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Viele versuchen ihr Glück bei Auktion oder Gebrauchtmarkt

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Die Ansprüche sind kleiner geworden: Weil Neu-Fahrräder zum Teil nur schwer zu bekommen sind, hofften viele auf etwas Passendes im Gebrauchtrad-Segment.
Die Ansprüche sind kleiner geworden: Weil Neu-Fahrräder zum Teil nur schwer zu bekommen sind, hofften viele auf etwas Passendes im Gebrauchtrad-Segment. © Michael Prochnow

Jetzt sind die Hanauer schon auf den Zug der Zeit aufgesprungen und wollen sich auf zwei Rädern fortbewegen, da gibt es keine Drahtesel mehr! Zumindest sind viele Artikel einfach nicht lieferbar, muss Kristin Holzhausen von der Firma Velozeit viele Interessierte enttäuschen. Am Samstag weichen manche Kaufwillige auf dem Freiheitsplatz auf den Gebrauchträder-Markt aus. Oder versuchen, bei der Versteigerung ein Schnäppchen zu machen.

Hanau – Tatsächlich preist Britta Hoffmann-Mumme eine ganze Reihe gut erhaltener Mountainbikes, Stadt- und Kinderräder an. 76 Exemplare haben sich seit der letzten Auktion vor drei Jahren angesammelt, erklärt Jörg Teffner. Der Abteilungsleiter aus dem Ordnungsamt kann keinen Einfluss der Pandemie auf verlorene, vergessene oder geklaute Drahtesel erkennen. Sie müssen mindestens ein halbes Jahr in den städtischen Katakomben ausharren, ob sie von ihrem rechtmäßigen Besitzer oder der Besitzerin abgeholt werden. Meldet sich niemand, kommen sie unter den Hammer.

66 Fundstücke werden versteigert

Die hat das dreiköpfige Team aus dem Rathaus am Samstag mit dem ersten Fahrradmarkt der Hanauer Marketing GmbH (HMG) zusammengelegt. Hoffmann-Mumme bringt immerhin 66 Fundstücke an den Mann und die Frau. Eine Dame aus Großauheim schlägt bei einem Dutzend zu, reparaturbedürftige Räder für zehn, zwölf Euro.

Die werde sie mit Freunden auf Vordermann bringen und in Frankfurt weiterverkaufen, wo sich mit den aufgemöbelten, emissionsfreien Fortbewegungsmitteln noch ein paar Euro verdienen ließen, unterrichtet sie. Allein, wie sich die Fahrzeuge per Linienbus abtransportieren lassen, ist der Bastlerin und ihren Helfern nicht klar.

Auktionatorin Hoffmann-Mumme preist schon das nächste Prachtstück an. Die Gabelfederung sei ein bisschen stramm, Beleuchtung nicht vorhanden, die Bremsen funktionieren nicht, zur Ausstattung gehöre jedoch ein Getränkehalter. Ist der Schlauch platt oder fehlt der Sattel, erlaubt sie schon mal zehn Euro als erstes Gebot. Voll ausgestattete und funktionstüchtige Geländeräder bringen 235 und 245 Euro, den Spitzenpreis von 410 Euro erzielt ein nagelneues Modell.

Lieferkrise: Händler in Hanau können nur verkaufen, „was da ist“

Eigentlich wollte das Quartett auf und vor der Bühne drei Durchgänge starten. Die Dame am Mikrofon entscheidet jedoch, durchzumachen, wirbt mehr als fünf Stunden am Stück für herrenlose Fundsachen. Damit ihre fahrbaren Untersätze nicht in dieser Abteilung landen, lassen 52 Pedalritter ihr Eigentum am Stand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) codieren. Die alphanumerische Kombination weist auf Namen und Adresse von Inhaberin oder Inhaber hin und sei mit neuer Technik viel schneller aufzutragen, erklärt Gerald Klatt von der Ortsgruppe Mühlheim.

„Nur was da ist“, können sie verkaufen, betont Kristin Holzhausen vom Fachgeschäft Velozeit Hanau. Vor allem beim Zubehör gebe es Lieferengpässe, übernimmt Kollege Peter Sönning. Er sieht gar „das Ende des Kapitalismus“ eingeläutet: Hersteller von Bremsen und Schaltanlagen wurden von Japan nach China, dann nach Kambodscha und Vietnam verkauft. „Ursprünglich wurden die Teile einmal in Schweinfurt produziert“, informiert der Experte.

Viele Elemente seien zudem sehr speziell, eine Konstruktion passe allein zu einem konkreten Modell, und Lagerstätten seien nicht mehr vorgesehen. „Corona ist da nur eine Ausrede“, versichert Sönning. Akkus für E-Bikes wie für Autos zum Beispiel werden weltweit nur von zwei Herstellern gefertigt. Vorbildlich agiere eine Firma aus Mühltal bei Darmstadt, „die haben die Zeichen der Zeit erkannt und stellen viele Teile selbst her“.

Je nach Marke und Ausfertigung müssen die Händler ihre Kundschaft auf August 2023 vertrösten, andere auf 2024. Und diese Situation ändere sich nicht mehr, es sei ratsam, darauf zu achten, dass Verbrauchsmaterial für das begehrte Rad im Inland hergestellt wird. Hits an dem Stand vorm Forum sind neben E- und Urban-Bike eine ultraleichte Version mit Holzrahmen und die Cargo-Modelle mit viel Stauraum.

Von Michael Prochnow

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