Die Corona-Infektion im November hat Peter Buschmann zwar überstanden. Aber gut geht es ihm bis heute nicht.
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Die Corona-Infektion im November hat Peter Buschmann zwar überstanden. Aber gut geht es ihm bis heute nicht.

Überstandene Corona-Infektion

Pfleger erkrankt an Covid-19 – und leidet noch immer unter Spätfolgen

  • vonClaudia Raab
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Ein Pfleger aus Hanau übersteht seine Corona-Infektion. Seine Gesundheit hat er aber noch nicht zurück.

Hanau - „Ob wir in drei Jahren noch mit Gesichtsmasken herumlaufen, kann ich nicht sagen. Aber mit dem Coronavirus werden wir noch lange zu tun haben. Deshalb bin ich ein Verfechter des Impfens, damit wir auch wieder Konzerte, Kinos und Restaurants besuchen können“, unterstreicht Peter Buschmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 58-Jährige leitet eine Krankenstation in einer Klinik in Hanau.

Seit einem Jahr ist Covid-19 für ihn bittere Realität und das nicht nur von Berufs wegen. Ende November 2020 wurde er mit dem Virus infiziert. „Im letzten Jahr haben wir auf der Arbeit das Beste gegeben. Sonderschichten waren an der Tagesordnung. Besonders hart hat es die Intensivstation getroffen. Es ist wirklich bravourös, was die Kolleginnen und Kollegen da geleistet haben“, so der Krankenpfleger.

Während der ersten Welle arbeitete Peter Buschmann auf der Covid-Station. Bilder von Intensivstationen, mit auf dem Bauch gelagerten Menschen, angeschlossen an Beatmungsmaschinen und versorgt von Personal in astronautenähnlichen Schutzanzügen sind aus dem Fernsehen hinlänglich bekannt. Auf der Covid-Station hingegen werden jene Patienten aufgenommen, denen es noch ein bisschen besser geht. „Körperliche Probleme habe ich beim Einsatz auf der Covid-Station keine bekommen. Mental war es trotzdem eine starke Belastung, zu sehen, dass manche Patienten auf die Intensivstation verlegt wurden und nicht überlebten. Anstrengend empfand ich auch das ständige An- und Ausziehen von Schutzkleidung“, so Buschmann.

Pfleger aus Hanau nach Corona-Infektion erkrankt: Mit ein wenig Husten fing alles an

Vor einem Jahr traf das Virus die Welt wie ein Schock. Niemand war auf eine derartige Pandemie vorbereitet, und es mangelte an allem: Masken, Tests und Schutzkleidung. „Auf den Besuchertoiletten im Krankenhaus wurde regelmäßig das Desinfektionsmittel mitgenommen, ebenso wie Toilettenpapier. Das war der Hammer“, schmunzelt der Krankenpfleger.

Am 30. November fuhr Peter Buschmann mit ein wenig Husten und einem leichten Schwächegefühl zur Arbeit. Ein Test brachte dann Gewissheit. Er hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Damals war der Stationsleiter auf der Holding-Station beschäftigt. Dort werden Patienten für eine Operation vorbereitet. Direkt nach dem Test habe er seine Erkrankung nicht weiter tragisch genommen. Buschmann wurde krankgeschrieben und fuhr nach Hause, wo er, ähnlich wie bei einem grippalen Infekt, auf ein paar entspannte Tage mit interessanter Lektüre hoffte. Ein Mensch, der wie er, nahezu täglich 40 Kilometer mit dem Fahrrad hin und zurück zur Arbeit fährt, dessen Immunsystem müsse intakt sein, sagte er sich.

Mann aus Hanau erkrankt an Covid-19: Sorge um seine Mutter belastete Buschmann zusätzlich

„Aber zwei Tage später ging gar nichts mehr. Ich lag flach und konnte nur mit ungeheurer Anstrengung aufstehen, um zur Toilette zu gehen oder mir die Nahrung zu holen, die mir gute Freunde vor die Tür gestellt hatten. Ich hatte kein Fieber, fühlte mich aber sehr, sehr matt, litt unter bleierner Müdigkeit, Gliederschmerzen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns und Atemnot. Nach zwei Wochen bin ich zum ersten Mal wieder aufgestanden und habe eine Tüte Müll die Treppe hinuntergetragen. Obwohl es nur ein Stockwerk war, fühlte ich mich beim Zurückkommen so, als hätte ich den Mount Everest bestiegen. Ich habe heftig nach Luft gepumpt“, verdeutlicht Buschmann.

Zusätzlich belastete ihn die Sorge um seine 79-jährige Mutter, die er noch einen Tag vor seinem positiven Test besucht hatte. „Meine Mutter und ich haben, wie jedes Jahr am ersten Advent, zusammen Stollen gebacken. Dabei habe ich sie natürlich infiziert, denn ich wusste ja nicht, dass ich das Virus schon in mir trug“, so Buschmann weiter. Aber glücklicherweise erwischte die alte Dame eine wesentlich geringere Viruslast als ihr Sohn, sodass sie zwar mit Gliederschmerzen und Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, aber insgesamt leichteren Symptomen die Krankheit gut überstand.

Hanau: Covid-19-Erkrankter hatte Angst, im Schlaf zu ersticken

Obwohl Peter Buschmann nur noch schwer Luft bekam, und vor Angst, nachts im Schlaf zu ersticken, oft nicht einschlafen konnte, entschied er sich gegen eine Einweisung ins Krankenhaus. „Ich wollte die Kolleginnen und Kollegen nicht noch zusätzlich mit meiner Erkrankung belasten. In der Pflege gilt das Motto: ‘Halte durch, solange es noch geht, und belaste nicht deine Kollegen’, erklärt er das Berufsethos“.

Ein vorsorglich fürs Krankenhaus gepacktes Köfferchen habe aber an seinem Bett gestanden. Hilfe aus dem Krankenhaus bekam der Stationsleiter trotzdem. Einige Ärzte und Kolleginnen riefen immer wieder an und erkundigten sich nach seinem Befinden. Zu Weihnachten, das er kontaktlos verbrachte, hatte er nur einen Wunsch, nämlich seine Gesundheit wiederzuerlangen.

Krankenpfleger aus Hanau: Durch Covid-19 vom Gefühl her um Jahre geältert

Obwohl er seine alte Kondition bis heute noch nicht zurückerhalten hat, kehrte Peter Buschmann nach sechs Wochen wieder an seinen Arbeitsplatz zurück. „Auch nach 40 Jahren liebe ich meinen Beruf. Meine Arbeit bringt mir Erfüllung. Ich habe ein tolles Team“, macht er deutlich. Glücklicherweise habe er es als Stationsleiter langsam angehen und Arbeit delegieren können. Heute, über drei Monate später, leidet Buschmann noch immer unter den Folgen seiner Erkrankung. „Long Covid ist leider keine Ausnahmeerscheinung. Schätzungsweise sind bis zu 50 Prozent der Patienten davon betroffen und keineswegs nur die Älteren. Einige Rehakliniken haben sich bereits auf Long Covid eingestellt“, informiert er.

Obwohl Peter Buschmann heute wieder täglich mit dem E-Bike zur Arbeit fährt, fühlt er sich durch die Krankheit um Jahre gealtert. Nach eigenen Angaben leidet er unter massiven Gelenkschmerzen, ähnlich wie Arthrose.

Nach Corona-Infektion: Krankenpfleger aus Hanau wieder zu 100 Prozent auf der Arbeit im Einsatz

Besondere Sorge bereiten ihm aber wiederholt auftretende Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit. Es könne passieren, dass er sich mit Leuten unterhalte und später nicht mehr wisse, worüber man gesprochen habe. „Das kann auch bei leichten Verläufen der Krankheit passieren. Leider hat die Medizin noch keine Erkenntnisse darüber, ob sich das wieder gibt oder mit der Zeit noch schlimmer wird“, informiert er weiter.

Trotzdem ist der Stationsleiter mittlerweile wieder zu 100 Prozent im Einsatz. „Auf der Arbeit habe ich noch nichts Wesentliches vergessen. Sollte das der Fall sein, würden mich meine Kolleginnen und Kollegen darauf aufmerksam machen und ich würde Konsequenzen ziehen“, betont Buschmann.

Auch wenn er jetzt noch immun sei, werde er sich impfen lassen und appelliert an alle, es ihm gleich zu tun. In einer konsequenten Durchimpfung der Bevölkerung und ausgeweiteten Testungen sieht er eine Chance, wieder in das alte Leben mit Reisen, Märkten und Festen sowie dem Besuch von Schwimmbädern, Fußballstadien, Theater, Kinos, Konzerten und Gasthäusern zurückzukehren. (Claudia Raab)

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