28,50 Meter hoch ist der Schornstein des Pionierwerks Hanau, der vor einigen Tagen per Spezialtransport geliefert wurde. Foto: Stadtwerke
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28,50 Meter hoch ist der Schornstein des Pionierwerks Hanau, der vor einigen Tagen per Spezialtransport geliefert wurde.

Wohnquartier Pionierpark

Wärme aus dem Eisspeicher im Wohnquartier Pionierpark

Mit dem Wohnquartier Pionierpark, das auf dem Gelände der früheren US-amerikanischen Pioneer-Kaserne im Stadtteil Wolfgang entsteht und einmal bis zu 5000 Menschen beherbergen soll, will die Stadt Hanau in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe setzen.

  • In Hanau-Wolfgang entstet das Wohnquartier Pionierpark.
  • Hanau* will Strom und Nahwärme möglichst effizient und klimaschonend erzeugen.
  • Knapp 14 Millionen Euro werden in das Wohnquartier Pionierpark investiert.

Hanau-Wolfgang – Insbesondere auch im Hinblick auf eine klimaneutrale Energie- und Wärmeversorgung. Herzstück ist das Pionierwerk, die mächtige Energiezentrale am Eingang zum neuen Wohnquartier, deren Rohbau fertiggestellt ist.

Bauherr und künftiger Betreiber der Energiezentrale ist die Pionierwerk Hanau GmbH, ein gemeinsam von den Stadtwerken Hanau und dem Magdeburger Energiedienstleistungskonzern GETEC gegründetes Unternehmen, das im Auftrag der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Hessen-Hanau ein Gesamtkonzept für die Infrastruktur des neuen Wohngebiet entwickelt hat und dieses Schritt für Schritt umsetzt. Dazu zählen nicht nur die Versorgung mit Wärme und Strom, sondern auch der Breitbandausbau und die Entwicklung sogenannter Smart-Home-Lösungen.

Hanau-Wolfgang: Wohnquartier Pionierpark soll 5000 Menschen beherbergen

Tobias Giesbers ist neben Hanaus Stadtwerke-Chefin Martina Butz Geschäftsführer der Pionierwerk-Gesellschaft und zeichnet verantwortlich für den Bau der neuen Energiezentrale, die Strom und Nahwärme möglichst effizient und klimaschonend erzeugen soll. Ausgelegt ist das Projekt auf die Erzeugung von bis zu 14 000 Megawattstunden Nahwärme und 8 200 Megawattstunden Strom. Dazu kommen verschiedene Techniken zum Einsatz.

Neun Millionen Euro kostet das Pionierwerk. Die Energiezentrale des künftigen Pionierparks soll Ende des Jahres in Betrieb gehen. 

Herzstück der Anlage sind drei mächtige Blockheizkraftwerke, kombiniert mit zwei Spitzenlastkesseln, die aus der Verbrennung von zertifiziertem, CO2-neutralem Erdgas Strom und Wärme erzeugen. Kohlendioxidneutrales Erdgas bedeutet in diesem Fall, dass die Stadtwerke mit einem Teil des Erlöses aus dem Verkauf des Gases regionale und internationale Klimaschutzprojekte finanzieren, die das bei der Verbrennung von Erdgas freigesetzte Kohlendioxid kompensieren. Kombiniert werden die Blockheizkraftwerke mit einem 18 Meter hohen und 4,60 Meter im Durchmesser großen Pufferspeicher, in dem Wasser für die Wärmeversorgung des Wohngebiets auf 90 Grad Celsius aufgeheizt wird.

Wohnquartier Pionierpark in Hanau-Wolfgang bekommt klimaneutrale Energie- und Wärmeversorgung

Ein kleiner Teil des Wärmegrundbedarfs wird mittels der sogenannten Eisspeichertechnik erzeugt. Dazu wurde eine Art Zisterne mit einem Fassungsvermögen von 250 Kubikmetern sechs Meter tief in der Erde vergraben. Mit Hilfe von Wärmepumpen, die einen Teil ihres Energiebedarfs über zwei Solar-Luft-Kollektoren beziehen, die noch an der Außenfassade der Energiezentrale angebracht werden, wird dem im Eisspeicher gelagerten Wasser Wärme entzogen. Wobei der physikalische Effekt ausgenutzt wird, dass beim Übergang von Wasser zu Eis zusätzliche Wärme entsteht. Dieser Prozess wiederholt sich in einem immerwährenden Kreislauf. Geschäftsführer Giesbers geht davon aus, dass mit dieser Technik bis zu 10 Prozent des Grundbedarfs an Wärme erzeugt werden können.

Die Nahwärme wird über ein zwölf Kilometer langes Netz an Leitungen im gesamten Pionierpark verteilt. Für Bewohner und Gewerbetreibende des Stadtquartiers besteht ein Anschluss- und Benutzungszwang ans Nahwärmenetz. Die ersten Leitungen im Bereich Triangel sind bereits verlegt.

Wohnquartier Pionierpark in Hanau-Wolfgang: Mobiles Heizwerk für erste Bewohner

Allerdings werden die ersten Bewohner, die in den kommenden Wochen und Monaten ihre Eigentumswohnungen in den sanierten ehemaligen Kasernengebäuden beziehen, zunächst noch durch ein mobiles Heizwerk mit Wärme versorgt, da der Einbau der drei großen Blockheizkraftwerke und der Spitzenlastkessel ins Pionierwerk erst im September folgen kann.

Tobias Giesbers

Besondere Herausforderung bei der Planung des Pionierwerks* war die Erstellung eines Schallschutzkonzepts für die gesamte Anlage. Denn schließlich soll man außerhalb der Energiezentrale in direkter Nachbarschaft zur Wohnbebauung vom Betrieb der mächtigen Generatoren nichts mitbekommen.

Bereits fertiggestellt ist der Mediaraum der neuen Energiezentrale, von dem künftig das Glasfasernetz in dem Wohngebiet gespeist wird. „Wir verlegen Glasfaser faktisch bis in jede Wohnung, so dass höchste Übertragungsraten möglich sind,“ verspricht Geschäftsführer Tobias Giesbers.

Er geht davon aus, dass das Pionierwerk „Ende des Jahres“ nach etwas mehr als einjähriger Bauzeit in Vollbetrieb gehen kann. Allein neun Millionen Euro investiere die Pionierwerk-GmbH in den Bau der Energiezentrale. Die Gesamtinvestition des Unternehmens in den Pionierpark belaufe sich auf 14 Millionen Euro.

Wohnquartier Pionierpark in Hanau-Wolfgang: Pionierwerk soll „Ende des Jahres“ kommen

Zudem entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zur neuen Energiezentrale eine E-Mobilitätsstation mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Angeboten wie Carsharing oder Elektrofahrrad-Verleih. Ursprünglich sollte auch die Mobilitätsstation von der Pionierwerk-Gesellschaft betrieben werden. Doch daraus hat sich das Unternehmen zurückgezogen. Das Projekt liegt wieder in der Verantwortung der LEG Hessen-Hanau, die die E-Mobilitätsstation an einen Betreiber verpachten will.

Darüber sei man in vertiefenden Gesprächen, heißt es von Seiten der LEG. Vom hessischen Wirtschaftsministerium liege eine mündliche Förderzusage für das innovative Mobilitätskonzept vor. Dieses sieht unter anderem den flächendeckenden Ausbau einer Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge mit bis zu 800 Ladepunkten vor. Ebenso die Bereitstellung von Sharing-Angeboten mit E-Autos, E-Fahrrädern und E-Lastenrädern für Bewohner und Gäste des Quartiers, die mittels einer Quartier-App gebucht werden können, sowie eine intelligente Verknüpfung mit dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr.

VON DIRK IDING

*op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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