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Mittelstand im Main-Kinzig-Kreis muss umdenken

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Steigende Energiepreise bekommen nicht nur Autofahrer zu spüren. Auch bei den heimischen Mittelstandsunternehmen schlagen sie sich im Tagesgeschäft nieder. Symbolfoto: Wolfram Steinberg/dpa
Steigende Energiepreise bekommen nicht nur Autofahrer zu spüren. Auch bei den heimischen Mittelstandsunternehmen schlagen sie sich im Tagesgeschäft nieder. Symbolfoto: Wolfram Steinberg/dpa © -

Der Krieg in der Ukraine verursacht tagtäglich millionenfaches menschliches Leid. Darüber hinaus hat er zudem wirtschaftliche Konsequenzen, auch für Unternehmen in der Region. Die Wirtschaftsinitiative (WI) Mittelstand Main-Kinzig zeigt sich in einer Mitteilung besorgt über die aktuellen Entwicklungen, die weitreichende, noch nicht abschätzbare Folgen für den im Main-Kinzig-Kreis ansässigen Mittelstand haben könnten.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis – Dabei geht es vor allem um die mit der Ukraine-Krise verbundenen Sanktionen, die Störung von weltweiten Lieferketten sowie weitere Probleme bei der Rohstoffversorgung und den Kostensteigerungen für Rohstoffe und Energie.

Der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsinitiative Mittelstand, Axel Ebbecke, kritisiert in diesem Zusammenhang auch die Politik: „In einem atemberaubenden Tempo wird mit einer Kriegsrhetorik in der Politik die jahrzehntelange Aufbauarbeit im Bereich von internationalen Organisationen, Lieferketten, Freihandelsabkommen und auch militärische Abkommen abgebaut.“ Das Vertrauensverhältnis zwischen Russland und China einerseits mit verschiedenen verbundenen Ländern und dem Westen andererseits sei massiv gestört, so Ebbecke.

Er befürchtet, dass es in den kommenden Jahren ein Besinnen auf lokale Märkte und begrenzte Länderpartnerschaften geben werde. Doch wie sollten die heimischen Mittelständler nun reagieren? Das haben wir den WI-Vorsitzenden schriftlich gefragt.

Welche Ihrer Mitglieder beziehungsweise Branchen im Main-Kinzig-Kreis sehen Sie durch den Krieg aktuell am meisten betroffen? Es trifft prinzipiell alle Branchen. Besonders natürlich alle produzierenden Unternehmen – sei es im Export durch jahrelange Handelsbeziehungen oder auch im Import von Rohstoffen. Die hohen Energiepreise und Lieferengpässe schlagen sich natürlich ebenfalls im Tagesgeschäft nieder. Ich habe in den letzten Wochen etliche Telefonate mit unseren Mitgliedern geführt. Daher weiß ich, dass besonders die zuvor bereits stark belastete Automotive-Branche inklusive der Zuliefererindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Baubranche besonders betroffen sind. Ein Problem in der Automotive-Branche ist beispielsweise, dass diese anders als bei den anderen Branchen die Preiserhöhungen vor allem im Stahl nicht so einfach direkt an ihre Kunden weitergeben kann.

Wie können Sie den Unternehmen konkret helfen? Gerade in solchen Zeiten zeigt sich, wie wichtig eine Gemeinschaft wie die Wirtschaftsinitiative ist. Wir tragen mit unserem großen Netzwerk in Politik und Wirtschaft, verschiedenen Informationsveranstaltungen sowie vor allem mit unseren Kommissionen maßgeblich zur direkten Unterstützung bei. Hierbei ist besonders unsere neue Kommission Nachhaltigkeit und Innovation zu nennen, die sich unter anderem mit Projekten zur alternativen Energiegewinnung beschäftigt. Bei der aktuellen Energieversorgungssituation ist die Transformation zu erneuerbaren Energien wichtiger denn je. In dem Zusammenhang kommt auch unsere Fördermittelkommission bei der konkreten Unterstützung von Förderungen in diesem Bereich zum Tragen. Daneben spielt unsere Kommission Bundeswehr und Wirtschaft eine wichtige Rolle. Wir verfügen innerhalb der Wirtschaftsinitiative über eine Schnittstelle, die als Ansprechpartner zwischen Bundeswehr und Wirtschaft fungiert und unsere Mitglieder bei den Geschäftsbeziehungen mit der Bundeswehr unterstützt.

Wie könnte mittel- beziehungsweise langfristig die Lösung für die heimischen Mittelständler aussehen? Könnte eine (durch die Folgen des Krieges erzwungene) Fokussierung auf lokale Märkte auch eine Chance sein oder befürchten Sie größtenteils negative Folgen? Jede Krise bietet ihre Chancen. Die größte Chance sehe ich aktuell in der Hinwendung zur alternativen, autarken Energiegewinnung weg von Gas und Öl. Und spätestens durch die aktuellen Krisen wie die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg sollte allen Mittelständlern bewusst geworden sein, dass lange vor sich hin geschobene Transformationsprozesse in den Unternehmen nun endlich angestoßen und nachhaltig umgesetzt werden müssen, um auch in Zukunft für sichere Arbeitsplätze in unserer Region zu sorgen. Wir unterstützen mit der Wirtschaftsinitiative diesen nicht einfachen, aber dringend notwendigen Schritt zur Zukunftssicherung in unserer Region.

Die Fragen stellte David Scheck

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