Die Turngemeinde Hanau will mit ihrem Verzicht auf Unterstützung aus dem Corona-Hilfspaket anderen Vereinen der Stadt helfen, sagt TGH-Präsident Rüdiger Arlt. Das Bild wurde im März dieses Jahres aufgenommen. 
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Die Turngemeinde Hanau will mit ihrem Verzicht auf Unterstützung aus dem Corona-Hilfspaket anderen Vereinen der Stadt helfen, sagt TGH-Präsident Rüdiger Arlt. Das Bild wurde im März dieses Jahres aufgenommen.

TG Hanau

Verein lässt anderen den Vortritt: Warum die TG Hanau auf Geld aus dem Corona-Hilfspaket verzichtet

  • David Scheck
    vonDavid Scheck
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Mit 1,5 Millionen Euro aus ihrem Corona-Hilfspaket greift die Stadt Hanau neben Beratungsstellen und sozialen Einrichtungen auch den Vereinen finanziell unter die Arme. Diesen Anspruch hätte eigentlich auch die Turngemeinde Hanau (TGH) gehabt. Doch der Vorstand verkündete stattdessen auf der Delegiertenversammlung, die kürzlich stattgefunden hat, die städtische Unterstützung nicht in Anspruch zu nehmen.

Hanau –Das brachte dem Verein unter anderem ein Dankesschreiben von Oberbürgermeister Claus Kaminsky ein. Wir haben mit dem TGH-Präsidenten Rüdiger Arlt darüber gesprochen, warum sein Verein auf die Corona-Hilfen verzichtet.

„Es ging darum, anderen Vereinen zu helfen“, erläutert Arlt am Telefon. Von diesen hätten viele finanzielle Einbußen dadurch, dass monatelang kein Sportbetrieb (mit eventuellen Ticketeinnahmen) und vor allem keine Veranstaltungen stattfanden. Gerade kleinere Vereine, auch im Sportbereich, sind regelmäßig bei beliebten, jährlichen Events wie beispielsweise dem Hanauer Bürgerfest mit einem Verkaufsstand präsent. „Wir wissen, dass die kleinen Vereine davon leben“, so Arlt.

Erlöse aus solchen Festen fehlen zwar auch der TGH. Allerdings gebe es kein großes Minus bei den Zuschauereinnahmen, so Arlt, da die Turngemeinde Sportarten anbiete, bei denen man als Verein ohnehin keine nennenswerten Eintrittspreise aufrufen könne.

TG Hanau hat nicht nur auf Geld aus Hanauer Corona-Paket verzichtet

Die TGH finanziere sich in erster Linie aus den Mitgliedsbeiträgen. Diese sind beachtlich: Erwachsene zahlen 13 Euro monatlich, Jugendliche bis 18 Jahre sowie Schüler und Studenten 9,70, Familien 29 Euro monatlich. Hinzu kommen Zusatzbeiträge für die einzelnen Sportarten von bis zu 14 Euro (für Familien) monatlich.

Darüber hinaus habe der Verein einige Rücklagen bilden können, sagt Arlt. Auch wenn diese eigentlich vornehmlich für den Bau des neuen Sportcampus gedacht seien, den die Turngemeinde als Ersatz für die alte Jahnhalle plant. Zudem konnte der Verein in der trainingslosen Zeit auch Geld einsparen, wie Arlt ehrlicherweise sagt. Da kein Sportbetrieb stattfand, bekamen die Übungsleiter auch kein Geld.

Und dennoch: „Wir haben trotzdem zu kämpfen“, macht der TGH-Präsident im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Viele Sponsoren, wahrscheinlich selbst gebeutelt von der Corona-Krise, hätten sich zurückgezogen. Auf mindestens 10 000 Euro schätzt Arlt die Mindereinnahmen bei den Sponsorengeldern. Dessen ungeachtet habe die TGH aber nicht nur auf Hilfen aus dem Hanauer Corona-Paket verzichtet, sondern auch keine Hilfsgelder beim Land Hessen beantragt, so der TGH-Präsident.

Lob für die TG Hanau von Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky

Gemeinnützige Vereine und soziale Institutionen, die Leistungen aus dem Hanauer Hilfspaket in Anspruch nehmen wollen, müssen das dafür vorgesehene Antragsformular ausfüllen und bei der Stadt Hanau einreichen. Darin müssen die Vereine unter anderem Angaben machen zu ihren Einnahmen der Jahre 2017 bis 2019, wie sie sich aus der Steuererklärung der genannten Jahre ergeben, sowie eine Hochrechnung der erwarteten Einnahmen 2020.

Lob für den Verzicht auf Hilfsgelder kommt vom Rathauschef persönlich: „Mit diesem Antragsverzicht wollen Sie dazu beitragen, dass anderen Vereinen in unserer Stadt, die eventuell in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten können oder es bereits sind, besser geholfen werden kann. Diese Entscheidung verdient Anerkennung und meinen ganz besonderen Dank“, schreibt OB Kaminsky in einem Brief an Arlt. Auch die SPD Hanau dankt in einer Mitteilung dem Verein für seine Solidarität. Die TG Hanau werde damit ihrer Vorbildfunktion als ältester und größter Hanauer Breitensport-Verein, gerecht, so die Sozialdemokraten.

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