José García (Mitte/ siebter von rechts, hinten) hat mit Kollegen in Dhaka eine Cricket-Mannschaft gegründet. Fotos: PM

Hanau

Hanauer in aller Welt: Globetrotter José García in Bangladesch

Bangladesch/Hanau. Auf den Straßen herrscht Chaos, für 20 Kilometer braucht man manchmal zwei Stunden: Bangladesch steht durch auf Platz acht der größten Staaten der Welt. Die Hauptstadt Dhaka ist eine der am schnellsten wachsenden Städte der Erde. Zu den Einwohnern der Megastadt gehört auch der gebürtige Hanauer José García.

Von Nicole Grziwa

Bevor José García im Juni 2016 aus beruflichen Gründen nach Dhaka zog, lebte er eine Zeit lang in Marokko und der Türkei. „Reisen gehört zu meinen liebsten Hobbys. Mein Ziel ist es, 100 Länder besucht zu haben“, erzählt José García. Im Moment kommt er auf 40 bis 45 Länder, die er bisher gesehen hat.

Aufgewachsen ist er in Groß‧auheim. In seiner Heimat war er Geschäftsführer in der deutschen Niederlassung eines spanischen Handelskonzerns. 2011 zog er nach Marokko, um dort mit einem Kollegen eine Niederlassung auf zu bauen. Zwei Jahre später wurde ihm die Stelle als Country Manager in der Türkei angeboten, die der reisefreudige Hanauer gerne angenommen hat.

Außergewöhnliche Natur„In beiden Ländern gibt es fantastische Orte und die Gastfreundlichkeit ist extrem auffällig“, so die Meinung Garcías. „Ich werde mit Sicherheit nochmal nach Marokko und in die Türkei reisen, da es dort noch einige Ecken zu erkunden gibt. Beide Länder bestechen mit einer außergewöhnlichen Natur.“

Im Kontrast zum Meer, der Wüste und dem Gebirge stünden die Märkte in den „Medinas“ (Altstadt). Sie seien oftmals sehr stressig und die Verkäufer, vor allem in Marokko, anstrengend. „Man muss natürlich flexibel sein und nicht erwarten, dass alles so ist wie in Deutschland.“

Immer wieder neue HerausforderungenDer Hanauer mit spanischen Wurzeln machte nicht nur Urlaub in diesen Ländern. Er lebte dort. Das bedeutet, dass es auch sprachliche Hürden zu überwinden galt: „In Marokko kam ich gut zurecht. In Tanger ist Spanisch noch sehr verbreitet und ansonsten kam ich mit Französisch weiter, wodurch ich aber kein Arabisch gelernt habe.“ Im beruflichen Leben komme man in der Türkei mit Englisch weiter.

Anders sei es im Alltag. „Ich fand leider keine Zeit dafür, Türkisch zu lernen, sodass es sich bei mir nur auf einige Wörter und Sätze beschränkt“, erklärt García. Im Juni 2016 wurde ihm dann die Stelle als Country Manager in Bangladesch angeboten. Wieder zog José García um. In dem jungen südasiatischen Land, das 1970 seine Unabhängigkeit erlangte, findet eine kontinuierliche Entwicklung statt. Die sei auch im beruflichen Leben spürbar und man stehe immer wieder vor neuen Herausforderungen, so García.

Geringer LebensstandardLaut Statistiken gehört Bangladesch zu den Ländern, in denen es sich am schlechtesten leben lässt. „Aber das ist relativ. Im Vergleich zu Europa ist hier alles anders, nicht nur Kultur und Gewohnheiten, sondern auch der Lebensstandard“, erzählt García. „Eine echte Mittelklasse gibt es nicht. Es herrscht eine Riesenkluft zwischen arm und reich, was auf den Straßen auch deutlich sichtbar ist.“

Dennoch hat José García Hoffnung: „Ich hoffe, dass eine Mittelklasse peu à peu kommt. Bangladesch legt eine schnelle Entwicklung an den Tag.“ Was die Stadt lebenswert macht, seien die Menschen. Auffällig sei die Dankbarkeit, wenn man den Einheimischen hilft, ihnen zuhört oder ihnen etwas beibringt. Auch in Dhaka gibt es viele Gebiete, die der Hanauer noch erkunden möchte.

Clubs und Hauspartys„Es gibt wenig Entertainment-Möglichkeiten“, sagt García über seine Freizeit in der Megastadt. Nach dem Attentat im Juli 2016 wurde die Freizeitgestaltung noch schwieriger. Viele Bars und Clubs wurden geschlossen und erst im Oktober wieder eröffnet. Die Sicherheitsvorkehrungen haben stark zugenommen.

Dennoch bietet die Stadt „Social Clubs“ an, wo Menschen Sport treiben können und ab und zu Partys stattfinden. „Die eingeschränkten Freizeitangebote haben den Vorteil, dass man leichter Leute kennen lernt“, so García. Zusammen mit seinen Freunden in Dhaka veranstaltet er auch mal Hauspartys: „Jeder bringt etwas mit. Allerdings ist es schwierig an Alkohol zu kommen, denn das gibt es nur in geringen Mengen und in offiziellen Lagern.“ Zusammen mit seinen Kollegen, hat José García auch ein Cricket-Team zusammengestellt.

Zwei HeimatländerAuch für die Zukunft kann sich der Großauheimer weitere Reisen vorstellen: „Ich habe das Gefühl, dass ich zwei Heimatländer habe: Deutschland als mein Geburtsland, wo ich noch sehr viele Freunde habe und Spanien als das Herkunftsland meiner Eltern. In Spanien fühle ich mich sehr heimisch und könnte mir vorstellen, dass ich in einigen Jahren dort leben werde. Bis dahin bin ich offen und möchte weitere Ziele in der Welt erkunden.“

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