ihrer Haustüre spielt auch der aktuelle Mystery-Thriller Abadeya. Foto: Pongratz

Hanau

Hanauer Autorin Christiane Gref über ihren Debüt-Thriller

Hanau. „Abadeya“, der aktuelle Mystery-Roman von Christiane Gref, spielt in der Gegenwart im beschaulichen Kesselstadt, das sich zu einem unheimlichen Ort verwandelt, an dem sich seltsame Dinge ereignen.

Von Ulrike Pongratz

Mit ihrem ersten „all of age book“ hat die Autorin, die vor allem für ihre historischen Romane bekannt ist, ein packendes Buch für Jugendliche und Erwachsene geschrieben.

Abadeya – diese so mystisch klingende Wortschöpfung ist eine Erfindung des ältesten Sohnes von Christiane Gref. „Als er anfing zu sprechen, sagte er immer mal wieder ‚Abadeya‘, immer mit gleicher Betonung. Ich habe immer verstanden, was er meinte, aber ‚Abadeya‘ blieb ein Geheimnis.“ Dieses Wort habe in ihr gearbeitet, so Gref, und weil sie nun mal ein neugieriger Mensch sei, habe sie diese Lücke selbst gefüllt und eine Geschichte daraus gemacht.

Der zwölfjährige Paul und seine Freunde verstricken sich in Grefs aktuellem Hanau-Thriller immer mehr in ein gefährliches Abenteuer, das die Jugendlichen alleine nicht mehr bewältigen können; doch zum Glück gibt es vernünftige und vertrauensvolle Erwachsene, die in der Lage sind, zu helfen. Zwei ganz unterschiedliche Charaktere, eine bodenständige, burschikose Elektrikerin und ihr Chef kümmern sich um die technische Komponente des Problems.

Die Helden der Geschichte aber sind die Jugendlichen, der Roman ist aus ihrer Perspektive geschrieben. An der Schwelle zwischen Kindheit und Jugend entdecken die Hauptfiguren ihre Welt neu, ihre Streifräume werden größer.

Die Helden der Geschichte sind Jugendliche

„Welchen Weg würde ich als Jugendliche gehen? Wo sind die Orte, an denen man sich verabredet?“, fragt sich die Autorin immer wieder. Hier will sie authentisch bleiben. Vor ihrer Haustüre in Kesselstadt kennt sich Gref bestens aus, hier ist sie tagtäglich mit ihren eigenen vier Kindern unterwegs.

Seit 1999 lebt die Autorin mit ihrer Familie in einem Mehrfamilienhaus in Kesselstadt. Im gemütlichen Wohnzimmer dominieren optisch die Gitarren. „Musik ist die große Leidenschaft meines Mannes“, erklärt Gref. „Zusammen mit Oliver Klösel und Mike Tallmadge gibt das Trio Wohnzimmerkonzerte. Und sie begleiten mich auch auf Lesungen.“ Noch kurz vor der Geburt ihres vierten Kindes hatte Gref aus ihrem Mystery-Debüt in der Hanauer Bar Whisky a go-go gelesen. „Schreiben ist für mich eine Energiequelle, es bedient meine kreative Seite,“ erklärt die ehemalige Betriebsrätin, die seit 1999 als Angestellte bei Heraeus im Vertriebsinnendienst arbeitet.

Ihr kleines Schreibbüro, das als Rückzugsort auch von den Kindern respektiert wird, liegt im Souterrain des Hauses. Hier arbeitet Gref, die sich im Vorstand der Autorengruppe Zwanzigzehn (agzz) engagiert, nicht nur an ihren Geschichten, sondern verfasst auch Rezensionen für Hörspiele. Schreiben ist für sie mehr als ein Hobby. „Wenn meine Neugierde an Menschen, an Ereignissen sich anfühlt wie ein Kribbeln, dann habe ich eine Geschichte, die geschrieben werden muss.“

In ihrem Debütroman „Das Meisterstück“ entfachte ein historischer Pokal ihre Fantasie, aber auch ihre Begeisterung, über die Gold- und Silberschmiede und ihr Kunsthandwerk zu recherchieren. „Jedem historischen Roman geht ein großer Rechercheblock voraus“, sagt Gref, „ich muss in die Epoche und ihre Ereignisse eintauchen.“

Erwachsenwerden mit all seinen Facetten

Mit großer Lust am Forschen und mit der Freude, aus den Recherchen spannende Geschichten zu erzählen, schreibt die 43-Jährige seit 2004 Kurzgeschichten, Novellen, vor allem aber historische Romane, unter anderem für den Gmeiner Verlag. „In der Epoche zwischen 1800 und 1900 fühle ich mich sehr wohl“, sagt Gref, „obwohl mich zum Beispiel die Verbrecherbiografie des Ludwig Tessnow an meine Grenze gebracht hat.“ Der Roman „Die Blutlüge“ handelt von einem höchst schizophrenen und gewalttätigen Schreiner, der auf seiner Wanderschaft grausame Morde begangen hat, ehe er gefasst werden konnte.

Bis die Autorin die Idee zu „Abadeya“ und ein schlüssiges Konzept gefunden hatte, musste sie andere Wege gehen. Geschrieben hat sie den Roman als „all age book“, ein Thriller für Jugendliche ab zwölf Jahren und erwachsene Leser. Thematisiert wird das Erwachsenwerden in all seinen Facetten, mit Höhen und Tiefen: Freundschaften werden auf die Probe gestellt, Konflikte müssen ausgehalten und gelöst werden, Toleranz und Verantwortung bekommen einen neuen Stellenwert. Mit der Hauptfigur Paul durchlebt der Leser auch den inneren Zwiespalt, den nagenden Zweifel, das Schwachsein, aber auch die Stärke, die Paul entwickelt.

„Ich bin von meiner Lektorin sehr gut beraten worden“, sagt die Autorin, „vor allem bei der Thematisierung negativer Aspekte, wie Lügen oder Menschen in Notsituationen. Hier hat sich für mich immer wieder die Frage gestellt, wie weit man gehen darf.“

Mit ihrem Debütroman im Genre Mystery-Thriller ist Christiane Gref eine hochspannende und packende Geschichte gelungen, die umso mehr Freude beim Lesen bereitet, wenn man die Orte der Handlung kennt.

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