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Ein Lichtblick für viele Menschen

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Von: Reinhold Schlitt

Die Hanauer Tafel, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt, ist quasi das Aushängeschild der Stiftung Lichtblick, die sich auch um Wohnungslose kümmert. ARCHIV
Die Hanauer Tafel, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgt, ist quasi das Aushängeschild der Stiftung Lichtblick, die sich auch um Wohnungslose kümmert. ARCHIV © Lukas REUS / Foto

Lichtblick, eine der bekanntesten sozialen Hilfsorganisationen in Hanau und Umgebung, ist 30 Jahre alt geworden. In der evangelischen Marienkirche, und damit an jenem Ort, an dem die Stiftung dieser Kirchengemeinde seinerzeit ins Leben gerufen wurde, versammelten sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Repräsentanten aus Kommunen, aus dem politischen Leben und der Diakonie zu einem Jubiläumsgottesdienst unter Leitung der Diakoniepfarrerin Ute Engel.

Hanau - Für die Arbeit der Stiftung gab es viel Lob und Anerkennung, aber auch die Mahnung, sich mit dem bestehenden Ungleichgewicht von Armut und Reichtum nicht abzufinden.

Beschäftigte verschiedener Fachbereiche von Lichtblick brachten während des Gottesdienstes zum Ausdruck, mit welch unterschiedlichen Angeboten sie hilfebedürftige Menschen ansprechen - und das durchaus spiegelbildlich zu den gewachsenen sozialen Problemen in der Gesellschaft. Ins Blickfeld gerieten dabei sowohl die Nachfrage nach Sozialberatung und der Vermittlung von Wohnraum, als auch andere Starthilfen zur eigenständigen Lebensführung sowie die individuelle Betreuung und Begleitung von Menschen in Not.

„Hochkomplexes Hilfesystem“

Vor allem auch die Arbeit der Lebensmittelausgabe der „Hanauer Tafel“ an Bedürftige, mit der Lichtblick in der Öffentlichkeit und in den Medien häufig identifiziert wird, kam bei diesem Jubiläumsgottesdienst zur Sprache. Zahlen, wie die von 2760 Tafel-Ausgaben seit der Gründung oder Zigtausende Kilometer, die zurückgelegt wurden, um Lebensmittelspenden einzusammeln, beeindruckten die Festgemeinde.

Hanaus Bürgermeister Axel Weiss-Thiel (SPD) sprach in seinem Grußwort davon, dass es die Kommunen vor Ort und die freien Träger mit ihren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seien, die die vorhandenen staatlichen Hilfsmöglichkeiten so zusammenbinden, dass sie zu den Bedürfnissen der Menschen passten. Viele Menschen kämen mit dem „hochkomplexen Hilfesystem“ nicht zurecht. Das zeige auch das große Engagement von Lichtblick, das helfe, hier wieder Vertrauen zu schaffen. Vertrauen brauche es besonders auch für jene, die von Wohnungslosigkeit betroffen seien. Die Wohnungsfrage sei in der Region ein großes Thema, gleich, ob es um knappen Wohnraum oder die Angst vor steigenden Mieten gehe. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung seien sich dieser Probleme und der Notwendigkeit weiteren Wohnraums sehr bewusst, einschließlich sich daraus ergebender Fragen, etwa zum Flächenverbrauch.

Not hinter Hausfassaden

Professor Ralf Rainer Piesold, ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter des Main-Kinzig-Kreises, mahnte, auch die Not zu sehen, die sich hinter Hausfassaden verberge. Hier brauche es Menschen und Organisationen wie Lichtblick, die Hilfe anbieten und Betroffenen damit Zuversicht und Hoffnung vermitteln. Den gesellschaftlichen Wert, den die Arbeit von Lichtblick darstellt, machte Jörg Börstinghaus vom Lionsclub Hanau Brüder Grimm am Namen der Stiftung fest.

Der aus dem Ruhrgebiet stammende Redner bemühte das Bild des in den Schacht einfahrenden Bergmannes, der stets ein Licht bei sich habe. Würde sein Licht erlöschen, bedeute das schwaches Wetter und damit große Gefahr, sodass er sich sofort aus dem Staub machen müsse. Im übertragenen Sinne gelte das auch für das Engagement der Stiftung Lichtblick, deren Licht nicht erlöschen dürfe. Der Lions-Club zählt zu den Unterstützern der Stiftung.

„Unsere Stiftung bietet Menschen eine neue Perspektive“, unterstrich Pfarrer Horst Rühl vom Stiftungsrat. „Betreuung und Begleitung, Wohnraum und Hilfe zur eigenständigen Lebensführung sowie Beratung und basale Bildung“ gehörten zu den Zielen. Allerdings: „Lichtblick ist weiterhin ein Armutszeugnis für diese Stadt und den Main-Kinzig-Kreis, die es sich leisten, immer noch so viele arme und betroffene Mitbürgerinnen und Mitbürger zu haben. 30 Jahre Lichtblick darf deswegen nicht heißen, dass die Stiftung nur dazu beiträgt, die ungerechten Strukturen von Armut und Ausgrenzung zu mildern.“ Die Gründung der Stiftung geht wesentlich auch auf Rühl zurück, er war damals Vorstandsvorsitzender von Lichtblick.

Von Reinhold Schlitt

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