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Entwickler hält sich bezüglich des Fortschritts des Rechenzentrums bedeckt

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Von: David Scheck

Auferstehen aus Ruinen wird eines Tages das Rechenzentrum auf dem Areal der ehemaligen Großauheim-Kaserne. Wann das erste Modul ans Netz gehen wird, ist allerdings noch unklar. Zum Zeitplan äußert sich der Investor P3 nicht.
Auferstehen aus Ruinen wird eines Tages das Rechenzentrum auf dem Areal der ehemaligen Großauheim-Kaserne. Wann das erste Modul ans Netz gehen wird, ist allerdings noch unklar. Zum Zeitplan äußert sich der Investor P3 nicht. © Holger Hackendahl

Das Areal an der Depotstraße verändert allmählich seine Form: Große Baumaschinen reißen in diesen Tagen die Hallen der einstigen Großauheim-Kaserne nieder. Wo bis in die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts hinein US-Soldaten ihren Dienst taten, sollen in absehbarer Zukunft mindestens acht Rechenzentrumsmodule entstehen. Im Endausbau mit einem Stromverbrauch, der doppelt so hoch liegen wird wie jener der Stadt Hanau inklusive der hier angesiedelten Industrie – ein gigantisches Projekt.

Hanau – Doch auch der zuvor nötige Abriss der Kasernen-Infrastruktur hat enorme Ausmaße. Dazu gibt es in der Diskussion um Rechenzentren wichtige Fragen: Wird die Abwärme genutzt werden, und wenn ja, wie? Kann der Energiebedarf wirklich ausschließlich mit Ökostrom gedeckt werden? Fragen, auf die der Investor, die P3 Logistic Parks GmbH, allerdings nicht antworten möchte.

P3 Datacenter Hanau wurde der großflächige Rechenzentrums-Campus getauft, der über einen Zeitraum von zehn Jahren in mehreren Phasen errichtet werden soll. Neun Monate soll allein der Abriss der Großauheim-Kaserne dauern, hieß es im vergangenen Sommer. Nicht weniger als 500 000 Kubikmeter Gebäudesubstanz müssen niedergelegt werden. Ein Großteil des Abbruchmaterials, 90 Prozent, sollen vor Ort recycelt und für Bodenarbeiten verwendet werden. Ein Boden, der früher militärisch genutzt wurde – also möglicherweise mit Schadstoffen belastet ist?

Entwickler lässt Fragen unbeantwortet

Diese Frage unserer Zeitung, wie auch alle weiteren, lässt die P3 Logistic Parks GmbH unbeantwortet. Aus der Unternehmenskommunikation heißt es: „Leider ist es so, dass wir uns derzeit in ausführlichen Gesprächen bezüglich der weiteren Planung des Projektes befinden und deshalb keine weiteren Angaben als diejenigen in der Pressemitteilung vom letzten Juli machen können.“

In besagter Pressemitteilung wird die sogenannte Brownfield-Entwicklung erwähnt, ein spezielles Verfahren zur Bebauung von Bahngelände, aufgegebenen Tagebauarealen oder, wie in Großauheim, ehemals militärisch genutzten Grundstücken. Ferner ist die Rede davon, dass das Gelände dekontaminiert werde.

Im Rahmen der mit der Stadt Hanau vereinbarten Nachhaltigkeitsziele soll „das P3 Datacenter bereits mit der Inbetriebnahme des ersten Moduls vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden“, hieß es im Juli. Ob angesichts der Energiekrise und dem damit verbundenen Zurückgreifen auf fossile Brennstoffe an diesem ambitionierten Ziel überhaupt festgehalten werden kann? Auch dazu keine Antwort seitens P3.

Immerhin die Stadt Hanau beziehungsweise die Stadtwerke Hanau (SWH) geben ihre Einschätzung zum Thema erneuerbare Energien: „Wir gehen davon aus, dass die Vorgaben erfüllt werden können.“

Die Stadt Hanau war es allerdings auch, die im Mai 2021, als die Pläne für das Rechenzentrum auf den Weg gebracht wurden, in einer offiziellen Mitteilung schrieb, es seien bezüglich der vertraglich festgehaltenen Nachhaltigkeitsziele „keine leichten Verhandlungen“ mit P3 gewesen. Mit dem Ergebnis freilich könne man „zufrieden sein“. Denn vereinbart wurde, dass der Investor beziehungsweise der zukünftige Betreiber des Rechenzentrums für den Stromanteil, der nicht regional erzeugt wurde, in einen Klimafonds der Stadt Hanau einzahlen muss.

Stadtwerke Hanau bauen neues Blockheizkraftwerk: Baubeginn noch im ersten Quartal 2023

Stichwort regionale Energie: Die SWH bauen wie berichtet auf dem Areal der Großauheim-Kaserne außer einer Freiflächen-Photovoltaikanlage ein neues Blockheizkraftwerk. Der Baubeginn des Kraftwerks sei noch im ersten Quartal dieses Jahres geplant, heißt es auf eine Anfrage unserer Zeitung. Im vierten Quartal würden die Blockheizkraftwerke angeliefert. Ab Mitte 2024 soll nach heutigem Stand der Probebetrieb aufgenommen werden.

Das Bauvorhaben laufe unabhängig vom Bau des ersten Rechenzentrum-Moduls, erläutern die SWH. „Der Zeitplan für den Bau des Gemeinschaftskraftwerks bestimmt sich aus der Verfügbarkeit von Wärme aus dem Kraftwerk Staudinger.“ Ursprünglich sollte Block 5 des Kohlekraftwerks Staudinger bereits 2023 vom Netz genommen werden. Aufgrund der Gasmangellage werde Staudinger nun bis April 2024 laufen und Wärme auskoppeln. „Wir haben somit einen engen Zeitplan, der es ermöglicht, die Wärmeversorgung der Hanauer Kunden ohne Unterbrechung zu übernehmen“, so die Stadtwerke. Bezüglich der Freiflächen-Photovoltaikanlage hätten die Planungen einige Male geändert werden müssen, „da die Projektierung der Nachbargrundstücke in die Planung einbezogen wurde. Dadurch entstehen neue Synergien und wir können einen größeren Stromertrag erhalten. Die Vorbereitungen laufen auch hier“.

Angesichts der Energiekrise gibt es in der bundesweiten Diskussion Forderungen, mit der Abwärme von Rechenzentren auch Wohngebäude zu heizen. In Bezug auf das P3 Datacenter Hanau war im Sommer die Rede davon, die Abwärme lediglich zum Heizen von Büros und Lagergebäuden in unmittelbarer Nähe zu nutzen. Bei den SWH heißt es dazu: „Die Energiewende, insbesondere die Wärmewende, ist auch für uns ein wichtiges Thema. Wir sind sehr interessiert und prüfen natürlich die Möglichkeit, Abwärme sinnvoll zu nutzen.“

P3 äußerte sich zum Thema Abwärmenutzung ebenso wenig wie auf die Frage nach der Notstromversorgung für den Fall eines „Blackouts“, also eines Stromausfalls. Standard sind bei Rechenzentren derzeit in der Regel Dieselgeneratoren, zum Teil auch bereits Akkus.

Von David Scheck

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