Wieder alle Hände voll zu tun: Thomas Schmuck (links) und sein Mitarbeiter Stefan Otazu beobachteten die Baustelle beinahe täglich aus dem Schaufenster des Waschsalons.
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Wieder alle Hände voll zu tun: Thomas Schmuck (links) und sein Mitarbeiter Stefan Otazu beobachteten die Baustelle beinahe täglich aus dem Schaufenster des Waschsalons.

Baustelle

Mit Ausreden abgespeist?: Waschsalonbetreiber kritisiert Verzögerung der Bauarbeiten in der Lindenstraße

  • Jasmin Jakob
    vonJasmin Jakob
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Die groß angelegte Baustelle des Hanau Infrastruktur Service (HIS) in der Lindenstraße hat für hohe Umsatzeinbußen in den anliegenden Geschäften gesorgt. Über sechs Monate wurden die Straße erneuert und der Kanal ausgetauscht, daher war die Lindenstraße für Fahrzeuge voll gesperrt, die Geschäfte hatten weiterhin geöffnet, beklagten allerdings trotz Fußgängerpfade vor den Eingängen, dass in der Zeit von März bis September kaum ein Kunde kam. Das erzählte beispielsweise der Betreiber der Jack-Wolfskin-Filiale, der zum Jahresende schließt.

Hanau Im Zuge der Berichterstattung des HA meldete sich Thomas Schmuck, der Betreiber des Waschsalons Tip-Top Reinigung in der Lindenstraße, der die darin zitierte Stellungnahme der Stadt nicht nachvollziehen kann. Dass Anwohner für die Verzögerung der Baustelle verantwortlich gewesen sein sollen, die laut Aussage der Stadt die Mitarbeiter der Hanau Netz GmbH aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus nicht in ihre Häuser ließen, hält er für eine vorgeschobene Ausrede.

„Ich kenne hier eigentlich jeden. Dass jemand den Bauarbeitern den Zutritt zu den Hausanschlüssen verweigert haben soll, ist mir nicht bekannt“, so Schmuck. Während der Bauarbeiten seien die Anwohner und Geschäftsbetreiber mit unterschiedlichen Ausreden abgespeist worden, die seiner Ansicht nach nur vorgeschobene Gründe für eine mangelhafte Organisation bei der Planung und Durchführung der Bauarbeiten gewesen sein sollen. Von einer Weltkriegsbombe, auf die man hätte stoßen können, über ein Gremium, das der Hanau Netz GmbH die Arbeit während des Lockdowns verboten habe, bis hin zu den besagten Anwohnern.

Schmuck waren Fehlplanungen aufgefallen

Die Stadt entgegnet dazu auf Nachfrage: „Zu Beginn des Jahres wurden wir mit der Corona-Pandemie konfrontiert. Das war natürlich eine komplett neue Situation für alle von uns. Es war nötig, vor den Bauarbeiten mit jedem einzelnen Hauseigentümer, Bewohner und Anlieger in dieser besonderen Situation abzuklären, ob wir Zugang zu den Kellerräumen erhalten. Bis wir von allen die Zustimmung dazu hatten, ist etwas Zeit vergangen, vorher hätten wir aber auch nicht beginnen können. Einen Planungsfehler können wir nicht bestätigen. Selbstverständlich können und werden wir aus Datenschutzgründen nicht mitteilen, wer einem Zutritt zunächst nicht zustimmte.“ Durch eine interne Regelung seien die Arbeiten mitunter mit reduziertem Personal durchgeführt worden. Zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit oder aus Gründen des Gesundheitsschutzes hätten Mitarbeiter der Hanau Netz GmbH teilweise als Reserve vorgehalten und teilweise in Teams eingeteilt werden müssen.

Schmuck und sein Kollege Stefan Otazu hätten die Bauarbeiten fast täglich aus dem Schaufenster des Waschsalons beobachtet. Dabei seien ihnen augenscheinliche Fehlplanungen aufgefallen, wie etwa ein selbstgemaltes Fußgängerschild während der Straßensperrung oder ein Kabelverteilerschrank (KVS), der erst an einer Stelle installiert und dann aufwendig an eine andere Stelle versetzt worden sei.

Umsätze seien der Baustelle wegen deutlich eingebrochen

Dazu heißt es seitens der Stadt: „Es wurde ein KVS in der Französischen Allee, gegenüber Hausnummer 25, als Übergangslösung in die Altstraße, Hausnummer 1, versetzt. Anschließend musste dieser im Zuge des Bauablaufs an dieser Stelle wegen Abbrucharbeiten der Gebäude demontiert werden. Der endgültige Standort befindet sich in der Altstraße Hausnummer 2 / Ecke Lindenstraße. Dieses Vorgehen war so geplant, damit jederzeit die Stromversorgung für jeden Anlieger unterbrechungsfrei gewährleistet war.“

Durch die andauernden Bauarbeiten seien die Umsätze im Waschsalon und bei anderen Geschäften in der Straße jedoch um mehr als die Hälfte eingebrochen. Während des Lockdowns im Waschsalon sogar um 70 Prozent. „Für die Kunden war es sehr umständlich, ihre vollen Wäschekörbe zu Fuß zu transportieren“, so Schmuck. Zum Jahresende schließt dort auch das Haarstudio Yasmin.

Selbst gemalte Schilder: Waschsalon-Betreiber Thomas Schmuck wirft den Stadtwerken schlechte Organisation vor.

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