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Müllabfuhr in Hanau: „Der Knochenjob ist das Davor und das Danach“

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Von: Christian Spindler

Mehr als zehn Tonnen Biomüll fasst dieses moderne Niederflur-Sammelfahrzeug. Auf 15 verschiedenen Touren im Stadtgebiet sorgen die Müllwerker für die Leerung der verschiedenen Abfallbehälter.
Mehr als zehn Tonnen Biomüll fasst dieses moderne Niederflur-Sammelfahrzeug. Auf 15 verschiedenen Touren im Stadtgebiet Hanau sorgen die Müllwerker für die Leerung der verschiedenen Abfallbehälter. © MORITZ GÖBEL/SCHEIBER

Die Mitarbeiter der Müllabfuhr in Hanau geben einen Einblick in ihren Arbeitsalltag – bei 38 Grad und mehr.

Hanau – „Am Samstag soll es 38 Grad haben“, sagt Akso Selim. Was für die einen Sommer-Sonne-Badespaß bedeutet, ist für andere zu viel. Erst recht für Müllwerker wie Selim. Denn das, was den Männern der städtischen Müllabfuhr am meisten zu schaffen macht, sind Hitzetage. „Gegen Kälte kann man Thermokleidung anziehen, auch gegen Regen gibt es Schutzkleidung. Bei der Hitze ist das anders“, sagt auch Holger Wohlfahrt, zu dessen Team Selim gehört. Dann helfen allenfalls Kopf- und Nackenbedeckung, Sonnencreme und viel trinken.

Wenn man neben Wohlfahrt und Selim im orangefarbenen Müllfahrzeug, in dem Bioabfälle gesammelt werden, ein Stück mitfährt, bleiben die Unbilden der Witterung im Wortsinne vor der Türe. Der Sitz ist hydraulisch gefedert und gleicht jede Bodenunebenheit aus, die Klimaanlage läuft und Monitore, auf denen Außenkameras Bilder ins Cockpit übertragen, zeigen, wie viel Technik in modernen Niederflurfahrzeugen Einzug gehalten hat.

Das ist das Drinnen. Der „wahre Knochenjob“, wie Bodo Koller vom Technischen Innendienst der städtischen Abfallwirtschaft das nennt, was die 27 Müllwerker in Diensten des Eigenbetriebs Hanau Infrastruktur Service (HIS) tagtäglich erledigen, spielt sich hingegen draußen ab. Koller hat für unsere Zeitung anlässlich des internationalen Tags der Müllabfuhr einen Blick hinter die Kulissen organisiert. Seit 2011 gibt es diesen Tag, ursprünglich eingeführt in den USA. Er soll die Arbeit der Müllwerker würdigen. Die Arbeit von Leuten wie Holger Wohlfahrt, Akso Selim und Harry Ries.

Müllabfuhr in Hanau: „Der Knochenjob ist das Davor und das Danach“

Im Cockpit des Sammelfahrzeugs von Holger Wohlfahrt hat moderne Technik Einzug gehalten.
Im Cockpit des Sammelfahrzeugs von Holger Wohlfahrt hat moderne Technik Einzug gehalten. © -

Wie anstrengend der Job ist, erfährt man, wenn man das Team begleitet und auch mal selbst Hand anlegt. Klar, die Tonnen werden von der Schütteinrichtung automatisch hochgehievt und in den Wagen gekippt. Der Knochenjob ist das Davor und das Danach. Immer wieder muss Akso Selim, der an diesem Tag 43. Geburtstag feiert, nicht nur Tonnen vom Gehweg ranziehen und zurückstellen, sondern auch aus mitunter weit entfernten Innenhöfen ranrollen, wenn eine Leerung mit Holservice gebucht ist.

Heute ist das vergleichsweise leicht. Denn es war länger trocken. Das gilt dann auch für Gartenabfälle oder Grasschnitt in den Tonnen. Wenn der Inhalt aber nass oder im Winter gar gefroren ist, dann sind die Tonnen „richtig schwer“, sagt Selim. Dann ist Kraft gefragt. Und schnell gehen muss es immer. Manchmal muss sich Selim, wenn ein Hof weiter entfernt ist, in den der die Tonne zurückbringen muss, ganz schön sputen, um dem weiterfahrenden Müllwagen hinterherzukommen.

Das Tempo des Teams ist beachtlich. Tonne her, eingehängt, hochgehievt, zurückgestellt. Und das in schnellem Takt. Harry Ries auf der einen, Akso Selim auf der anderen Seite des Müllwagens. Dann rauf aufs Trittbrett, um ein paar Meter mit dem Fahrzeug mitzufahren. Und wieder runter. Immer wieder. Hunderte Male. „1000 bis 1200 Mülltonnen leeren wir auf einer Tour“, sagt Fahrer Holger Wohlfahrt. Macht für jeden seiner Kollegen 500 bis 600 Tonnen pro Tag.

Müll in Hanau: Corona-Pandemie verursacht bis zu 25 Prozent mehr

Seit 1984 ist Wohlfahrt in Diensten der Stadt, seit 1990 Fahrer bei der Abfallwirtschaft. Während er erzählt, wechseln seine Augen unentwegt von vorne zu den Seitenspiegeln, dann zu den Monitoren. Er muss rund um den großen Wagen alles im Blick haben. Sicherheitshalber. Auch den Radler, der sich in der Körnerstraße vorbeizwängt. Wenig weiter ist in einer Stichstraße Rangieren angesagt. Harry Ries winkt ein. Dann wird gestoppt, um die Tonnen der umliegenden Häuser zu leeren. In solchen Fällen packt auch Fahrer Wohlfahrt mit an.

Seit gut zwei Jahren gehört Akso Selim zu den städtischen Müllwerkern von HIS.
Seit gut zwei Jahren gehört Akso Selim zu den städtischen Müllwerkern von HIS. © -

Rund 5000 Gewichtstonnen Biomüll fallen in Hanau jährlich an. Er wird nach Langenselbold gebracht. Zweimal auf seiner Tour muss das Team um Wohlfahrt dorthin zum Ausleeren fahren. 10,5 Tonnen fasst das Sammelfahrzeug. Mit 2600 Tonnen pro Jahr ist der Abfall aus den Gelben Tonnen vergleichsweisen leicht. Er wird von den städtischen Müllwerkern im Auftrag von DSD nur gesammelt, dann auf dem Betriebshof an der Daimlerstraße abgeladen und von einer Firma aus Heppenheim zur weiteren Verwertung abgeholt. Neben Altpapier (5500 Tonnen) und Sperrmüll (3500 Tonnen) macht der Restmüll mit 20 000 Tonnen den weitaus größten Teil am Jahresaufkommen aus. Der Restmüll aus Hanau wird in der Verbrennungsanlage in Heusenstamm entsorgt.

Während der Corona-Pandemie fiel auch in Hanau zum Teil mehr Müll an als zuvor, berichtet Ralph Sterk, Abteilungsleiter Abfallwirtschaft bei HIS. Bei Biomüll, Sperrmüll und Abfällen aus der Gelben Tonne gab es einen Anstieg von 10 bis 25 Prozent. Sterk: „Das lag einfach daran, dass die Menschen wegen Homeoffice oder Kurzarbeit mehr zuhause waren.“

Entsorgung kostet in Hanau Millionen: Zwei Dutzend Mitarbeiter regeln die Abfuhr

Um die 13,3 Millionen Euro kostet nach Angaben von HIS die Entsorgung des Mülls, der jährlich in der 100 000-Einwohner-Stadt Hanau anfällt. Auf insgesamt 15 Sammeltouren im Stadtgebiet sind Holger Wohlfahrt, Akso Selim, Harry Ries und ihre zwei Dutzend HIS-Kollegen zum Leeren der Abfallbehälter unterwegs. Bei Wind und Wetter. Auch bei der so ungeliebten größten Hitze.

Ob man in dem Job gut verdient? „Es könnte immer mehr sein“, lacht Holger Wohlfahrt auf die Frage, „aber wir sind zufrieden.“ Jedenfalls gebe es, im Gegensatz zu anderen Branchen, kaum Probleme, frei werdende Stellen zu besetzen, sagt HIS-Mann Bodo Koller. Lediglich Leute, die bereits einen Lkw-Führerschein haben, die seien recht schwer zu finden. (Christian Spindler)

Die Stadt Hanau hat schon seit Jahren mit illegalem Abfall zu kämpfen und das kostet. Doch Müllwegwerfen wird auch einige Nummern größer praktiziert.

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