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Rattenplage in Hanauer Weststadt bringt Anwohner auf die Palme

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Von: Christian Spindler

Eine Ratte läuft quer über den Gehweg. Die Nager können Krankheiten übertragen. ARCHIV
Eine Ratte läuft quer über den Gehweg. Die Nager können Krankheiten übertragen. ARCHIV © DPA

In Hanau ärgern sich Anwohner über eine Rattenplage. Die Baugesellschaft ist auf die Hilfe der Anwohner angewiesen.

Hanau - Frau H. ist sauer. Richtig sauer. Sie wohnt in einem Wohnblock der städtischen Baugesellschaft in der Weststadt. Was sie auf die Palme treibt, sind Ratten. Seit einem Jahr, so berichtet sie, gibt es an dem Gebäude ein großes Loch. Vom dortigen Rattennest kommen angeblich immer mal wieder Nager ans Tageslicht – und verbreiten Ekel.

Es sei eine Unverschämtheit, sagt Frau H. immer wieder. Eine Unverschämtheit, weil die Baugesellschaft ihrer Meinung nach nicht genügend tut, um den Ratten den Garaus zu machen. Vor zwei Monaten sei eine Absperrung um das vermeintliche Rattenloch aufgebaut worden. Aber ansonsten passiere nichts.

Dass es in der Liegenschaft an der Röntgenstraße eine Rattenplage gibt, wird von dem städtischen Wohnungsunternehmen bestätigt. Aber nicht nur dort. In ganz Kesselstadt gebe es „ein allgemeines Rattenproblem.“ Um dem Herr zu werden, würden seit Jahren in den betroffenen Liegenschaften Köder ausgelegt. Seit dem vorigen Jahr habe man das erweitert. „Es finden regelmäßig Kontrollen statt und vorhandene Rattenlöcher werden mit Erde verfüllt“, berichtet eine Sprecherin der Baugesellschaft auf Anfrage. Durchschlagenden Erfolg hatte das bisher offenbar noch nicht.

Hanau: Ratten haben sich verstärkt fortgepflanzt

Gibt es in Hanau – über Kesselstadt hinaus – ein größeres Rattenproblem? Vom städtischen Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS), zu dem die Müllabfuhr gehört, heißt es auf Anfrage, dass die Müllwerker „nur in seltenen Einzelfällen“ einen Rattenbefall feststellen, wenn sie beispielsweise die Abfalltonnen an den jeweiligen Müllplätzen der Grundstücke leeren.

Anders sieht es in der Kanalisation aus. „Durch die milden Winter der vergangenen Jahre konnten sich die Tiere in der Kanalisation verstärkt fortpflanzen, berichtet Maximilian Menge. Das Unternehmen Kraft & Menge (Slogan „Aus die Maus“) aus Bruchköbel ist im Auftrag des städtischen Eigenbetriebs seit Jahren für die Rattenbekämpfung unter Tage in der Kanalisation zuständig. Zuvor war das Aufgabe des Bauhofs, dann wurde der Auftrag extern vergeben. Seitdem ist Kraft & Menge regelmäßig in Hanau in Sachen Rattenbekämpfung im  Einsatz. Die Maßnahmen finden „im Rahmen einer ganzjährigen Aktion zur Minimierung des Rattenbefalls im gesamten Kanalnetz“ in Hanau und den Stadtteilen statt – durchgehend von Januar bis Dezember. Maximilian Menge: „Hierbei werden über 4000 Kanalschächte in die Bekämpfungsmaßnahme einbezogen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.“ Mittlerweile sei es gelungen, den Rattenbefall im Kanalnetz und auch an Bachläufen kontinuierlich zu reduzieren.

Rattenplage in Hanau: Köder werden ausgelegt

Vor fünf Jahren hatte Großauheim wegen einer wahren Rattenplage für Schlagzeilen gesorgt. Weil an vielen Stellen Teile der Kanalisation und Anschlüsse marode waren und außerdem viele Lebensmittel über die Toiletten entsorgt wurden, fanden die Kanalratten reichlich Nahrung – und vermehrten sich stark. Es kam zu Unterspülungen von Kanalrohren und in der Folge zu Absenkungen an der Oberfläche.

Wenn in der Nähe der Kanalisation etwa von Anwohnern Ratten gesichtet und gemeldet würden, werde das „von der Teamleitung HIS an unser Büro weitergeleitet“, berichtet Menge. Innerhalb von 24 Stunden würden von den Schädlingsbekämpfern „entsprechende Gegenmaßnahmen“ eingeleitet und Köder ausgelegt.

Da unten sind die Ratten: Anwohnerin H. zeigt das Rattenloch an der Liegenschaft an der Röntgenstraße. Mittlerweile ist der Bereich eingezäunt.
Da unten sind die Ratten: Anwohnerin H. zeigt das Rattenloch an der Liegenschaft an der Röntgenstraße. Mittlerweile ist der Bereich eingezäunt. © REINHARD PAUL

Bei Bekämpfung der Rattenplage auf Mithilfe der Mieter angewiesen

Der Eigenbetrieb HIS hat in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass das Entsorgen von Essensresten über die Toiletten in die Kanalisation höchst problematisch ist, denn sie schaffe für die Nager hervorragende Nahrungsbedingungen. Das gelte auch für die Bereiche um Abfallbehälter draußen, wenn weggeworfene Essensreste daneben landen.

Im Fall der Röntgenstraße werden laut Baugesellschaft ebenfalls Köder ausgebracht und die Rattenlöcher regelmäßig kontrolliert. Außerdem habe man Vogelfutterplätze auf die Bäume verlegt, „damit die Ratten nicht von erreichbaren Futterplätzen angelockt werden“ Aber: Immer wieder würden von Bewohnern Futterteller für die Vögel postiert und zudem Müllsäcke auf dem Boden abgestellt – das ziehe eben auch Ratten an. Um denen Herr zu werden, sei die Baugesellschaft auch „auf die Mithilfe der Mieter angewiesen“.

Auch der Eigenbetrieb HIS mahnt, man solle „keinen (Bio)müll achtlos entsorgen und Abfalltonnen stets geschlossen halten.“ Außerdem sorge jedes zu großzügige Füttern von Enten und Vögeln, verbunden mit nicht verzehrtem Futter, zu Wasser und ebenerdig dafür, dass Ratten angelockt werden können. (Von Christian Spindler)

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