Klein, aber fein: Immerhin 270 000 Euro kosten die beiden kleinen Müllfahrzeuge, die in engen Straßen etwa in der Steinheimer Altstadt zum Einsatz kommen werden.
+
Klein, aber fein: Immerhin 270 000 Euro kosten die beiden kleinen Müllfahrzeuge, die in engen Straßen etwa in der Steinheimer Altstadt zum Einsatz kommen werden.

Kein Durchkommen in Steinheim

Hanau schafft Müllautos für enge Gassen an

Steinheims Altstadt ist für die städtischen Müllwerker stets eine Herausforderung. Die Straßen sind vergleichsweise schmal. Und manches widerrechtlich geparkte Auto erschwert bei der Müllabfuhr das Rangieren mit dem 10,20 Meter langen und 2,55 Meter breiten Sammel-Dreiachser zusätzlich. Das soll ein Ende haben. Der Eigenbetrieb Hanau Infrastruktur Service (HIS) hat zwei sogenannte Engstellen-Fahrzeuge angeschafft.

Hanau/Steinheim. Diese sind mit ihren 6,80 Meter Länge und 2,20 Meter Breite kompakter und flexibler – erreichen aber freilich mit 2,3 Tonnen Zuladung auch nur etwas mehr als ein Fünftel des großen „Sammel-Bruders“. Die kleinen Müllautos erleichtern jedoch die Arbeit, schaffen mehr Verkehrssicherheit und erzeugen weniger Ärger, sagt Stadtrat Thomas Morlock.

Die Anschaffung der Spezialautos war gewissermaßen ein Muss. Die Unfallversicherungsträger haben ihre Vorschriften verschärft, weil bei Rückwärtsfahrten Unfälle häufiger und schwerer geworden sind. So sind Rückwärtsfahrten demgemäß grundsätzlich zu vermeiden - mit Ausnahme beim kurzen Rangieren. Straßen mit weniger als 3,55 Meter Breite und mehr als 150 Meter Länge gelten demnach als zu eng und unübersichtlich, um dort klassische Müllfahrzeuge möglichst ungefährlich rückwärts zu bewegen.

Unzulässig geparkte Autos häufig Ursache für Rempler

Welcher Handlungsbedarf besteht, zeigt allein ein Blick in die HIS-Statistik. Danach kommt es mit den großen 26-Tonnern durchschnittlich einmal monatlich zu Anfahr- und Rangierschäden. „Häufig sind unzulässig geparkte Autos die Ursache“, so HIS-Betriebsleiter Markus Henrich. Zum Glück sei bisher kein Personenschaden zu verzeichnen gewesen.

„An den Stellen mit erhöhtem Gefahrenrisiko können die zwei Engstellenfahrzeuge Abhilfe schaffen“, erhofft Henrich. Freilich dauert der Leerungsvorgang bei diesem 8,5-Tonner auch etwas länger als bei den 26-Tonnern. Grund dafür ist die Halb-Automatik, denn der Müllwerker muss hier das Entladen der Abfallbehälter per Tastendruck in Gang setzen. Die großen Fahrzeuge hingegen verfügen über eine Automatik, sobald die Tonnen am Fahrzeug eingehängt sind.

Rückwärtsfahren nicht mehr erlaubt

„Um den neuen Sicherheitsregeln gerecht zu werden und die Gefahrenstellen genauer zu ermitteln, haben wir mit einigem Aufwand die entsprechenden Daten erfasst“, informiert Henrich. HIS stattete dazu alle Müllfahrzeuge mit Tablets aus. Diese PCs zeichneten über eine App Rückwärtsfahrten automatisch auf. „Nach Abschluss der Datenaufnahme wurden die erfassten Abschnitte mit den jeweiligen Fahrern durchgesprochen“, veranschaulicht Ralf Sterk, HIS-Abteilungsleiter für Abfallwirtschaft und Straßenreinigung.

Dabei wurde unterschieden nach reinen Rangiervorgängen, die weiterhin zulässig sind, und tatsächlichen längeren Rückwärtsfahrten, um Mülltonnen zu laden. „Danach blieben rund 400 Straßenabschnitte übrig, bei denen eindeutig eine Rückwärtsfahrt nötig ist. Die haben wir dann in drei Gefahrenklassen bewertet“, so Sterk weiter. Grün bedeutet: kein erhöhtes Risiko bei einer Rückwärtsfahrt, vor allem weil keine langen Rückwärtsfahrten und ausreichende Fahrbahnbreiten gegeben sind. Bei Gelb besteht erhöhtes Risiko, weil etwa beim Rückwärtsfahren ein schlecht einsehbarer Bereich vorhanden ist. Rot steht für hohes Risiko, wenn beispielsweise über schlecht einsehbarere Bereiche bei der Rückwärtsfahrt hinaus zusätzliche Gefahrenstellen anzutreffen sind wie Bushaltestellen, Schulen, Kinder-Tagesstätten, Krankenhäuser oder Pflegeheime.

270000 Euro investiert

Für die gelben und roten Abschnitte erarbeitet HIS derzeit Lösungsvorschläge. Dazu kann das Einrichten oder Durchsetzen von Parkverboten in zu engen Straßen oder Wendeanlagen gehören, ebenso zentrale Behälter-Standplätze oder der Einsatz eines Engstellen-Fahrzeugs. „Bei den grünen Abschnitten gibt es in der Regel keinen oder nur sehr geringfügigen Handlungsbedarf“, sagt Sterk.

„Die Investition kann auch vermeiden helfen, dass Bürgerinnen und Bürgern ihre Abfallbehälter selbst zu Sammelplätzen ziehen müssen, denn mit den Engstellenfahrzeugen können die Tonnen fast überall weiter vor der eigenen Haustür abgeholt werden“, hofft Stadtrat Morlock. Insgesamt hat HIS 270 000 Euro für ein weiß und ein orange lackiertes Fahrzeug investiert. Im Laufe des Jahres 2022 gehen sie in Betrieb, nachdem das nötige Fahrpersonal gefunden ist.  cs.

Das könnte Sie auch interessieren