Allein im Schlosspark Philippsruhe müssen über 50 Bäume in den nächsten Wochen wegen irreparabler Schäden gefällt werden. Fotos: Thomas Seifert

Hanau

In Hanau müssen 500 Bäume gefällt werden

Hanau. Auf die Abteilung Grünflächen des Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS) kommt sehr viel Arbeit zu, denn im gesamten Stadtgebiet müssen über 500 der insgesamt 24 400 im Kataster erfassten Bäume bis Ende Februar gefällt werden. Diese sind stark beschädigt oder abgestorben. Grund dafür ist der extrem heiße Sommer.

Von Thomas Seifert

Treffpunkt Schlosspark Philippsruhe. Zum Ortstermin mit dem HANAUER ANZEIGER sind der HIS-Leiter Markus Henrich und Baumkontrolleur Michael Schenk gekommen. Bei Spaziergängen waren die vielen, mit grünen Nummern markierten Bäume im Park aufgefallen, nun sollen die Fachleute aufklären, was es damit auf sich hat.

Jeder sechste Baum im Schlosspark betroffen

„All diese insgesamt 68 Bäume werden der Kettensäge zum Opfer fallen, das ist fast ein Sechstel der etwa 530 Bäume im Schlosspark“, stellte Henrich fest. Dass es gerade hier so viele Schäden gibt, habe verschiedene Gründe, erläuterte Michael Schenk. Der Schlosspark sei in einem aufgeschütteten Gelände angelegt worden. „Dort hat man alles an Material verwendet, was man gerade so zur Hand hatte. Deshalb ist der Boden nicht besonders wachstumsfreundlich.“

Ein weiterer Grund seien die extreme Trockenheit und Hitze in 2018 und besonders in diesem Jahr sowie der sehr milde Winter mit wenig Niederschlägen. Vor allem junge Bäume haben diese Perioden nicht überstanden: „Die feinen Wurzeln sterben ab und die Kapillaren können kein Wasser mehr in Stamm, Zweige und Blätter transportieren“, erläuterte Schenk.

Niedriger Grundwasserspiegel und Borkenkäfer setzen den Bäumen zu

Auch heute noch sei die Erde nur bis auf eine Tiefe von etwa 30 Zentimeter durchfeuchtet, „darunter ist sie sehr trocken und nimmt kaum Wasser auf. Auch die Regenfälle der vergangenen Wochen haben daran nichts geändert, weil das Wasser nicht in die Trockenschicht eindringen konnte und abgeflossen ist. Dadurch ist der Grundwasserspiegel extrem abgesunken, die Bäume verdursten“, fügte Markus Henrich hinzu. Deshalb prüfe man gerade, ob man in den Wintermonaten den Schlosspark – wie schon früher einmal praktiziert – während der Schließzeiten automatisch bewässern soll.

„Bäume sterben nur in Ausnahmefällen in kurzer Zeit, meistens dauert es mehrere Jahre, aber die Anzeichen sind schon sehr früh zu sehen“, stellte Michael Schenk fest. Ein Feind vor allem von Nadelbäumen auch im Schlosspark ist der Borkenkäfer, mit dem Bäume unter normalem Umständen eigentlich fertig werden. In Zeiten von Trockenheit können aber die Pflanzen nicht mehr genug Harz produzieren, um die Gänge zu verschließen, die der Borkenkäfer unter der Rinde anlegt, um dort seine Eier abzulegen.

Rinde verbrennt und platzt ab

Daraus schlüpfen Larven, die den Baum so schädigen, dass er abstirbt. Ähnlich verhält es sich mit einem Pilz, der immer vorhanden ist, sich aber aufgrund der extremen Witterung bestens vermehren konnte und den Bastkörper zwischen Stamm und Rinde zerstört hat. Die Folge: Bei Buchen ist die Rinde bei Temperaturen bis zu 40 Grad im Sommer regelrecht verbrannt und in großen Placken abgeplatzt.

Michael Schenk ist fast jeden Tag im Stadtgebiet unterwegs, um nach seinen „Schützlingen“ zu sehen und deren Zustand zu kontrollieren. Das geschieht in Abständen von drei Jahren bei ungeschädigten Bäumen, reduziert sich auf ein bis zwei Jahre bei vorgeschädigten Exemplaren und wird auf sechs Monate verkürzt, wenn das Schadensbild und die nachlassende Vitalität es erforderlich machen. „Oft reicht es auch aus, die Bäume zu lichten, abgestorbene Äste zu entfernen und durch weitere Pflegemaßnahmen zu erreichen, dass die Lebenszeit verlängert wird. Im Schlosspark stehen durchaus auch Bäume mit einem Alter von 90 bis 100 Jahren“, bemerkte der Baumkontrolleur.

Fünfmal so viele Baumfällungen wie früher

Statisch ist nachgewiesen, dass das Baumsterben in den vergangenen zwei Jahren rapide zugenommen hat, stellte Henrich fest: „Waren es früher im Schnitt etwa 50 Bäume, die pro Jahr gefällt werden mussten, so hat sich die Quote auf inzwischen rund 280 pro Jahr dramatisch erhöht. Neben dem negativen Effekt für das Kleinklima in den betroffenen Bereichen stellt diese Entwicklung auch für die Abteilung Grünflächen eine besondere Herausforderung dar. Die acht Kolonnen in den verschiedenen Bezirken der Stadt haben damit mehr Arbeit genauso wie die Baumkolonne mit ihren fünf Mann“. Und das bedeutet auch höhere Kosten für die Stadt, die vermehrt auf externe Dienstleister zurückgreifen muss, um die notwendigen Baumfällungen stemmen zu können.

„Wir fällen aber nicht nur, sondern pflanzen natürlich wieder neu, was ebenfalls mit höheren Kosten aufgrund der Menge der Bäume verbunden ist Für die jetzige Pflanzperiode wurden über 100 neue Bäume geordert, in drei bis vier Jahren sollen die entfernten Exemplare eins zu eins ‧ersetzt sein“, fügte Michael Schenk hinzu. Zudem würden die Jungbäume nun schon im Herbst und Winter gesetzt, um den Pflanzen mehr Zeit zur Entwicklung zu geben, bevor die stressreichen Monate beginnen. „Außerdem werden verstärkt auch Arten angeschafft, die mit der Trockenheit und Hitze besser umgehen können. Und das haben wir auch schon in den vergangenen Jahren bei Ersatzpflanzungen zum Beispiel im Schlosspark gemacht“, betonte Markus Henrich.

Der Eigenbetrieb HIS mit der Abteilung Grünflächen musste 2018 rund 66 000 Euro für Baumpflegemaßnahmen ausgeben, die an externe Dienstleister und Spezialisten vergeben wurden. Für dieses Jahr rechnet man tendenziell mit noch höheren Ausgaben.

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