Die mutmaßliche Unfallstelle an der B45 in Höhe der Anschlussstelle Steinheim (Hanau).
+
Das Bild zeigt die mutmaßliche Unfallstelle an der B45 in Höhe der Anschlussstelle Steinheim (Hanau). Hier im Gebüsch wurde der 19-Jährige tot in seinem demolierten Wagen gefunden.

Ermittlungen bei Hanau laufen

War zehn Wochen vermisst: Rätsel um toten 19-Jährigen im Autowrack - Staatsanwaltschaft hat neue Informationen

  • Jutta Degen-Peters
    vonJutta Degen-Peters
    schließen

Zehn Wochen wurde ein junger Mann aus Schaafheim vermisst. Jetzt herrscht traurige Gewissheit. Der 19-Jährige ist tot. Die Umstände seines Todes sind allerdings rätselhaft.

  • Ein 19-Jähriger aus Schaafheim war zehn Wochen vermisst.
  • Dann wurde er tot in Steinheim (Hanau) gefunden.
  • Es bleiben viele Fragen offen.

Update 7. August 2020, 12:36 Uhr: Wie Staatsanwältin Lisa Pohlmann auf Anfrage des HANAUER ANZEIGER berichtet, handelt es sich bei dem tot in Steinheim aufgefundenen jungen Mann tatsächlich um den vermissten Schaafheimer. Die Staatsanwaltschaft Hanau hatte eine Obduktion sowie einen DNS-Abgleich in Auftrag gegeben, um sowohl die Identität als auch die Todesursache zu ermitteln. Wie der 19-Jährige gestorben ist, könne noch nicht gesagt werden. Der junge Mann war seit 19. Mai vermisst worden. Angehörige hatten den 19-Jährigen und das Auto in einem an die Straße angrenzenden Waldstück bei Steinheim gefunden. Offenbar lag er seit mehreren Wochen tot in dem Fahrzeug.

Erstmeldung 30.Juli 2020, 13.26 Uhr: Hanau – Der Albtraum für die Schaafheimer Familie, die ihren 19-jährigen Sohn vermisste, begann vor zehn Wochen. Zehn Wochen, in denen die Eltern und die Schwester nicht wussten, was mit dem jungen Mann geschehen war. Ob er verunglückt war, im Straßengraben lag und Hilfe brauchte, sich vielleicht nicht mehr melden konnte. Vergangenen Freitag wurde der 19-Jährige gefunden – tot in seinem Auto in einem an die Straße angrenzenden Waldstück in Steinheim. Doch die Frage, was dem jungen Mann widerfahren ist, bleibt offen.

Seine Eltern und die Schwester, die Woche um Woche nach dem Sohn und Bruder gesucht hatten, fanden den jungen Mann. Sie konnten nicht untätig wartend zu Hause sitzen, während die durch eine Vermisstenmeldung alarmierte Polizei ermittelte. Das Auto war an der Anschlussstelle Steinheim der B45 vom Lämmerspieler Weg abgekommen und so tief ins Gebüsch und das angrenzende Wäldchen eingetaucht, dass es von der Straße aus nicht gesehen werden konnte.

Toter 19-Jähriger: Vater des Vermissten ruft in der Hanauer Redaktion an

Als wir am Montag am Telefon kurz mit dem Vater sprechen, der sich vergangene Woche hilfesuchend an unsere Redaktion gewandet hatte, will er eigentlich nicht über das Unglück reden. Dann äußert er sich doch und berichtet zögernd und mit leiser Stimme, dass viele Beteiligte mitgeholfen haben, seinen Sohn zu suchen. Freunde, Bekannte, Verwandte und Kollegen hatten die Eltern und die Schwester dabei unterstützt, einen Straßenzug nach dem anderen in Steinheim, Klein-Auheim und Umgebung abzufahren und nach dem Vermissten Ausschau zu halten. Sie hätten das nicht getan, weil sie Zweifel an der Arbeit der Polizei gehabt hätten. Sie hätten es einfach nicht zu Hause ausgehalten, „man versucht als Familie alles“, schildert der Vater die Situation.

„Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen“, sagt er und spricht davon, dass die Polizei ganz andere Möglichkeiten hatte als die Familie. Die ermittelnden Beamten suchten aufgrund der Vermisstenmeldung den Main ab, auch ein Hubschrauber war im Einsatz und überflog auch das Gebiet, in dem der Vermisste später gefunden wurde – allerdings ohne Erfolg. „Aus der Luft war der verunglückte Wagen nicht zu erkennen“, erklärte gestern auf Anfrage ein Sprecher der Polizeidirektion Südhessen. Und er sagt: „Die Suche wurde nie aufgegeben.“ Immer wieder habe man per Rundfunkmeldung die Autofahrer aufgefordert, die Augen offenzuhalten – auch und gerade jetzt in der Reisezeit.

Hinweis auf Facebook half den vermissten 19-Jährigen in Hanau zu finden

Ein Facebook-Hinweis führte schließlich zu dem Ort am Lämmerspieler Weg, an dem das Auto des Sohnes in einem Wäldchen verborgen lag: „Die Meldung kam zu uns“, erinnert sich der Vater.

Wenige Tage zuvor hatte er zum Telefon gegriffen und bei uns in der Redaktion angerufen. Er hatte die Lage seiner Familie geschildert und darum gebeten, eine Suchmeldung zu veröffentlichen.

Etwa zeitgleich hatte die Polizei den Fund einer männlichen Wasserleiche vermeldet. Die Vermutung lag nahe, dass es sich um den seit Wochen vermissten Schaafheimer handelte, weshalb unsere Zeitung vorerst davon absah, die Suchmeldung zu veröffentlichen. Als am Freitag die Identität des Toten aus der Kinzig feststand, wurde auch das Autowrack mit dem Leichnam des Gesuchten gefunden.

Hanau: Letzter Kontakt mit dem vermissten 19-Jährigen war am 19. Mai

Der junge Mann hatte sich am Nachmittag des 19. Mai über sein Handy noch bei seinem Vater gemeldet. Die Verbindung war allerdings mitten im Gespräch abgebrochen. Danach hatte Funkstille geherrscht. Weder hatte sich der Schaafheimer noch einmal gemeldet, noch war er selbst zu erreichen gewesen. Am Tag des Telefonats hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) die Familie davon in Kenntnis gesetzt, dass der 19-Jährige nicht zum Vorbereitungskurs für seine Abschlussprüfung gekommen war. Diese Prüfung zum kaufmännischen Angestellten hätte am Folgetag stattfinden sollen. Wenig später ortete die Polizei das Handy im Raum Steinheim, allerdings nicht am späteren Fundort. Entweder hat der Auszubildende sein Handy nach dem Gespräch abgeschaltet oder der Akku war leer.

Dies ist eine von vielen Fragen, die offen bleiben. Denn das Schicksal der Familie und die tragischen Umstände, die letztlich zum Auffinden des Toten geführt haben, beschäftigen im Raum Hanau viele.

Wieso hat an der Unglücksstelle, einem der Zubringen von der B 45 zum Lämmerspieler Weg, wochenlang kein Autofahrer etwas bemerkt? Das Fahrzeug selbst war zwar von der Straße aus nicht zu erkennen. Aber wieso fielen niemandem die Spuren auf der nicht durch eine Leitplanke von der Straße abgetrennten Wiese auf? Das taten sie offenbar letztlich doch, sonst wäre der Hinweis über Facebook womöglich nicht erfolgt.

Vermisster 19-Jähriger: Ursachen für das Unglück in Hanau sind noch unklar

Weshalb der junge Mann verunglückt ist, steht noch nicht fest. Das Bild vom Unfallort und den Spuren in der Wiese führt den Laien zu der Frage, ob der Verunglückte vielleicht von der B45 kommend zu schnell auf die Lämmerspieler Weg eingebogen sein könnte und deshalb von der Fahrbahn abgekommen ist.

Im Zuge ihrer Ermittlungen hat die zuständige Staatsanwaltschaft Hanau zum Unfallhergang ein Gutachten in Auftrag gegeben. Auch sollen die Ergebnisse einer Obduktion Aufschlüsse geben. Während die Staatsanwaltschaft ein mögliches Fremdverschulden noch nicht ausschließen will, erklärte gestern der Sprecher der Polizeidirektion Südhessen etwas anderes. Dort schließt man ein Fremdverschulden aus, weil weder Spuren am Fahrzeug festgestellt worden, noch Spuren auf der Fahrbahn erkennbar gewesen seien.

Ob die Ergebnisse dieser Untersuchungen die Fragen der Angehörigen beantworten werden, steht in den Sternen. Bleibt zu hoffen, dass die Gewissheit ihnen hilft, ihre Trauer besser zu bewältigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema