Blutspenden können Leben retten: Doch die Zahl der Blutspender ist seit Jahren rückläufig.
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Blutspenden können Leben retten: Doch die Zahl der Blutspender ist seit Jahren rückläufig.

Blutspenden

Vorrat reicht für maximal zwei Tage: Drastischer Rückgang bei Blutkonserven und Zahl der Spender

  • vonReinhold Schlitt
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Blutspenden können Leben retten. Doch was, wenn immer weniger Menschen Blut spenden? Ein Hilferuf des hessischen Sozialministeriums ließ in dieser Woche aufhorchen: Nachdem es hessenweit bereits im Mai einen Engpass an Blutkonserven gegeben hat, ist die Lage nun erneut angespannt. Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hat über den Tagesbedarf hinaus kaum noch Reserven.

Hanau - „Wir leben von der Hand in den Mund“, heißt es. In „normalen“ Zeiten reichen die Vorräte für etwa vier Tage, derzeit aber nur für eineinhalb bis maximal zwei Tage.

Immerhin: Die Krankenhäuser können ihren unmittelbaren Bedarf an Blutkonserven noch decken – trotz der angespannten Situation. Das gilt auch für die beiden Hanauer Kliniken. Eine Sprecherin des städtischen Klinikums sagte dem HA: „Bei uns gibt es derzeit keine Probleme bei der Beschaffung von Blutkonserven. Allenfalls bei Konserven mit seltenen Blutgruppen ist es hin und wieder etwas schwieriger. Aber auch hier hat es bisher keine wirklichen Probleme gegeben.“ Auch das katholische St.-Vinzenz-Krankenhaus bestätigte auf Nachfrage, dass es dort zurzeit keine Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Blutkonserven gibt.

Bereitschaft Blut zu spenden sei in Hanau wegen Corona zurückgegangen

Bei der Bereitschaft, Blut zu spenden, sieht das hingegen anders aus. Stefan Betz, der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Hanau, sieht die zurückgehenden Spenderzahlen aktuell auch unter dem Aspekt der Coronavirus-Pandemie: „Wir hören immer wieder, dass Menschen wegen der Corona-Pandemie den Weg zu einem Blutspendetermin scheuen. Obwohl das völlig unbegründet ist, denn die Sicherheit steht beim Blutspenden an oberster Stelle.“

Das bestätigt auch Eberhard Weck vom zuständigen DRK-Blutspendedienst in Frankfurt: „Bisher hat sich hier beim Blutspenden noch niemand infiziert. Jede Spenderin und jeder Spender wird zu den ohnehin üblichen Befragungen durch Mediziner einer zusätzlichen Überprüfung unterzogen, mit der wir auch infektionsbedingte Risiken im Vorfeld ausschließen. Und über die sowieso vorgeschriebene Maskenpflicht hinaus ist sichergestellt, dass es keinen Andrang an den Blutspende-Orten gibt. Die Spender müssen entweder über unsere Hotline 0800 1194911 oder im Internet zuvor einen Termin vereinbaren.“ Um ihnen dieses Prozedere so leicht wie möglich zu gestalten, sind die im Internet hinterlegten Blutspendetermine unmittelbar mit einem Button verknüpft, der mit wenigen Klicks zur Terminreservierung führt. Zusätzlich können Blutspende-Interessenten bereits auf der Homepage mit einem anonymisierten Frage-Antwort-System selbst einschätzen, ob sie für eine Blutspende zugelassen werden können – auch wenn eine solche Selbsteinschätzung das ärztliche Gespräch nicht ersetzt.

Hanau: Spender werden vor Ort von einem Arzt befragt

So geht es bei der Befragung durch einen Arzt vor Ort tagesaktuell auch darum, ob ein potenzieller Spender in den letzten zwei Wochen aus einem aktuellen Coronavirus-Risikogebiet zurückgekehrt ist und seine Spende deswegen zurückgestellt werden muss. Dieses Thema spielte besonders in der Ferien- und Nachferienzeit eine Rolle, wie die Schlagzeilen der letzten Wochen zeigen. Auch wer Kontakt zu einer auf SARS-Cov-2 positiv getesteten Person hatte, darf zwei Wochen nach einem solchen Kontakt kein Blut spenden. Diese und weitere Beschränkungen sind nach Angaben des Blutspendedienstes absolut notwendig und finden bei den meisten Spendern durchaus Zustimmung.

Indes – der Abwärtstrend beim Blutspenden ist über die aktuelle Situation hinaus schon seit Jahren zu beobachten. Gab es deutschlandweit nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts im Jahr 2011 noch 95 Spender je 1000 Einwohner, so waren es 2019 nur noch 79. Einer der Gründe: Immer mehr langjährige und treue Spender erreichen die vorgeschriebene Altersgrenze für eine Blutspende und kommen deswegen nicht mehr als Spender infrage. Erstspender dürfen hingegen, von Ausnahmen abgesehen, maximal 65 Jahre alt sein.

Nicht nur bundesweit: Auch Spenderzahlen in Hanau und Main-Kinzig-Kreis sind rückläufig

Was bundesweit zu beobachten ist, zeigt sich auch im Main-Kinzig-Kreis, denn die Entwicklung der Spenderzahl ist hier ebenfalls rückläufig. Im gesamten Kreisgebiet gab es 2009 insgesamt 22 795 Blutspender, doch zehn Jahre später waren es nur noch 17 625. Auch die Zahl der Erstspender geht zurück. Sie lag 2009 bei 2005 und betrug 2019 noch 1245. Wegen der gesunkenen Zahlen sank auch das Angebot an Spendeterminen im Kreisgebiet, wenn auch nur leicht. Dazu beigetragen hat der Rückgang der sogenannten „Firmentermine“. Gerade in Hanau konnte der Blutspendedienst in früheren Jahren auf die Unterstützung großer Firmen setzen. Dort wurden mehrmals im Jahr Blutspendetermine angeboten, an denen jeweils bis zu 200 Beschäftigte teilgenommen hatten. Diese Möglichkeit ist nach Angaben von Eberhard Weck, Abteilungsleiter beim DRK-Blutspendedienst, weitgehend weggebrochen, weil die Betriebe sich umstrukturiert haben und in ihrer alten Form nicht mehr existieren, wie etwa der Schwab-Versand. Und dort, wo es noch eine Zusammenarbeit mit Firmen gibt, ist diese aktuell wegen der Coronavirus-Pandemie ausgesetzt worden. Alle Bemühungen konzentrieren sich deswegen auf die öffentlichen Blutspendetermine.

Hanaus DRK-Kreisverbands-Geschäftsführer Stefan Betz: „Ich schließe mich den vielen Appellen an gesunde Menschen an, Blut zu spenden. Der persönliche Aufwand dafür ist vergleichsweise gering, der Nutzen für Patienten, die schwer erkrankt oder als Unfallopfer in den Kliniken versorgt werden müssen, ist jedoch enorm.“

Nach DRK-Angaben benötigt die Mehrzahl der Deutschen einmal im Leben eine Blutspende.

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