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Hanau

Hanau zeigt Flagge gegen rechten Terror

6500 Menschen aus ganz Deutschland kamen am Samstag Nachmittag in die Hanauer Innenstadt, um ihre Solidarität mit den Angehörigen der Ermordeten des 19. Februar zu bekunden und gegen Rassismus und rechten Terror zu demonstrieren.

Von Monica Bielesch

Was haben ein junger Leipziger, eine kurdische Familie aus Mainz, ein 18-jähriger Frankfurter und eine Gruppe chilenischer Frauen gemeinsam? Sie alle kamen am Samstag in Hanau auf dem Freiheitsplatz zusammen, um ihre Solidarität mit den Angehörigen der Ermordeten vom 19. Februar zu demonstrieren und gegen Rassismus und rechtsextremen Terror ein Zeichen zu setzen.

6500 Menschen zeigen am Samstag ihre Solidarität mit den Opfern

Rund 6500 Menschen versammelten sich auf dem Freiheitsplatz, aufgerufen hatten der DGB und eine Vielzahl von Vereinen, unter anderem das Hanauer Initiativbündnis „Solidarität statt Spaltung“. Zwischen dem Forum und dem Busbahnhof wehten bunte Fahnen diverser politischer Gruppierungen neben vielen kurdischen Fahnen.

„Wir als Demokraten müssen zusammenstehen gegen rassistischen Terror“, sagt Elektra Giaccone, die mit ihrer Freundin Floriana Montalbano mit der S-Bahn aus Frankfurt angereist ist. „Wir sind über diese Tat entsetzt, aber wir haben keine Angst“, betont Montalbano. Beide kommen aus Sizilien, leben schon seit Jahrzehnten in Deutschland.

Bunter Querschnitt der Gesellschaft

Einige Meter weiter steht Nihal Bayram, sie ist mit ihrer ganzen Familie aus Mainz nach Hanau gekommen. Ihre sechsjährige Tochter steht neben ihr. „Wir wollen als Eltern, dass unsere Kinder in Sicherheit hier leben können“, sagt sie. Und sie wollen den trauernden Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme zeigen. Und das wollen viele Menschen an diesem Nachmittag.

Ein bunter Querschnitt der Gesellschaft findet darum den Weg auf den Freiheitsplatz. In der Menge stehen Jugendliche der kommunistisch-orientierten Jugendorganisation Young Struggle genauso wie der Generalsekretär der hessischen SPD, Christoph Degen, die Kreistagabgeordnete der Linken Emine Pektas, die Hanauer Grüne Anja Zeller und der Präsident der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Dr. Norbert Reihold mit seiner Familie.

„Alle Bürger von Hanau sind solidarisch mit den Opfern, die Menschen müssen jetzt alle zusammenhalten“, betont Emine Pektas, in Kurdistan geborene Hanauerin. Sie alle werden ganz still, als Newroz Duman auf der kleinen Bühne ins Mikrofon spricht. „Wir sind eine Gesellschaft der Vielen“, ruft sie, bevor die Namen der Ermordeten verlesen werden. Zuvor wurden unter den Angehörigen und Freunden die Fotos der Opfer verteilt. Später bilden sie die Spitze des Demonstrationszuges durch die Innenstadt.

"Wir sind eine Gesellschaft der Vielen"

Aus Leipzig ist Oskar Beulke nach Hanau gekommen. Er läuft in einem Trauermarsch vom Kurt-Schumacher-Platz am Heumarkt vorbei zum Freiheitsplatz. Am ersten Tatort vor der Midnight-Shisabar bleibt er betroffen stehen, kämpft mit den Tränen. „So eine Tat wäre vor fünf Jahren undenkbar gewesen“, sagt der junge Mann. Während auf dem Freiheitsplatz viele Redner sprechen, unter anderem Angehörige von Opfern der NSU-Opfern und ein Angehöriger der Hanauer Opfer, trauern Angehörige von Fathi S. am Heumarkt vor den Blumen und Kerzen auf dem Bürgersteig. Sie weinen und lamentieren. Drei junge Hanauer Mädchen sind gekommen, um ihre Anteilnahme zu zeigen. Sie sind 16 und 15 Jahre alt. Lilli und Eslem blicken fassungslos auf die Szenerie des Tatorts. Ihre Freundin Chaymaa sagt: „Wir wollen den Angehörigen beistehen.“

Später am Nachmittag zieht ein beeindruckender Demonstrationszug durch die Innenstadt, über die Nürnberger Straße, am Kurt-Blaum-Platz und am Kino vorbei wieder zurück zum Freiheitsplatz. Die 6500 Menschen haben gezeigt, dass die hiesige Gesellschaft so bunt ist wie das indianische Tuch, das eine Gruppe chilenischer Frauen vor sich herträgt. Und wie wichtig es ist, das jetzt gemeinsam zu demonstrieren.

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